Schritt für Schritt

Der Umstieg auf Linux - die wichtigsten Punkte

17.05.2014
Von Hermann Apfelböck
Populäre Linux-Varianten sind keine komplizierten Systeme mehr. Diese sind für normale Endanwender Desktoptauglich und eine echte und kostenlose Alternative zu Windows.

Linux läuft fast überall! Auf Webservern, Smartphones, Tablets, Routern, NAS-Geräten und vielem mehr. Nur auf PC und Notebook ist es mit nicht einmal zwei Prozent eine Marginalie. Das könnte sich ändern: Ausgereifte Linux-Distributionen mit schicken Oberflächen wie Ubuntu und Mint beseitigen alte Berührungsängste und verleiten immer öfter auch langjährige Windows-Nutzer dazu, sie mal auszuprobieren. Zu Recht, denn der Einstieg verläuft völlig ohne Risiko. Einfach installieren, wie hier beschrieben, starten, und schon läuft Linux parallel zum installierten Windows. Mit XP entfällt außerdem ein System, das auf vielen Computern ersetzt werden muss, und auch Windows 8.1 ist nicht jedermanns Sache.

Klassisches Startmenü: Die Oberfläche von Linux Mint orientiert sich an konservativen Bediengewohnheiten und ist damit aktuell sehr erfolgreich.
Klassisches Startmenü: Die Oberfläche von Linux Mint orientiert sich an konservativen Bediengewohnheiten und ist damit aktuell sehr erfolgreich.

1. Sanfter Umstieg mit Planungssicherheit

Für Windows-Umsteiger eignen sich mehrere Linux-Varianten. Auf einen attraktiven Desktop muss hier niemand verzichten: Diese Distributionen verwenden ein grafisches Bedienkonzept, mit dem sich jeder Windows-Nutzer mühelos anfreunden kann. Wenn Sie sich für den Umstieg auf Linux auf einem konkreten Gerät entscheiden, sollten Sie sich vorab risikolos mit den Live-Systemen absichern: Läuft meine Hardware problemlos? Wie komme ich mit der Oberfläche zurecht? Welches System passt zu mir und zur Geräteleistung?

Bei der Entscheidung für eine Linux-Distribution sollten Sie auch Nachhaltigkeit und Lebensdauer berücksichtigen: Manche Linux-Projekte sind schnelllebig und werden nach kurzem Versuchslauf wieder eingestellt. Auf der sicheren Seite sind Sie mit traditionsreichen Distributionen wie Ubuntu, Open Suse und Linux Mint. Ein weiterer Aspekt ist die Veröffentlichungsmethode: Es gibt Distributionen mit Langzeitsupport, ferner Rolling Releases ohne neue Versionen, die über Jahre hinweg keine Neuinstallation erfordern.

Ubuntu’s minimalistische Systemeinstellungen sind eine Ansage: Der Nutzer soll sich um seine Inhalte und Software kümmern und nicht am System fummeln.
Ubuntu’s minimalistische Systemeinstellungen sind eine Ansage: Der Nutzer soll sich um seine Inhalte und Software kümmern und nicht am System fummeln.

2. Adäquater Ersatz für sterbendes Windows XP

Windows XP läuft am 8. April 2014 ab: Ohne Sicherheitsupdates ist das System im Netz nicht mehr zu verantworten. Wenn Sie ältere PCs, Netbooks, Notebooks ohne Aufrüsten weiterbenutzen wollen, kommt nur Linux ernsthaft in Betracht. Microsoft wird Ihnen auch für ein Netbook mit 1-GHz-Single-Core-CPU und einem MB Speicher Windows 7 oder 8 nahelegen, doch wirklich angemessen sind diese Systeme für ältere Hardware nicht – und sie kosten Geld. Linux bietet Varianten für leistungsschwache (Xubuntu, Lubuntu) und sogar für richtig alte Hardware (Puppy Linux, Antix). Hinzu kommt noch die Flexibilität, größere Linux-Distributionen wie Ubuntu durch alternative Oberflächen zu verschlanken (XFCE, LXDE).

3 Linux-Vorteile gegenüber Windows

Die Kosten: Linux ist kostenlos. Wer meint, auch Windows kostenlos mit dem Gerät erhalten zu haben, der irrt: Die Kosten für das vorinstallierte Windows sind im Gesamtpreis enthalten. Der Preis ist zwar geringer als bei einem Retail-Paket aus dem Software-Regal, aber mit 50 Euro aufwärts ist zu rechnen.

Die Sicherheit: Auf rein technischer Seite hat etwa ein Ubuntu mit voreingestelltem root-Zugriff („sudo“) keine fundamentalen Sicherheitsvorzüge gegenüber einem Windows 7/8 mit Benutzerkontensteuerung. Dass Linux trotzdem wesentlich sicherer ist, hat einfache Gründe:

  • Die bislang geringere Verbreitung am Desktop macht das System für Schadprogramme unattraktiver als Windows.

  • Es gibt diverse Distributionen: Ein Schädling, der unter Ubuntu funktioniert, scheitert vermutlich unter Open Suse oder Fedora. Die technischen Unterschiede sind hier erheblich größer als etwa zwischen Windows Vista, 7, 8 (und sogar 2000/XP).

  • Linux-Nutzer beziehen Software aus den Paketquellen ihrer Distribution. Anders als Windows-Programme von dubiosen Web-Seiten ist diese Software absolut vertrauenswürdig. Das Erweitern der Paketquellen ist zwar möglich, aber ein aktiver Eingriff, der für jede Paketquelle jeweils einzeln durchgeführt werden muss.

  • Festplatten oder Partitionen mit Linux lassen sich komplett klonen und wiederherstellen.

Der Software-Umfang: Mit der Installation einer größeren Linux-Distribution haben Sie immer auch gleich eine komplette Programmpalette an Bord: Office, Mail, Player, Browser, Foto- und PDF-Viewer, Bildbearbeitung. Heimanwender können sofort loslegen.

Die Systemaktualisierung:Windows hat seinen Patchday, an dem es optional auch Microsoft-Software wie Office aktualisiert. Die restliche Software benötigt aber je eigene Update-Routinen. Bei Linux genügt ein Befehl („apt-get upgrade“) oder ein Klick auf die automatisch erscheinende Meldung für ein Komplett-Update. Neustarts sind nur nach Änderungen am Linux-Kernel erforderlich.

Die Leistung:Linux ist nicht schneller als ein Windows 7 oder 8, allenfalls sorgt das Dateisystem für geringere Festplattenfragmentierung. Leichte Vorteile entstehen aber einfach dadurch, dass Linux einige Bremsklötze nicht nötig hat: Ein Antivirenprogramm mit Virenwächter darf ebenso entfallen wie spezielle Updater etwa für Adobe, Java oder Google. Anders als Windows lässt Linux außerdem Systemdienste wie etwa die Netzwerkfreigabe (als Server) erst mal weg und überlässt es dem Benutzer, diese nachzuinstallieren, sofern sie denn nötig sind. Aufwendige Schutzmechanismen wie die Systemwiederherstellungspunkte fallen ebenfalls unter den Tisch.

4. Linux hat auch Nachteile gegenüber Windows

Die Treiber: Kein Hardware-Hersteller versäumt es, für sein Gerät einen optimierten Windows-Treiber anzubieten. Bei Linux sind Sie hingegen bis auf wenige Ausnahmen auf die im Kernel integrierten Treiber angewiesen. Damit arbeiten praktisch alle Mainboard-Komponenten, ferner interne und externe Datenträger, aber eben nicht alle Peripheriegeräte: USB-WLAN-Adapter, TV-Sticks oder TV-Karten werden nicht immer erkannt, auch bei exotischen Druckern bleibt ein gewisses Risiko.

Die Software: Linux ist keine Plattform für Hardcore-Gamer, wenngleich sich die Lage durch Valves Steam für Linux seit 2013 gerade dramatisch ändert. Auch für hochwertige Windows-Software gibt es nicht überall adäquate Pendants: Neuere Versionen von MS Office, Photoshop, Indesign, Acrobat sind durch Libre Office, Gimp, Scribus und Pdfsam nicht völlig gleichwertig zu ersetzen.

Die Heterogenität: Windows ist Windows. Linux ist der Systemkern – der Rest ist austauschbar und modular. Das interpretieren Linux-Fans als Vorteil, Umsteiger aber als Hürde: Viele Distributionen mit diversen Desktops bedeuten eine Wahlfreiheit, die abschrecken kann. Dass Kernel, Oberfläche, Systemzubehör, Software nicht aus einer Hand sind, hat auch praktische Konsequenzen. Sie müssen mit unterschiedlicher Fehlertoleranz rechnen: Eine Komponente ist anwenderfreundlich und warnt vor Fehlgriffen, die nächste erwartet, dass Sie wissen, was Sie tun. Wer aber ein Ubuntu oder Mint ausschließlich damit verwaltet, was die Distribution selbst mitbringt, kann solches Gefälle weitgehend vermeiden.

Die Energiesparfunktionen: Sie müssen unter Linux mit etwas kürzeren Akkulaufzeiten rechnen. Es gibt fundamentale Stromspartechniken mit Timeouts für Bildschirm und Bereitschaftsmodus, aber Windows ist hier besser optimiert und bietet filigranere Regeln.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der PC-Welt. (mhr)