Service-orientierte Architekturen boomen

Der SOA-Markt wächst auf 52 Milliarden Dollar

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Nach einer Prognose von AMR Research verdoppelt sich das Marktvolumen für SOA-Produkte und -Services bis zum Jahr 2012.

Im Jahr 2007 gaben Unternehmen laut dem amerikanischen Marktforschungs- und Beratungshaus weltweit rund 22 Milliarden Dollar für SOA-Vorhaben aus; 2008 sollen es bereits 28 Milliarden Dollar sein. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 20 Prozent könnte das Marktvolumen bis 2012 auf 51,9 Milliarden Dollar klettern. Mindestens 77 Prozent aller Unternehmen haben bis dahin eine SOA-Initiative auf den Weg gebracht, so die Prognosen.

AMR Research stützt sich auf Befragungen kleiner, mittlerer und großer Unternehmen aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und China. Die daraus entstandenen Werte rechneten die Analysten auf den weltweiten Markt hoch. Andere Marktforscher kommen teilweise zu wesentlich niedrigeren Zahlen. Die Firma Research and Markets etwa ermittelte ein aktuelles Umsatzvolumen von zwei Milliarden Dollar, das bis zum Jahr 2014 auf neun Milliarden wachsen soll.

Überraschend hoch erscheinen auch die Summen, die Unternehmen laut AMR typischerweise in SOA-Vorhaben investieren. Der durchschnittliche SOA-Nutzer gibt demzufolge fast 1,4 Milliarden Dollar aus. Fast die Hälfte der Anwender steckt immerhin noch mehr als 500 000 Dollar in SOA-Produkte und Services.

Am Anfang des SOA-Hypes zählten vor allem Unternehmen aus der Telekommunikations- und der Finanzbranche in den USA und Europa zu den Pionieranwendern, berichtet Ian Finley, Mitautor der Studie. Doch das Bild habe sich geändert. Heute fänden sich SOA-Projekte fast in allen Branchen und Regionen. Gut die Hälfte der befragten Unternehmen habe eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr mindestens ein SOA-Projekt abgeschlossen oder angestoßen.

Dessen ungeachtet befinde sich der SOA-Markt noch immer in einem frühen Stadium, so die Experten. Softwareanbieter aller Größen versuchten mit unterschiedlichen Strategien, am Wachstum teilzuhaben. AMR Research unterteilt den Softwaremarkt für Service-orientierte Architekturen in vier Gruppen:

  • Mega-Anbieter: Dazu gehören die Schwergewichte IBM, Microsoft, Oracle und SAP, die viel Geld in den Ausbau ihrer Stacks investieren.

  • Andere Anbieter wie Progess Software, Tibco oder die Darmstädter Software AG haben ebenfalls große Produkt-Suites aufgebaut. Sie verfügen indes nicht über die Marktmacht der ganz großen Player.

  • SOA-Spezialisten wie Amberpoint oder HP Systinet wachsen mit dem Markt und spezialisieren sich auf Nischen, die die großen Stack-Anbieter vernachlässigen.

  • Andere Softwarehäuser außerhalb des klassischen SOA-Marktes richten bestehende Produkte schrittweise auf das SOA-Paradigma aus. Zu ihnen zählt AMR Research etwa BPM-Anbieter (BPM = Business-Process-Manangement) wie Savvion, Mashup-Spezialisten wie Serena oder auch klassische ERP-Hersteller wie beispielsweise Infor.

Unter den Serviceanbietern für SOA-Vorhaben sehen die Analysten IBM einsam an der Spitze. Mit weitem Abstand folgen Accenture, Capgemini und Infosys.

Mehr zum Thema Service-orientierte Architekturen und BPM finden Sie im CW-Experten-Blog SOA meets BPM.