Speichern im Netz

Deutsche sind skeptisch bei Cloud, nutzen sie aber

30.07.2015
Die eigenen Fotos, Musik oder Daten von überall abrufen können, das ist eigentlich eine verlockende Vorstellung. Doch die Deutschen sind von virtuellen Speichern im Internet wenig überzeugt - zumindest theoretisch. Denn tatsächlich nutzen sie die Cloud dann doch.

Keine Probleme mehr mit fehlendem Speicherplatz und die eigenen Daten überall dabei haben: Speicherdienste im Internet werden weltweit immer beliebter. Bei Cloud-Diensten können Nutzer ihre Musik, private Fotos und andere Daten auf den Rechnern von Unternehmen speichern. Über das Internet können sie dann von jedem Gerät darauf zugreifen.

Speziell die Menschen in Deutschland sind jedoch skeptisch: In einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sagte die Hälfte der Befragten hierzulande, Cloud-Dienste seien für die persönliche Datenspeicherung nicht nötig. International gesehen sind die Deutschen damit die obersten "Cloud"-Muffel. Tatsächlich genutzt werden die Dienste trotzdem.

"Die Deutschen haben beim Thema Datensicherheit eine gewisse Sonderstellung. Sie sind immer besonders kritisch, besonders vorsichtig, besonders zurückhaltend", sagt der GfK-Experte Robert Wucher. Das habe bereits eine Reihe von unterschiedlichen Untersuchen zum diesem Thema gezeigt. Doch die Umfrage-Ergebnisse stimmen nicht immer mit dem Verhalten überein.

Whitepaper: Der Nutzen des Chief Data Officers

Der Chief Data Officer (CDO) wird immer öfter zu einer zentralen Führungkraft in Unternehmen auf der ganzen Welt. Der Grund ist die zunehmende Relevanz von Daten. Denn Daten sind überall und allgegenwärtig; sie untermauern jede Transaktion, jeden Betrieb und jegliche Interaktion innerhalb und außerhalb von Organisationen. Daten sind aber auf eine Infrastruktur angewiesen, sie müssen gespeichert, archiviert, analysiert und gesichert werden. Dafür braucht es den CDO. In dieser IBM-Studie wird die Rolle des CDO durchleuchtet und gezeigt, welche Vorteile Unternehmen konkret von ihm haben.

"Bei der tatsächlichen Nutzung ist es mit der Zurückhaltung dann sehr schnell vorbei", sagt Wucher. Speicherdienste wie Dropbox, Google Drive, Skydrive von Microsoft oder iCloud von Apple verwendet rund jeder fünfte Bundesbürger, wie eine Untersuchung des Branchenverbandes Bitkom zeigt. Millionen Deutsche nutzen zudem täglich E-Mail-Dienste wie Gmail, Web.de und GMX, Smartphone-Apps und soziale Netzwerke. Auch die basieren auf der Datenspeicherung auf Unternehmensrechnern.

"Wie bewusst und vernünftig gehen die Leute mit den Dingen um, die sie bei Facebook posten? Da gibt es eine riesengroße Diskrepanz zwischen einer wahrgenommenen Wichtigkeit und Sorgen auf der einen, und einer tatsächlichen Nutzung auf der anderen Seite", sagt Wucher. Hier unterscheide sich Deutschland nicht von vergleichbaren Ländern.

Bei vielen Diensten hätten Nutzer auch gar keine Wahl mehr, ob sie Daten auf ihren Geräten oder in der Cloud speichern wollen. Die meisten Apps sichern Daten auf Servern in der "Wolke". Als Ausweg bleibt oft nur, ein Angebot gar nicht zu nutzen. "Wenn mir die Nutzung der App wichtig ist, dann muss ich den Preis zahlen, dass ich nicht mehr uneingeschränkt Herr über meine Daten bin", sagt Wucher.

Für ihre Untersuchung hat die GfK mehr als 26.000 Internetnutzer in 22 Ländern befragt. Knapp ein Drittel aller Befragten gab an, dass die Datenspeicherung in einer Cloud für sie wichtig ist. Etwa 18 Prozent stimmten dem nicht zu. Vor allem Befragte in Mexiko, Brasilien und der Türkei können auf die Daten-Wolke nicht verzichten. Am skeptischsten sind die Deutschen, die Kanadier und Australier.

Doch warum sind vor allem die Deutschen - zumindest theoretisch - solche Bedenkenträger? Die Datenschutz-Gesetze seien hier viel strikter und restriktiver als etwa in den USA oder englisch-sprachigen Ländern, sagt GfK-Mann Wucher. "Das heißt, wir sind viel besser geschützt, als das in anderen Ländern der Fall ist." Seiner Ansicht nach hat die große Skepsis der Deutschen auch mit ihrer Geschichte zu tun: "Das Erbe der ostdeutschen Staatssicherheit spielt da auch mit rein."

Die Furcht der Deutschen in Sachen Datensicherheit ist jedoch nicht ganz unbegründet, findet Michael Herfert vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt. Beispielsweise Dropbox arbeite mit dem Prinzip der Deduplikation, erklärt Herfert. Das heißt, wenn zwei Nutzer die gleichen Daten speichern - etwa ein Lied von Madonna - legt Dropbox diese Daten nur einmal ab, aber beide Nutzer können darauf zugreifen. Damit muss Dropbox weniger Speicherplatz bei Amazon anmieten, kann aber beiden Kunden den gleichen Betrag in Rechnung stellen. "Mit diesem Trick kann man 80 Prozent sparen und mehr", sagt Herfert.

Wären die Dateien der Nutzer verschlüsselt, würde das nicht funktionieren. Genau das fordern Experten aber. Denn viele Nutzer legten auch sensible Daten in der Cloud ab, etwa zu ihrer Gesundheit. "Mit solchen Daten gebe ich viel von mir Preis, dessen muss ich mir bewusst sein", sagt Fraunhofer-Forscher Herfert. Nutzer können das selbst einrichten, indem sie ihre Daten vor dem Hochladen verschlüsseln. Doch das tun erfahrungsgemäß nur wenige.

Einige Anbieter wie das Hamburger Unternehmen TeamDrive und Wuala aus der Schweiz kümmerten sich mehr um das Thema Verschlüsselung, sagt Herfert. Vor drei Jahren hatte das Fraunhofer-Institut Cloud-Anbieter auf ihre Sicherheit überprüft (PDF-Link. Das Ergebnis: "Wir hatten an allen etwas auszusetzen, auch wenn einige deutlich besser waren als andere." (dpa/tc)

 

Clemens Riendler

Naja, skeptisch zu sein ist ja eigentlich kein Problem. Da die meisten Cloud-Dienste allerdings aus den USA stammen und zusätzlich nicht verschlüsselt sind, ist es recht vernünftig nicht Alles einfach in der Cloud abzulegen. Mein Arbeitgeber lässt grundsätzlich auch nur den Einsatz von verschlüsselten Tools aus Deutschland / Europa zu. Glücklicherweise gibt es mit Stackfield.com, Mailbox.org etc. sehr gute Alternativen zu den großen / bekannten Diensten!

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