2014 ff.

Die PC-Branche sortiert sich nach dem Tablet-Schock neu

23.12.2013
Die Kapitäne der PC-Industrie haben Smartphones und Tablets erst nur als Zusatzgeräte zu ihren Notebooks und Desktops gesehen. Doch inzwischen ist klar: Die jahrzehntelange Dominanz der Personal Computer ist vorbei. Eine ganze Branche muss sich neu erfinden.

Für die einst erfolgsverwöhnte PC-Industrie geht ein mieses Jahr zu Ende - und 2014 verspricht kaum Besserung. Der Vormarsch der Smartphones und Tablets hat das Geschäft in den Grundfesten erschüttert. Spätestens 2013 dürfte jedem klargeworden sein, dass das Geschäft nie wieder so wie vorher laufen werde, sagt Gartner-Analyst Ranjit Atwal. Die Marktforschungsfirma rechnet für dieses Jahr mit einem Absatzeinbruch von über acht Prozent und weiterer Talfahrt im kommenden Jahr. Die beste Nachricht, die Atwal für die Branche hat: In den nächsten zwölf Monaten könnte der Tiefpunkt erreicht werden, nach sie auf zumindest leichtes Wachstum hoffen darf.

Das "Yoga 2 Pro" von Lenovo
Das "Yoga 2 Pro" von Lenovo
Foto: Lenovo

Im Spitzenjahr 2011 wurden noch über 365 Millionen Notebooks und Desktop-Rechner verkauft. Für 2014 prognostiziert Gartner nur noch einen Absatz von gut 280 Millionen. Das ist fast ein Viertel weniger. Und das Minus verteilt sich in der Branche alles andere als gleichmäßig. Wer im Geschäft mit Unternehmen gut aufgestellt ist, kommt besser durch die Krise. Wer vor allem darauf angewiesen ist, dass Verbraucher seine Geräte kaufen, wurde hart erwischt.

So fielen die Verkäufe der taiwanischen Hersteller Acer und Asus, die einst mit ihren günstigen Mini-Notebooks die Branche aufmischten, Quartal für Quartal um 20 oder 30 Prozent. Das Abflauen des Netbook-Trends radierte große Teile ihres Geschäfts aus. "Das nächste Jahr könnte entscheidend für einige Anbieter sein", warnt Analyst Atwal. Die Unternehmen greifen zu verschiedenen Rezepten, um wieder festen Boden zu finden.

Acer zog im November nach seinem bisher höchsten Verlust die Reißleine. Erst wurde angekündigt, dass Konzernchef J.T. Wang durch einen Manager aus der zweiten Reihe ersetzt werden soll. Nur zwei Wochen später war auch sein designierter Nachfolger aus dem Rennen und nun springt der 69-jährige Gründer Stan Shih ohne Bezahlung ein, um sein Lebenswerk zu retten.

Auch bei der aktuellen Nummer drei Dell griff der Gründer ein. Michael Dell verbrachte fast das gesamte Jahr damit, sich die Kontrolle über das von ihm einst im Studentenwohnheim gegründete Unternehmen zurückzuholen. Zusammen mit verbündeten Finanzinvestoren bot er rund 25 Milliarden Dollar, um die Firma zu kaufen und von der Börse zu nehmen. In einer Übernahmeschlacht setzte er sich gegen den Milliardär Carl Icahn durch, der den Deal verhindern wollte. Michael Dell hofft, ohne ständige Rechenschaft an die Aktionäre das Unternehmen radikaler umkrempeln zu können. Unter anderem will er ins Geschäft mit Tablets und Smartphones vorstoßen.

Es gibt aber auch in der Branche Gewinner des Umbruchs wie Lenovo. Der chinesische Konzern, der erst 2005 mit der Übernahme des PC-Geschäfts von IBM in die Spitzenliga der Industrie vorstieß, schaffte es in diesem Jahr, den langjährigen Branchenprimus Hewlett-Packard zu entthronen. HP hatte sich selbst ein Bein gestellt - der Zick-Zack-Kurs mit den erst angekündigten und dann zurückgenommenen Plänen zur Abspaltung des PC-Bereichs verunsicherte die Unternehmenskunden. Lenovo sammelte viele von ihnen ein.

Zugleich experimentiert der neue Marktführer mit frischen Geräteformen wie Kombinationen aus Notebook und Tablet oder Laptops mit drehbarem Bildschirm. "Fast 30 Jahre lang gab es praktisch nur zwei Geräteklassen: Tischrechner und Klapp-Notebooks. Die neuen Technologien geben uns viel mehr Spielraum", sagt Europachef Gianfranco Lanci. Man könne auch in einer Branchenkrise wachsen, wenn man die richtigen Entscheidungen treffe. "Wir sind allerdings in einem schnelllebigen Geschäft, in dem man sich keine Fehler leisten sollte." Auch Lenovo erlebte bei den Experimenten einige Fehlschläge, wie zum Beispiel das Tisch-Tablet Horizon in der Größe eines Fernsehbildschirms, das ein Ladenhüter blieb.

Schon 2015 dürften weltweit mehr Tablet-Computer als PCs verkauft werden. Nach Einschätzung von Gartner-Analyst Atwal bietet der aktuelle Trend zu kleineren Tablet-Bildschirmen allerdings Raum für eine Erholung des PC-Geschäfts. "Viele werden nach wie vor ein Gerät mit größeren Display-Diagonalen ab 11 oder 13 Zoll haben wollen." (dpa/tc)