Sicherer Job für Systemspezialisten und -entwickler

Der Mainframe-Spezialist hat Zukunft

Peter Gruber ist Mitglied des Teams Management der Digitalredaktion. Er arbeitet hauptsächlich für die Portale Computerwoche und CIO.
Mainframe-Spezialisten sind gefragt. Der Einstieg in den Beruf kann sich lohnen, verrät Alexander Wiesinger, Geschäftsführer der 3 Banken EDV GmbH aus Linz.

CW: Herr Wiesinger, Banken und andere Finanzinstitute verlassen sich bei vielen geschäftskritischen Prozessen auf den Mainframe. Wird dies so bleiben?

WIESINGER: Ja, mittel- bis langfristig sehen wir keine Alternative dazu. Schließlich hat die Finanzbranche große Investitionen in Mainframe-Programme und -Applikationen getätigt, wovon sie auch in den nächsten zehn Jahren profitieren möchte. Der schon so oft totgesagte Mainframe wird also noch länger leben.

Alexander Wiesinger: "Es gibt am Markt keine fertig ausgebildeten Mainframe-Fachkräfte."
Alexander Wiesinger: "Es gibt am Markt keine fertig ausgebildeten Mainframe-Fachkräfte."
Foto: 3-Banken-EDV GmbH

CW: Welchen konkreten Mehrwert bringt der Mainframe?

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WIESINGER: Nur mit dem Mainframe können die Spitzenlasten am Monats-, Quartals- und Jahresende bewältigt werden. In Sachen Performance, Stabilität und Hochverfügbarkeit bei der Transaktionsverarbeitung gibt es zum Großrechner keine Alternative. Zudem bietet er eine hohe integrierte Sicherheit, da es sich um ein ausgereiftes und in sich geschlossenes System handelt. Erfolgreiche Angriffe sind hier sehr unwahrscheinlich.

CW: Bleibt der Mainframe auch im Zeitalter von Online-Banking, Web-Angeboten und mobilen Apps wichtig?

WIESINGER: Definitiv, denn das eine schließt das andere ja nicht aus. Auch wir setzen moderne digitale Lösungen wie Online- und Mobile Banking ein. Trotzdem bleibt der Mainframe als Backend-Transaktionssystem weiterhin sehr wichtig.

CW: Die meisten jungen Fachkräfte besitzen aber keine Erfahrung in Sachen Mainframe. Welche Herausforderungen sehen Sie durch den Generationenwechsel?

WIESINGER: Das ist sicher einer der kritischsten Punkte beim Mainframe derzeit. Die meisten Wissensträger gehen in den kommenden Jahren in Pension. Schulen, Universitäten und Fachhochschulen bieten aber keine spezielle Mainframe-Ausbildung mehr an. Daher ist es sehr wichtig, das Know-how rechtzeitig zu transferieren und für die Zukunft ausreichend Personal zu haben.

CW: Welche Maßnahmen müssen Finanzinstitute in die Wege leiten, um dieser Gefahr entgegenzuwirken?

WIESINGER: Sie müssen vor allem eine strukturierte Nachfolgeplanung besitzen. Diese umfasst einen Zeitplan für die Personalsuche, Einarbeitungszeiten und Dokumentationen sowie auch entsprechende Software und Tools für die Weitergabe von Wissen. Sie müssen das Wissen rechtzeitig konservieren und weitergeben, damit sie nicht vom Generationenwechsel überrascht werden. Compuware hat dazu das Whitepaper 'Mainframe Excellence 2025' entwickelt, das Maßnahmen empfhielt, wie Unternemen sich auf den Generationenwechsel im Mainframe vorbereiten und den Transfer von Mainframe-Know-how sicherstellen können.

CW: Wie bekommt man Kontakt zu jungen Fachkräften?

WIESINGER: Zu diesem Zweck sind interne Maßnahmen frühzeitig mit externen zu kombinieren. Wir arbeiten zum Beispiel mit Universitäten und Schulen, insbesondere der Fachhochschule Hagenberg, zusammen, um Diplomanden und Praktikanten für den Mainframe und unser Unternehmen zu begeistern. Dies funktioniert durch Forschungskooperationen, aber auch mit Firmeninformationstagen. Unternehmen müssen bei jungen Menschen bekannt und präsent sein.

CW: Wie können Unternehmen junge Fachkräfte für den Mainframe begeistern?

WIESINGER: Vor allem mit der beruflichen Perspektive: Systemspezialisten und -entwickler für den Mainframe sind am Markt nach wie vor gefragt. Die Nachfrage ist hier deutlich größer als das Angebot. Entsprechend handelt sich es sich um einen krisensicheren und gut bezahlten Job. Außerdem entwickelt sich auch diese ausgereifte Technologie mit Innovationen und neuen Features ständig weiter, so dass sie auch in Zukunft in Bewegung und spannend bleibt.

CW: Welche Möglichkeiten gibt es, junge Fachkräfte für den Mainframe weiterzubilden, und welche Voraussetzungen müssen sie dafür erfüllen?

WIESINGER: Bei neuen Mitarbeitern betreiben wir eine ausführliche Weiterbildung. Ein großer Teil ist dabei natürlich auch Training on the Job. Zudem gibt es die Möglichkeit, spezifische Schulungsangebote der Hersteller zu nutzen. Voraussetzungen sind nur gewisse Grundkenntnisse und ein entsprechendes Interesse, denn es gibt am Markt keine fertig ausgebildeten Fachkräfte für den Mainframe.

CW: Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Haus mit jungen Fachkräften im Bereich Mainframe gemacht?

WIESINGER: Wir haben sehr gute Erfahrungen mit jungen Fachkräften gemacht, die wir selbst ausgebildet haben. Sie wissen genau, was der Mainframe bietet und was nicht. Er hat zwar keine moderne Bedienoberfläche, aber bietet hervorragende Entwicklungsperspektiven.

CW: Könnten hier grafische Oberflächen für den Mainframe den Einstieg vereinfachen?

WIESINGER: Mainframe-Tools mit grafischen Oberflächen werden von uns ebenso genutzt wie die klassischen Befehlszeilen für Oberflächen. Schließlich gewöhnen sich die meisten Fachkräfte schnell daran und finden diese dann oft auch praktischer. So ist anfangs nur eine gewisse Bereitschaft nötig, sich mit den klassischen Oberflächen zu beschäftigen. Doch auch moderne Administrationsoberflächen halten hier zunehmend Einzug.

Informationen zur 3 Banken Gruppe

Die 3 Banken Gruppe ist ein Verbund der eigenständigen österreichischen Regionalbanken BKS Bank AG, Oberbank sowie der BTV. Insgesamt beschäftigen die drei Institute rund 3300 Mitarbeiter, die gemeinsame Bilanzsumme beträgt über 24 Milliarden Euro. Sie besitzen rund 250 Filialen in ganz Österreich sowie Zweigstellen und Repräsentanzen in Bayern, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Italien. Die 3 Banken Gruppe verwaltet mehr als 1,5 Millionen Konten ihrer Kunden. Der IT-Dienstleister und Rechenzentrumsbetreiber, die 3 Banken EDV GmbH., ist als einer der größten Provider für Banken-IT in Österreich für etwa 6000 Workstations verantwortlich, die täglich rund zehn Millionen Transaktionen anstoßen. (pg)