Analyse von Techconsult

Der mittelständische Handel vernachlässigt seine Kernprozesse

Heinrich Vaske
Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Dieser Aufgabe widmet er sich in enger, kooperativer Zusammenarbeit mit dem Redaktionsteam. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Privat gehört sein Herz seiner Familie und dem SV Werder Bremen.
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Führungskräfte mittelständischer Handelshäuser beurteilen die Qualität der Prozesse in ihren Unternehmen eher kritisch. Auch die IT-Unterstützung könnte besser sein, so die Analysten von Techconsult.

In der zweiten Auflage der Langzeitstudie "Business Performance Index Mittelstand" untersucht das Kasseler Analystenhaus Techconsult mittelständische Groß- und Einzelhandelsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anhand der vier Messgrößen

  • Prozessqualität (Business Performance Index = BPI),

  • IT-Unterstützung,

  • Reifegrad innovativer Lösungen sowie

  • Unternehmenserfolg.

Die Prozessqualität hat sich im Jahresvergleich nur marginal um 0,5 Prozent auf 64 Indexpunkte (von 100 möglichen) verbessert. Dieser Wert drückt aus, welche Relevanz bestimmte Prozesse bei Business-Entscheidern besitzen und wie zufrieden sie mit ihrer Umsetzung sind. Gefragt wurde dabei nach folgenden Prozessen: Einkauf, Finanzen/Controlling, Logistik, Marketing, Mehrwert-Dienstleistungen, Personalwesen, Verkauf.

Insbesondere bei den Geschäftsprozessen gibt es eine große Differenz zwischen den besten Handelshäusern und dem Durchschnitt. Hier wird viel Potenzial verschenkt, schlägt sich Prozessqualität doch unmittelbar in den Geschäftsergebnissen nieder.
Insbesondere bei den Geschäftsprozessen gibt es eine große Differenz zwischen den besten Handelshäusern und dem Durchschnitt. Hier wird viel Potenzial verschenkt, schlägt sich Prozessqualität doch unmittelbar in den Geschäftsergebnissen nieder.

Die drei anderen Indexe haben sich dagegen verbessert, teilweise sogar signifikant. So steigt der Grad der IT-Unterstützung - er verdeutlicht, wie stark einzelne Tätigkeiten im Unternehmen von IT unterstützt werden - um 2,3 Prozent auf 62,4 Punkte. Der Reifegrad innovativer IT-Lösungen, der zeigen soll, wie zufrieden Business-Entscheider mit den IT-Anwendungen im Unternehmen sind, kletterte sogar um knapp 7 Prozent auf den allerdings immer noch schwächsten Wert von 60,8 Punkten. Der Prozess- bzw. Unternehmenserfolg schließlich steigt gegenüber der 2011er Untersuchung um 2,8 Prozent auf 66,9 Punkte. Dieser Index veranschaulicht, inwieweit die gesetzten Key Performance Indicators (KPIs) hinsichtlich der einzelnen Prozesse erreicht wurden. In jedem Index können maximal 100 Punkte erreicht werden.

Die Prozessqualität im Handel ist insgesamt immer noch relativ schlecht. Das zeigt ein Blick auf die Top-Performer, die ungewöhnlich weit über dem Durchschnitt liegen. Die Top Ten im Handel erreichen bei BPI, IT-Unterstützungsgrad, Reife innovativer IT-Lösungen und beim Unternehmenserfolg Werte, die im Schnitt 40 Prozent über den Durchschnittspunktzahlen liegen. Wie Studienleiter Heiko Henkes, Analyst Manager bei Techconsult, versichert, erwirtschaften Unternehmen mit einem hohen BPI höhere Gewinne als andere. Er hält 75 Punkte für einen anstrebenswerten BPI-Durchschnittswert in den Kernprozessen.

Einkaufsprozess hat schlechteste Qualität

Schaut man im Detail auf die Kernprozesse, dann zeigt sich, dass wie schon im Vorjahr die Unterstützungsprozesse Finanzen/Controlling sowie das Personalwesen meist deutlich besser bewertet werden als die Kernprozesse Einkauf, Verkauf, Marketing und Mehrwert-Dienstleistungen. Der Einkaufsprozess wurde mit 63,2 Indexpunkten von den Befragten am niedrigsten eingestuft.

Techconsult fragte die Handelsunternehmen auch nach ihrer Nutzung von Software-as-a-Service (SaaS), ihrer Outsourcing-Quote, dem Einsatz und Management mobiler Devices und nicht zuletzt nach den wichtigsten Herausforderungen, denen sie sich in den kommenden Monaten gegenübersehen.

Demnach hat der Einsatz von SaaS durchschnittlich um 7,6 Prozentpunkte auf 29,5 Prozent zugenommen. Dem Trend zu mobilen Devices können sich auch die Handelsunternehmen nicht entziehen. So nutzen inzwischen fast 33 Prozent der Mitarbeiter Smartphones und gut 30 Prozent Laptops. Tablets sind erst bei knapp 12 Prozent der Mitarbeiter im Einsatz. Ultrabooks haben sich dagegen mit 5,4 Prozent noch nicht durchgesetzt.

An der repräsentativen Studie beteiligten sich mit 149 knapp 15 Prozent mehr Unternehmen als im Vorjahr. Befragt wurden in erster Linie Geschäftsführer und leitende Angestellte. Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter www.business-performance-index.de. (hv).