CW-Kolumne

Digitalisierung ist Chefsache

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Die Medienbranche ist wahrscheinlich diejenige, die am besten weiß, was digitaler Wandel bedeutet. Ganze Geschäftsmodelle stehen hier Kopf.

Verleger und Herausgeber machen sich Gedanken, wie sie sich künftig positionieren und im Wettbewerb differenzieren wollen. Die Offenheit, mit der Bewährtes infrage gestellt und Neues ausprobiert wird, ist verblüffend - man denke etwa an die Zukäufe von Startups durch Verlagshäuser oder die Ausflüge prominenter Medienschaffender ins Silicon Valley.

Wohlgemerkt, es sind die Geschäftsführer selbst, die sich mit den Chancen der Digitalisierung beschäftigen - denn hier geht es ans Eingemachte. Warum ist das erwähnenswert? Weil uns viele Analysten und Unternehmensberater immer wieder suggerieren, es seien die IT-Chefs, die für die Digitalisierung verantwortlich seien. Ein regelrechtes Kesseltreiben ist zu beobachten, nach dem Motto: "Tu was, CIO!"

Heinrich Vaske Chefredakteur COMPUTERWOCHE
Heinrich Vaske Chefredakteur COMPUTERWOCHE

Die interne IT soll heute innovieren, "disruptiv" wirken, die Unternehmensprozesse umbauen. Sie soll Maschinenparks intelligent vernetzen, logistische Prozesse mit Hilfe mobiler Technik, 3D-Druck und BPM neu gestalten. Auch das Marketing soll die IT revolutionieren, denn die Kollegen dort möchten ran an die Big-Data-Töpfe und alles über Märkte und Kunden erfahren. Die Personalabteilung hat ebenfalls Wünsche: Sie braucht Hilfe beim "Human Capital Management", schließlich zieht sie in den "War for Talents".

Natürlich kann die IT mit ihren technischen Skills, ihrem Anwendungs-Know-how und ihrem Wissen zu übergreifenden Prozessen unterstützend wirken. Aber sie kann den Mitarbeitern in den Fachabteilungen nicht das Denken abnehmen. Digitalisierung bedeutet, dass IT alle Unternehmensbereiche durchdringt - weshalb überall IT-Know-how aufgebaut werden muss. Das funktioniert nur, wenn vorab die Hausaufgaben erledigt wurden. Vorstände und Abteilungsleiter müssen Konsens haben, was Digitalisierung für ihre Unternehmen heißt. Hier geht es um grundlegende strategische Fragen.

Die Digitalisierung ist also in erster Linie: Chefsache!