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Die Konjunktur beutelt auch IBM

18.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat gestern nach US-Börsenschluss seine Zahlen zum vierten Quartal veröffentlicht. Der Nettogewinn des Konzerns fiel von 2,67 Milliarden Dollar oder 1,48 Dollar pro Aktie im Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 2,33 Milliarden Dollar oder 1,33 Dollar je Anteilschein und übertraf damit knapp die Erwartungen der Analysten. Diese hatten laut First Call/Thomson einen Profit von 1,32 Dollar pro Aktie erwartet.

Die Einnahmen von Big Blue gingen von insgesamt 25,62 Milliarden Dollar im Berichtszeitraum des Vorjahres auf 22,80 Milliarden Dollar zurück. Böse überrascht wurde IBM von einem Umsatzrückgang seiner Sparte Global Service um 1,4 Prozent auf 9,06 Miliarden Dollar. Die IT-Dienstleistungen machen 39 Prozent der gesamten IBM-Einnahmen aus. Der Vorsteuergewinn von Global Services stieg dessen ungeachtet um 8,4 Prozent auf 1,41 Milliarden Dollar. Neue Verträge mit einem Gesamtvolumen von 15 Milliarden Dollar schraubten das Backlog auf einen neuen Rekordwert von 102 Milliarden Dollar.

Erfreulich verlief das Softwaregeschäft mit Zuwächsen beim Umsatz von sechs Prozent auf 3,78 Milliarden Dollar und beim Vorsteuergewinn von 21 Prozent auf 1,17 Milliarden Dollar. Zulegen konnten die Armonker vor allem mit Middleware und Datenbanken - offensichtlich auf Kosten von Bea Systems und Oracle. In Sachen Hardware gibt es allerdings nur punktuell Erfreuliches zu vermelden: Der Bereich Enterprise Systems meldet 13 Prozent Umsatzrückgang auf 4,07 Milliarden Dollar. Gut verkauften sich hier die Mainframes (mit dem ersten Umsatzplus seit 1989) und die neuen "Regatta"-Unix-Server, die im Dezember ausverkauft waren. Bergab ging es dagegen mit kleineren Unix- und Intel-Servern. Der Vorsteuergewinn bei Enterprise Systems ging um 18 Prozent auf 719 Millionen Dollar zurück.

Die PC-Sparte, im Vorjahresquartal mit 105 Millionen Dollar noch deutlich in den schwarzen Zahlen, schrieb aktuell einen Vorsteuerverlust von 17 Millionen Dollar und musste einen Umsatzrückgang von 32 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar verschmerzen. In der vergangenen Woche hatte IBM die komplette Auslagerung der Desktop-Fertigung an Sanmina-SCM angekündigt (Computerwoche online berichtete), um die Kosten zu drücken. Am schlimmsten erwischte es aber die Technology Group (u.a. Halbleiter, Festplatten) mit einem Umsatzeinbruch von 30 Prozent auf 1,88 Milliarden Dollar und einem Verlust vor Steuern von 293 Millionen Dollar.

Finanzchef John Joyce erklärte, für das begonnene Geschäftsjahr werde IBM vermutlich die Erwartungen der Wall Street - laut First Call/Thomson 4,81 Dollar Gewinn pro Aktie - erfüllen. Er wollte sich aber weder zum laufenden Quartal noch zur Umsatzerwartung für 2002 äußern.

Nachdem die IBM-Aktie im gestrigen Handelsverlauf um 2,65 zum Fixing auf 119,90 Dollar gestiegen war, gab das Papier im nachbörslichen Handel um 5,05 auf 114,85 Dollar nach. (tc)