Talentsuche

Die Do's and Don'ts im Recruiting

Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Um Talente zu gewinnen, müssen sich Unternehmen mittlerweile anstrengen. Welche Unternehmen es besonders gut machen - und was Sie davon lernen können.

Jedes dritte Unternehmen bekommt zu wenig Bewerbungen auf Schlüsselpositionen, so eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr. Nachwuchsmangel herrscht am deutschen Arbeitsmarkt ohnehin. Gerade im IT-Bereich können sich die Bewerber die Firma aussuchen. Sie bewerten Unternehmen nach Gehalt, Betriebsklima - und wie mit ihnen als Bewerbern umgegangen wird.

Fühlen sich Bewerber nicht wertgeschätzt, oder bekommen sie nicht schnell genug eine Antwort, ist das Unternehmen aus dem Rennen. Manchmal setzt der Fehler schon früher ein: Noch immer haben einige Unternehmen zum Beispiel das Mobile Recruiting nicht als Trend erkannt. Weil sie diese Plattform nicht für sich als Werbung nutzen, entgehen den Firmen viele qualifizierte Mitarbeiter.

Einige Unternehmen wollen gegensteuern. In der "Career’s Best Recruiters" Studie wurden die 500 größten Unternehmen Deutschlands auf ihre Recruiting-Bemühungen hin abgeklopft. Fazit: "Heutzutage bewerben sich nicht mehr die Arbeitnehmer bei den Arbeitgebern, sondern die Arbeitgeber bei den Arbeitnehmern", sagt Studieninitator Markus Gruber. Die Rewe Gruppe konnte da am besten punkten.

Rewe rekrutiert am besten

Recruiting fängt bei Rewe schon ganz früh an: Bereits Studierende werden gezielt angesprochen.
Recruiting fängt bei Rewe schon ganz früh an: Bereits Studierende werden gezielt angesprochen.
Foto: vichie81 - Fotolia.com

Der Lebensmitteleinzelhändler habe, so die Studie, eine ansprechend gestaltete Karriere-Website. Im Talent-Recruiting zeigte sich die Rewe-Group ebenfalls vorbildlich: So würden Studierende gezielt angesprochen. "Die Rewe Group stellt auf ihrer Karriere-Website nicht nur allgemeine Kontaktdaten zur HR-Abteilung bereit, sondern auch einen personifizierten Kontakt", begründet Studienleiter Helmuth Ströber die Entscheidung, Rewe so viele Punkte zu geben. Wichtige Daten zum Auswahlverfahren und zu den Bewerberunterlagen gebe es ebenfalls auf den Seiten des Lebensmittelkonzerns. Rewe macht gute Eigenwerbung für sich mit der Karriereförderung. Das zieht: Nach eigener Aussage bekommt Rewe jährlich etwa 50.000 Bewerbungen und hat deswegen ein E-Recruiting System eingerichtet. Auf Platz zwei und drei fand sich der Anlagenbauer Krones AG und Philips Deutschland GmbH.

Nach Branchen aufgeteilt schnitt die Versicherungsbranche mit der besten Recruitingpraxis ab, gefolgt von den Unternehmensberatern und Maschinenbauern. Am schlechtesten behandelten ihre Bewerber der KFZ-Handel und Services. Sie konnten nur 37 Prozent der vergebenen Punkte erreichen. Die Studie macht deutlich, dass in deutschen Firmen die Recruitingpraxis in einigen Fällen schon ganz gut läuft. Trotzdem hakt es im Recruiting teilweise noch gewaltig.

Nur jede zweite Firma wirbt über Social Media

Bei den Top-500 Unternehmen ist Social Media im Recruiting angekommen. Aber es gibt immer noch viele andere Unternehmen, für die Facebook & Co eine echte Hemmschwelle bilden.
Bei den Top-500 Unternehmen ist Social Media im Recruiting angekommen. Aber es gibt immer noch viele andere Unternehmen, für die Facebook & Co eine echte Hemmschwelle bilden.
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Bei den Top-500 ist Social Media im Recruiting angekommen - beinahe 82 Prozent der Unternehmen, so die Studie, präsentieren sich auf sozialen Plattformen. Das heißt aber andererseits, dass knapp jedes fünfte Unternehmen auf Facebook, Xing und Co. keinen Wert legt. Vielmehr haben Firmen Angst vor "diesem Facebook", denn ein schlechter oder veralteter Auftritt könne dem Ansehen eines Unternehmens mehr schaden als nutzen, meint Studienleiter Stöber von "Career's Best Recruiters". Unbedachtes Auftreten kann fatal sein und einen Shitstorm auslösen. Das mag ja stimmen - junge Bewerber holt man so aber nicht ab.

Firmen könnten hier punkten, denn Social Media ist gerade jungen Bewerbern wichtig. Für die aktive Personalsuche, etwa Stellenausschreibungen auf Facebook, nutzten nur 56 Prozent der untersuchten Firmen das Netz. Als Schlüsselfaktor für erfolgreiches Recruiting gilt: Unternehmen sollten auf die Bewerber dort zugehen, wo sie Infos suchten. Und das ist eben im Social Web. Zeit, die Vorurteile hinter sich zu lassen. Gut macht das laut Studie übrigens die Bayer AG: Der Konzern hat inzwischen eine eigene Karriere App für Tablets und Smartphones.

Mit Eigenwerbung punkten

Bewerber verschaffen sich gern einen Einblick in die Unternehmenskultur. Geheimniskrämerei zahlt sich in der Selbstpräsentation nicht aus. Ein paar Firmen präsentieren sich recht offen und machen Werbung für sich selbst. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Firmen zeigt Fotos vom "Arbeitsalltag" auf ihrer Website, 62 Prozent stellten einige Mitarbeiter in Form von Testimonials vor und 37 Prozent wollten es dem Mitarbeiter ermöglichen, das Unternehmen besser kennen zu lernen. Wie relevant das für einen Bewerber ist, sei dahingestellt. Über die Realität sagt die Werbung nichts aus.

Unternehmen lehnen Initiativbewerbungen ab

Der Verbesserungsbedarf ist immer noch groß, etwa wenn der Bewerber sich auf gut Glück beim Unternehmen bewirbt: "Initiativbewerbungen bleiben liegen oder werden erst überhaupt gar nicht ermöglicht", sagt Studienleiter Stöber. Insgesamt verschickten die Studienmacher 1.728 Initiativbewerbungen an die Top 500 in Deutschland. 74 Prozent der Unternehmen antworteten in irgendeiner Form binnen zehn Werktagen.

Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der versendeten Bewerbungen blieben, so die Studie, innerhalb eines Zeitraumes von zwei Wochen unbeantwortet. 23 Prozent, knapp ein Viertel der getesteten Arbeitgeber, ermöglichen keine Initiativbewerbungen über die Karrierewebseite. 14 Prozent verweigern sich Bewerbungen aus Eigenantrieb völlig: Sie landen direkt im Papierkorb. Und das, obwohl in diesen Schreiben häufig mehr Mühe steckt und sich mehr Rückschlüsse auf den Bewerber ziehen lässt.

Auf das Wie kommt es an

Wie hoch die Wertschätzung gegenüber dem Bewerber ist, zeigt die Art der Antwort. Zwölf Prozent der Antworten insgesamt erfolgten automatisiert. 63 Prozent der Unternehmen machen sich die Mühe, individuell jedem Bewerber zu antworten und einen zuständigen Ansprechpartner in der Personalabteilung erkennen zu lassen. Zwar erreichen die Top 500 jeden Tag zahlreiche Initiativbewerbungen - trotzdem geben 42 Prozent der getesteten Firmen persönliches Feedback. Je reifer ein Recruitingprozess ist, desto individueller ist er. Ein wenig könnten einige Unternehmen noch an ihren Antwortschreiben feilen.

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