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Deutsche Bank stellt Weichen für das Internet-Zeitalter

21.02.2000
Neue Partnerschaften mit SAP, AOL und Etime Capital

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Deutsche Bank hat heute im Rahmen einer Pressekonferenz ihre neue Internet-Strategie "Global E" vorgestellt. Deren Ziel ist es, neue Einnahmequellen für das Finanzinstitut zu erschließen - die bisherige Rolle der Banken als Vermittler oder Intermediär ist aus Sicht von Vorstandssprecher Rolf Breuer passé, weil sich durch das Internet die "Verhandlungsmacht" zum Kunden hin verlagert.

Breuer sieht drei Kernbereiche für das Bankgeschäft: Beratung, Risiko-Management und Transaktionsabwicklung. Um Internet und E-Commerce im Unternehmen zu verankern, will die Deutsche Bank in den kommenden Jahren "kräftig" in ihre Global-E-Initiativen investieren. Die nötigen Mittel sollen unter anderem über die Veräußerung von Industriebeteiligungen beschafft werden.

Anschließend erläuterte der ehemalige IBM-Chef Hermann-Josef Lamberti, bei der Deutschen Bank verantwortlich für Global Technology and Services, Details der praktischen Umsetzung. Unter anderem plant das Institut,

Privatpersonen europaweit eine web-basierte "Personal Investment Bank" zur Verfügung zu stellen - Kunden, die dies wünschen, sollen ihre Finanzierungsangelegenheiten ohne Beratung selbst verwalten können,

das Beratungsangebot für Privatkunden im Web deutlich auszubauen und durch ein "Internet-Callcenter" zu ergänzen,

zusammen mit Investmentbanken die Kapitalmärkte für die Welt des E-Commerce umzugestalten und B2B-Transaktionen (Business-to-Business) für vertikale Märkte anzubieten,

den globalen Vertrieb von Wertpapieren und anderen Kapitalmarktprodukten auszubauen,

zunächst in Deutschland, später europaweit ein "persönliches Finanzportal" namens "moneyshelf.com" zu etablieren, das den Zugang zu zahlreichen Finanzdienstleistungen der Deutschen Bank sowie Drittanbietern ermöglichen soll, und schließlich

mit "db business direct" europaweit eine Online-Vertriebsplattform für Unternehmenskunden zu etablieren. Laut Lamberti wird mittelfristig die Hälfte der Firmenkunden auf das Online-Geschäft umsteigen.

Für die Umsetzung der Strategie baut die Deutsche Bank auf die Zusammenarbeit mit geeigneten Partnern. Die bereits bestehenden Kooperationen mit Yahoo, Nokia und Mannesmann sollen vor allem im Bereich Mobile Commerce zum Tragen kommen. Dabei geht es um Entwicklungen, mit deren Hilfe Kunden ihre Bankgeschäfte via WAP-fähigem Mobiltelefon oder Handheld von unterwegs erledigen können.

Zusammen mit der Walldorfer SAP AG will das Geldinstitut Marktplätze für Finanzprodukte und andere Mehrwertdienstleistungen einrichten. Ebenfall in den Bereich B2B-Transaktionen fällt ein Kooperation mit Etime Capital, deren Anwendungen die Deutsche Bank für die Echtzeitbearbeitung kompletter kommerzieller Transaktionen nutzen möchte.

Im Endkundengeschäft schließlich soll eine strategische Allianz der Direktbank-Tochter Deutsche Bank 24 mit AOL Europe eine Plattform für Brokerage- und Online-Banking-Produkte errichten. Erklärtes Ziel ist es dabei, weitere Kunden im Netz und in der mobilen Welt zu gewinnen.