CES 2013

Die Elektronikbranche lebt

Manfred Bremmer
Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
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Nicht alles in Las Vegas ist nur Fassade: Auf der CES wird in dieser Woche gezeigt, welche Trends und Produkte aus der IT und Unterhaltungselektronik in diesem Jahr den Ton angeben könnten.

Während sich die hiesige IT-Industrie nach den Feiertagen erst langsam in Bewegung setzt, herrscht jenseits des großen Deichs längst schon wieder Hochbetrieb: Vom 8. bis zum 11. Januar konnte man auf der International CES (früher Consumer Electronics Show) in Las Vegas auf mehr als 170.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die neuesten Trends und Produkte in der IT und Unterhaltungselektronik bestaunen. Der Preis ist heiß: Nach Berechnungen des Branchenverbands Consumer Electronics Association (CEA), der die Messe ausrichtet, werden in diesem Jahr weltweit rund 1,1 Billionen Dollar für Unterhaltungselektronik ausgegeben. Das entspricht einem Plus von vier Prozent gegenüber 2012, nachdem der Markt im vergangenen Jahr voraussichtlich um ein Prozent geschrumpft war.

Auch die Zahlen für die CES können sich sehen lassen, zumindest auf dem Papier: Nach Angaben der CEA kamen dieses Jahr über 3200 Aussteller nach Las Vegas, um den mehr als 150.000 Fachbesuchern ihre zusammen gut 20.000 Neuheiten zu präsentieren. Verschlägt es einem angesichts dieser Zahl zunächst den Atem, setzt spätestens nach einem Gang durch die Hallen des Las Vegas Convention Center eine gewisse Ernüchterung ein: Bei einem Großteil der gezeigten Produkte handelt es sich nämlich um simple Smartphone-Hüllen, Bluetooth-Lautsprecher und andere Accessoires sowie digitale Gadgets für Gesundheit und Fitness. Und etliche der Exponate, etwa eine digitalen Gabel namens „Hapi Fork“, die das Essverhalten auswertet und durch Vibration zu hastige Nahrungsaufnahme vermeiden soll, werden es wohl gleich gar nicht bis zur Serienreife schaffen.

CES 2013 in Las Vegas

Paul Jacobs zusammen mit Steve Ballmer auf der CES Keynote.
Paul Jacobs zusammen mit Steve Ballmer auf der CES Keynote.
Foto: IDGNS San Francisco / James Niccolai

Nachdem seit 1999 regelmäßig der CEO von Microsoft die Eröffnungsrede auf der CES gehalten hatte, fiel dieses Jahr diese hohe Ehre nach dem Rückzug des Branchenriesen Qualcomm-CEO Paul Jakobs zu. Das kalifornische Unternehmen liefert Chips für viele Smartphones und Tablets- Geräte, die anders als klassische PCs und Notebooks im Gesamtmarkt an Bedeutung gewinnen. Jacobs ist allerdings nicht unbedingt als begnadeter Redner bekannt, wohl deshalb wurde er bei seiner Keynote von einer aufwändigen Videoshow und zahlreichen Gästen unterstützt. Während seiner Ausführungen zum Thema „Born mobile“, also der Generation, die bereits mit Mobilfunk aufgewachsen ist, hatten unter anderem Hollywood-Regisseur Guillermo Del Toro, "Star Trek"-Schauspielerin Alice Eve, ein Nascar-Rennfahrer, die Popband Maroon 5 und der große gelbe Vogel Big Bird aus der "Sesamstraße" kurze Auftritte. Der ehemalige anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu war in einem Video-Clip zu sehen. Auch Steve Ballmer, der noch im Vorjahr die Keynote auf der CES gehalten hatte, betrat die Bühne und präsentierte einige Smartphones und Tablets, die mit Qualcomm-Chipsätzen sowie den Microsoft-Betriebssystemen Windows RT und Windows Phone 8 liefen.

Trotz der vielen Show-Einlagen fand auch Jacobs Zeit, zwei neue Familien von Snapdragon-Chipsätzen anzukündigen und so der Keynote etwas Substanz zu geben. So biete "Snapdragon 800" 70 Prozent mehr Leistung gegenüber der aktuellen Reihe, erklärte der Qualcomm-CEO. Integriert sei unter anderem eine Quad-Core-CPU, deren Kerne mit 2,3 Ghz getaktet seien und die Wiedergabe von HD-Videos (1080p) mit 30 Frames pro Sekunde unterstützen. Damit ausgestattete Smartphones und Tablets würden in der Lage sein, Videos in Ultra-HD-Qualität aufzunehmen sowie abzuspielen, unterstützten LTE+ für superschnelle Downloads und brächten Spielkonsolen-Qualität auf einem mobilen Gerät, so Jacobs.

Aber auch für die wenigen großen Neuvorstellungen in diesem Jahr ist der Launch auf der CES kein Erfolgsgarant: Zwar war die Fachmesse in der Wüsten- und Spielerstadt in der Vergangenheit bereits Wiege so erfolgreicher Produkte wie Sonys Kassetten-Rekorder, dem Commodore 64, der DVD, der Xbox und der Bluray-Disc. Andererseits sind beispielsweise die einst als besonders innovativ gefeierten 3D-Fernseher nach wie vor Nischenprodukte und auf der Messe hoch gelobte und mehrfach ausgezeichnete Geräte wie das Blackberry Playbook (2011) von Research in Motion oder das Nokia Lumia 900 (2012) floppten letztendlich bei der Markteinführung.

So ist es nur wenig verwunderlich, dass sich nicht nur RIM und Nokia dieses Jahr eine Auszeit von der CES gönnen. Insgesamt kehren viele große Anbieter Las Vegas den Rücken und setzen stattdessen wie Apple auf eigene Events oder thematisch stärker fokussierte Messen wie den Mobile World Congress. Prominentestes Beispiel dafür ist der Microsoft-Konzern, der dieses Jahr erstmals nach 14 Jahren der CES fernblieb - als Grund wird angeführt, dass sich die Produktentwicklung nur schwer mit der Messe im Januar in Einklang bringen lasse. Quasi als Bestätigung hatten die Redmonder schon 2012 das neue Windows 8 statt in Las Vegas erst knapp zwei Monate später am Rande der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona vorgestellt – sicherlich nicht der bestgeeignetste Rahmen für das nur bedingt mobile Betriebssystem. Aber auch Riesen wie HP oder Dell fehlten, andere Player, beispielsweise Asus, haben ihre Präsenz auf der CES bereits stark eingeschränkt und wollen größere Produktankündigungen lieber Ende Februar auf den MWC vornehmen. Der ambitionierte koreanische Hersteller Samsung dagegen hatte in diesem Jahr seine Ausstellungsfläche auf der CES zwar auf knapp 800 Quadratmeter ausgeweitet. Neue Produkte präsentierte das Unternehmen aber vorwiegend nur in klassischen CES-Bereichen, etwa bei Fernsehern, Monitoren, Notebooks oder Haushaltsgeräten. Bei den Smartphones gab es dafür nur bereits im Markt befindliche Geräte wie das „Galaxy Note 2“ und „Galaxy SIII“ zu bestaunen. Das neue Flaggschiff wird dagegen nach Apple-Manier voraussichtlich auf einem eigenen Event vorgestellt.

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