Was verdienen Berater, Entwickler, Vertriebler?

Die große Entgeltanalyse 2012

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Die ITK-Branche ist gut durch die Krise gekommen und wächst weiter. Für die Beschäftigten in der IT zahlt sich der Erfolg nur in moderaten Gehaltssprüngen aus. Zu diesem Ergebnis kommt die IG Metall in ihrer Entgeltanalyse.

"Die IT- und TK-Branche wächst, aber die Beschäftigten profitieren nur zum Teil davon." Dieses Fazit zog Christiane Benner, Vorstandsmitglied der IG Metall, aus der jüngsten Entgeltanalyse. Dieser hat die Gewerkschaft über 28.000 Gehaltsdaten aus 132 Unternehmen, darunter Softwareanbieter, IT-Dienstleister, Berater und Ausrüster, zugrunde gelegt.

Wer verdient was in der IT? Für ihre Studie hat die IG Metall über 28.000 Gehaltsdaten aus 132 Unternehmen ausgewertet.
Wer verdient was in der IT? Für ihre Studie hat die IG Metall über 28.000 Gehaltsdaten aus 132 Unternehmen ausgewertet.
Foto: Fotolia, Rene Schubert

Da in den Firmen keine einheitlichen Arbeitszeitregelungen bestehen, hat die IG Metall die 35-Stunden-Woche als Bezugsgröße für die Durchschnittsgehälter genommen. "Wer aber 40 Stunden in der Woche arbeitet, muss 14,3 Prozent zu den Werten dazurechnen", gibt Benner eine Lesehilfe zur Studie.

Deutliches Plus nur für Führungskräfte

Christiane Benner, IG Metall: "Der Erfolg der Branche muss deutlicher bei den Beschäftigten ankommen."
Christiane Benner, IG Metall: "Der Erfolg der Branche muss deutlicher bei den Beschäftigten ankommen."
Foto: IG Metel

So erhöhten sich die Gehälter im vergangenen Jahr nur im kaufmännischen Bereich deutlich. Controller, deren Jahreseinkommen 60.000 Euro beträgt, konnten sich über ein Plus von vier Prozent freuen. Nur moderate Gehaltssteigerungen gab es dagegen in Vertrieb, Consulting und Software Engineering (zwischen 1,4 und 2,2 Prozent). Wie hoch das Gehaltsplus ausfiel, ist auch eine Frage des Tarifvertrages. In Unternehmen ohne Tarifbindung gab es im Durchschnitt nur ein halbes Prozent mehr Gehalt, in Betrieben mit Tarifvertrag immerhin 2,4 Prozent mehr.

IT-Berater gehören nicht nur zu den gesuchtesten Berufsgruppen auf dem IT-Arbeitsmarkt, sondern sind auch gut bezahlt. Allerdings ist die Zeit der großen Gehaltssprünge auch hier vorbei. So verdiente ein Senior Consultant 68.526 Euro im Firmendurchschnitt und damit gerade einmal 500 Euro mehr als vor acht Jahren. Auch Chefberater, die Projekte fachlich leiten und verantworten, gehören mit 78.000 Euro zu den Spitzenverdienern der Branche wie Manager im Beratungsbereich, die laut IG-Metall-Studie durchschnittlich knapp 96.000 Euro im Jahr kassierten. Die Junior Consultants starten dagegen mit etwa 43.000 Euro im Jahr. Allerdings können die Einsteiger im Beratungsbereich noch mit einem vergleichsweise hohen Fixgehalt und niedrigen variablen Anteil (7,7 Prozent der Gesamtvergütung) kalkulieren, während der variable Anteil mit steigender Verantwortung und Position einen immer größeren Raum einnimmt.

Vertrieb und Entwicklung: Nur Chefs machen Kasse

Hoch sind die variablen Gehaltsbestandteile traditionsgemäß im Vertrieb, der sich auch mit moderaten Zuwächsen bescheiden muss. Kein Vergleich zu 2011, als das Gehaltsplus für Vertriebspositionen noch 9,9 Prozent betrug. Ausnahme sind in diesem Jahr allerdings die Vertriebsleiter. Sie bekamen mit 107.500 Euro um vier Prozent mehr als im Vorjahr. Ihr variabler Gehaltsanteil liegt bei knapp 40 Prozent. Vertriebsbeauftragte liegen in den ersten Jahren bei 49.000 Euro und nach mehrjähriger Berufserfahrung bei 69.500 Euro. Damit verdienen sie deutlich weniger als zu Beginn des Jahrtausends. Zu Zeiten des Internet-Hypes konnten auch Einsteiger im Vertrieb mit 65.000 Euro rechnen. Key-Account-Manager, die in erster Linie Großkunden betreuen, kommen auf gut 82.000 Euro im Jahr.

Auch in der Softwareentwicklung konnten sich nur die Führungskräfte über ein sattes Plus von vier Prozent freuen, während etwa die Gehälter der Einsteiger bei 40.800 Euro stagnierten. Im Vergleich zu ihnen verdiente ein Leiter des Entwicklungsbereichs mit durchschnittlich 95.300 Euro mehr als doppelt so viel. Softwarearchitekten oder leitende Softwarespezialisten können mit einem Jahreseinkommen von 77.000 Euro rechnen, ein Systemanalytiker mit mehrjähriger Berufserfahrung mit 54.373 Euro.

Gutes Geld für Projektleiter und Marketing-Profis

Obwohl sich das Gehaltsniveau im Projekt-Management nur um 1,7 Prozent verändert hat, gehören Projekt-Manager immer noch zu den am besten bezahlten IT-Spezialisten. Je nach Berufserfahrung verdienen Projektleiter zwischen 48.400 und 86.000 Euro im Jahr. Auch im Marketing stagnieren die Einkommen, was aber die Verdienstchancen im Vergleich mit anderen Berufsgruppen in der IT nicht schmälert: Einsteiger erwartet ein überdurchschnittliches Startgehalt von 45.200 Euro, Marketing-Spezialisten können je nach Erfahrung jährlich 60.700 bis 75.000 Euro erwarten. Und ein Marketing-Leiter kommt auf knapp 96.000 Euro im Jahr.

In der Hardwareentwicklung gab es nach einem leichten Gehaltsminus in 2011 nun wieder Aufwind: Junior-Entwickler beginnen bei 41.500 Euro und können sich dann auf knapp 56.000 Euro (Hardwareentwickler) beziehungsweise 63.300 Euro (Senior Entwickler) hocharbeiten. Gruppenleiter in der Hardwareentwicklung liegen bei 77.500 Euro und Entwicklungsleiter bei 90.500 Euro. Damit haben letztere den größten Gehaltssprung (um 4,7 Prozent) in ihrer Gruppe gemacht.

Auch die Servicetechniker, die in den vergangenen Jahren immer als die Verlierer galten, holen langsam auf. Supporttechniker dürfen mit 53.000 Euro rechnen, Supportspezialisten kommen auf knapp 63.700 Euro im Jahr und der Leiter des Kundendienstes verdient knapp 83.000 Euro im Jahr. Einzige Ausnahme: Wer im Kundendienst als Junior Techniker einsteigt, muss sich mit 34.300 Euro begnügen und erhält weniger als im Vorjahr.

Traditionell am unteren Ende der Gehaltsskala in der IT-Branche sind die Mitarbeiter im Call Center angesiedelt. Ein Junior-Kundenbetreuer verdient knapp 24.000 Euro im Jahr, mit zunehmender Berufserfahrung 36.300 Euro. Der Gruppenleiter im Call Center kommt auf 51.000 Euro im Jahr, womit er 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr verdient.

Wer verdient wie viel in der ITK-Branche?

Diese Frage versucht die Gewerkschaft IG Metall in ihrer Entgeltstudie zu beantworten. Dafür hat sie insgesamt 28 200 Daten aus 132 Unternehmen untersucht. Die ermittelten Gehälter beziehen sich auf die 35-Stunden-Woche. Die Studie kann online bestellt werden unter www.igmetall-itk.de.