Blackberry-CEO John Chen im FT-Interview

"Die Chancen stehen 50 zu 50"

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Der neue Blackberry-Chef beziffert die Chancen, dass seine Turnaround-Strategie scheitert, mit 50 zu 50. Dennoch gibt sich der Topmanager optimistisch.
Blackberry-Chef John Chen ist "vorsichtig optimistisch".
Blackberry-Chef John Chen ist "vorsichtig optimistisch".
Foto: Blackberry

Nachdem er die nötigen Schritte eingeleitet habe, drehe sich nun alles um die Ausführung, erklärte Chen in einem Interview mit der „Financial Times“. So habe er ein neues Management-Team verpflichtet, zu dem einige erfahrene Industrieveteranen zählten. Außerdem habe er eine Turnaround-Strategie erstellt, bei der der Fokus wieder auf die Ursprünge der Company gerichtet werden – die Bereitstellung von mobilen End-to-End-Lösungen für Unternehmen. Chen räumte jedoch ein, dass es manchmal eine Anstrengung sei, die Unternehmenskultur von Blackberry zu verändern. Verglichen mit dem Turnaround von Sybase sei es etwas schwieriger, den Change-Prozess bei Blackberry zu steuern.

Auf die Frage, ob Blackberry jemals wieder mehr als ein Nischenanbieter im Mobilfunkmarkt sein wird, antwortete Chen, der Prozess würde Zeit brauchen. Er hoffe aber, Blackberry werde eines Tages wieder ein „dominanter Player“ werden.

Chen hatte vor knapp drei Monaten zunächst als Interimschef das Steuer bei dem kanadischen Unternehmen übernommen, nachdem die vom Hauptinvestor Fairfax Financial geplante Übernahme nicht zustande gekommen war. In dieser Position hat er es sich nach eigenen Angaben als ersten Schritt zur Aufgabe gemacht, Blackberry finanziell auf feste Beine zu stellen, um das Überleben der Company zu sichern. Ziel sei es, so Chen gegenüber der FT, dass Blackberry bis zu Ende des laufenden Geschäftsjahres einen positiven Cashflow erreicht. Vor März 2016 soll dann wieder ein Gewinn ausgewiesen werden. Der Topmanager räumte jedoch ein, dass es leichter sei, finanzielle Stabilität zu erreichen als das Geschäft wieder auf ein neues Niveau anzuheben.

Als Teil der Strategie hatte der Blackberry-Chef vor kurzem einen zunächst auf fünf Jahre ausgelegten Deal mit dem Auftragsfertiger Foxconn abgeschlossen. Erstes Produkt dieser Partnerschaft wird das preisgünstige Touchscreen-Gerät Blackberry Z3 (Codename Jakarta) sein. Dieses soll laut Chen bereits im nächsten Monat in Indonesien auf den Markt gebracht werden und unter 200 Dollar kosten. Die Company hofft damit wieder Marktanteile wettzumachen, nachdem sich viele Kunden nun günstige Android-Geräte zugewandt hätten.

Der Bereich Endgeräte ist jedoch nicht die einzige Baustelle von Blackberry. Die Kanadier sind gleichzeitig bemüht, die anderen drei Geschäftseinheiten – den Bereich Enterprise Mobility mit BES, das Messenger-Geschäft um BBM sowie die Sparte Embedded Systems (QNX) zu stärken und zu erweitern. Chen räumte in diesem Zusammenhang ein, dass sich der anhaltende Strom abtrünniger Business- und Regierungskunden negativ auf die Arbeitsmoral auswirken könne. Es sei wichtig, sich die positive Einstellung zu bewahren, erklärte der Blackberry-Chef. Auch wenn es schwer sei, neue Enterprise-Kunden zu gewinnen, seien diese treuer „solange man gute Produkte und Services liefert“.