Der Marktführer als Underdog

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Obwohl Nokia als Pionier im Smartphone-Markt gilt, spielt der Hersteller im Business-Segment kaum eine Rolle.

Anders als es der Anteil von knapp 50 Prozent im weltweiten Smartphone-Markt vermuten lässt, sind Nokia-Geräte in Unternehmen nur wenig präsent. Mögliche Gründe dafür gibt es viele: So hat sich die Company lange nicht auf Business-Kunden konzentriert und dann zu wenig und zu spät unternommen - insbesondere im US-amerikanischen Markt.

Wenig Sinn für Geschäftsprozesse

IDC-Analyst Dan Bieler gibt außerdem zu bedenken, dass Nokia - aus der Hardware- und TK-Ecke kommend und sehr Device-fokussiert - Schwierigkeiten hat, die Wellenlänge von Unternehmen zu treffen, die ihre Geschäftsprozesse mobilisieren wollen: "Da prallen zwei verschiedene Welten aufeinander." Andererseits sei es die Stärke des Windows-Mobile-Anbieters Microsoft, als Software- und Systemexperte die Sprache des Business zu sprechen, während RIM schon früh mit seinem Blackberry-Dienst die Herzen der Manager höher schlagen ließ.

Dabei hatte Nokia mit dem Communicator 9000 bereits 1996 das weltweit erste Smartphone präsentiert, das scheinbar ideal auf die Belange der Geschäftswelt ausgelegt war.

Nokia entwickelte seine Communicator-Reihe zwar kontinuierlich weiter, der Großangriff auf Geschäftskunden fand jedoch viel später statt. Erst im September 2005 präsentierte der Hersteller den E-Mail-Push-Dienst "Nokia Business Center". Kurze Zeit später wurde dieser dann durch die Übernahme von Intellisync zu einer integrierten Synchronisations- und Device-Management-Lösung erweitert. Obwohl die "Intellisync Mobile Suite" neben Symbian-Geräten auch Smartphones der Konkurrenz mehr oder weniger umfassend unterstützt, schlug die Suite nicht richtig ein. Wer überwiegend Geräte mit Windows Mobile oder Blackberry OS einsetzt, nutzt offenbar eher die dazugehörigen Synchronisations- und Verwaltungslösungen oder wählt ein herstellerunabhängiges System.

Diese Erkenntnis und der wachsende Fokus auf das Privatkundengeschäft haben Nokia inzwischen dazu bewogen, die Intellisync-Produkte nicht mehr als eigenständige Lösung anzubieten und den Support in zwei Jahren einzustellen.

Als Konsequenz müssen sich Intellisync-Kunden damit allmählich für eine Migrationslösung entscheiden, wobei es mehr (Sybase iAnywhere, Excitor) oder weniger (Ubitexx) sinnvolle Alternativen am Markt gibt. Für Unternehmen, die unabhängig davon Nokia-Geräte einsetzen wollen, ändert sich indes wenig. Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings: Mit der Einführung der Business-Smartphones E66 und E71 stellte Nokia die Unterstützung für "Blackberry Connect" ein. Stattdessen wurde Microsofts Exchange ActiveSync zum Push-E-Mail-Client der Wahl erkoren - mit seinen bekannten Stärken, aber auch Schwächen.

Symbian (S60)

Stärken:

  • Vom Privatgebrauch bekanntes Benutzer-Feeling;

  • Geräte technisch "State of the Art";

  • großes Softwareangebot;

  • vielfältige Einbindungsmöglichkeiten.

Schwächen:

  • Keine eigene Push-Mail- und Management-Plattform.

Ansonsten können Unternehmen weiterhin aus einer breiten Produktpalette wählen, zu der dank der relativ einheitlichen S60-Plattform neben Geräten der E-Series auch eine Vielzahl eigentlicher Consumer-Smartphones zählen. Auf neue Modelle darf man gespannt sein, angeblich befinden sich einige Business-Geräte in der Pipeline, die wie das kürzlich vorgestellte Nokia 5800 Xpress Music mit einem Touchscreen ausgestattet werden sollen.

Reiche Softwareauswahl

Auch was die Softwareauswahl betrifft, herrscht kaum Mangel, das Programm "Quickoffice" zum Einsehen und (bei Geräten mit Volltastatur) Bearbeiten von Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumenten gehört zur Grundausstattung, ebenso der Acrobat Reader PDF. Ein integrierter SIP-Client erleichtert die Nutzung als VoIP-Telefon. Gleichzeitig stellen etwa die wichtigsten Anbieter von Unified-Communications-Lösungen einen Client für Symbian-Handys bereit. Daneben profitieren Business-Nutzer auch von Nokias Popularität im Privatkunden-Umfeld. Angesichts der Pläne Nokias, die mittlerweile vollständig im eigenen Besitz befindliche Symbian-Plattform unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen, dürfte die Bedeutung für Entwickler weiter wachsen.