Public-ICT - E-Government

Wie die DE-Mail-Konkurrenz funktioniert

Die Post bringt den Brief ins Web

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Auf der Messe "Moderner Staat" in Berlin hat die Deutsche Post zum ersten Mal der Öffentlichkeit ihr Projekt des elektronischen Briefes vorgestellt. Im ersten Halbjahr 2010 soll es losgehen. Noch sucht die Post Partner, überlegt sich Preise und Marketingstrategien.
Der Deutschen Post gehen die Briefe aus.
Der Deutschen Post gehen die Briefe aus.

„Noch läuft das Ganze bei uns unter einem Codenamen", sagt ein Mitarbeiter der Deutschen Post am Messestand auf der Verwaltungsfachmesse „Moderner Staat" in Berlin. Auch die Preise stehen - zumindest offiziell - noch nicht fest. Doch die internen Planungen sind offenbar ziemlich weit voran geschritten. Mit Videopräsentationen demonstriert die Post auf ihrem Stand ihr Konzept des „elektronischen Briefes für Verwaltungen". Auf der Messe selbst bietet sie sich Städten und Gemeinden als Projektpartner an.

Mit ihrem Projekt macht die Deutsche Post dem vor Kurzem in Friedrichshafen gestarteten Pilotprojekt von Deutscher Telekom, T-Systems und United Internet „DE-Mail" Konkurrenz. Im Gegensatz zu diesem sieht man sich selbst mit der Vereinigung von elektronischer und herkömmlicher Briefzustellung in einer Hand im Vorteil. „Der Brief im Internet ist ein wichtiges Element jeder E-Government-Strategie", sagt der Deutsche-Post-Bereichsvorstand und CIO Brief Johannes Helbig im Interview.

Allerdings vermeidet die Post sorgfältig, als Konkurrent zu DE-Mail aufzutreten. „Die Deutsche Post versteht DE-Mail als eine Initiative der Bundesregierung, mit der sie gesetzliche Normen und Rahmenbedingungen für verbindliche elektronische Schriftkommunikation setzen und etablieren will", sagt Helbig. „Unser Projekt steht also nicht im Widerspruch zur DE-Mail-Initiative des Innenministeriums", so Helbig weiter.

Die „Financial Times" hatte im September diesen Jahres allerdings exklusiv berichtet, dass die Deutsche Post „durch gezieltes Lobbying" verhindert habe, dass das für den DE-Mail-Dienst notwendige „Bürgerportalgesetz" noch in der vergangenen Legislaturperiode verabschiedet werden konnte. Die Post bestreitet das. Doch sie muss die neue DE-Mail-Konkurrenz vor allem fürchten, erwirtschaftet sie doch rund ein Viertel ihres Gesamtumsatzes von rund 54 Milliarden Euro im Briefmarkt.