Connected Car & Car-IT

Der Kampf um Big Data im Auto

Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
"Hände weg von unseren Daten!" soll es künftig heißen, wenn Tech-Riesen wie Google und Apple an die Daten wollen, die das vernetzte Auto liefert. Zumindest wenn es nach dem Willen der Hersteller geht.

Vernetzung und Digitalisierung haben den Einfluss der IT-Welt auf die Autoindustrie in den letzten Jahren erheblich ausgedehnt. Und dank der angestrebten Entwicklung des Connected Car hin zum vollautonomen Automobil wird sich dieser Trend fortsetzen. Die Folge davon: der Kampf um mobilitätsgenerierte Big Data wird sich in den nächsten Jahren zuspitzen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wollen die Autohersteller den IT-Unternehmen - wenn überhaupt - nur begrenzten Zugriff auf diese Daten gewähren.

Big Data aus dem Connected Car: Wer bekommt die Daten? Wem gehören Sie? Wer verdient daran? Zwischen Autobauern und Tech-Industrie bahnt sich ein Kampf um die Daten im Auto an.
Big Data aus dem Connected Car: Wer bekommt die Daten? Wem gehören Sie? Wer verdient daran? Zwischen Autobauern und Tech-Industrie bahnt sich ein Kampf um die Daten im Auto an.
Foto: Syda Productions / shutterstock.com

Monetarisierung von Daten im Auto

Die Motivation dahinter dürfte klar sein: Auch fahrzeuggenerierte Daten lassen sich monetarisieren. Die erwarteten Einnahmen aus dem E-Commerce-Sektor dürften sich im Milliardenbereich bewegen. Für Unternehmen wie Google ist die Monetarisierung von Daten das native Geschäftsmodell, Autohersteller müssen hingegen erst auf die Entwicklungen reagieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Das Problem: Die Lösungen der IT-Branche zur Smartphone-Integration im Auto - also Googles Android Auto und Apples Car Play - finden bei Consumern immer größeren Anklang. Die Autobauer können sich den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden nicht entziehen oder gar verweigern, wollen aber trotzdem in jedem Fall verhindern, dass die Tech-Unternehmen unkontrolliert Fahrzeugdaten abgreifen.

Für IT-Riesen wie Google ist das Geschäft mit den Daten Alltag. Die meisten Autohersteller möchten den Zugriff auf Fahrzeugdaten durch Google und Apple verhindern.
Für IT-Riesen wie Google ist das Geschäft mit den Daten Alltag. Die meisten Autohersteller möchten den Zugriff auf Fahrzeugdaten durch Google und Apple verhindern.
Foto: Bloomua / shutterstock.com

Cashcow Connected Car

Beim Kampf um Big Data im Auto geht es um viel: General Motors beispielsweise erwartet in den nächsten drei Jahren zusätzliche Einnahmen in Höhe von 350 Millionen Dollar - allein generiert durch die Vernetzungs-Features in den GM-Fahrzeugen. Das Beratungsunternehmen AlixPartners geht für das Jahr 2018 davon aus, dass Connected Cars weltweit Einnahmen in Höhe von 40 Milliarden Dollar generieren könnten. Gegenüber dem Jahr 2013 würde das eine Steigerung um den Faktor 2,5 bedeuten. Auch deshalb haben einige OEMs bereits angekündigt, Apple und Google keinen Zugriff auf Daten aus den internen Fahrzeugsystemen wie Lenkung, Gas oder Bremse zu gewähren. Einer dieser Hersteller ist die Ford Motor Company. Don Butler, Executive Director of connected vehicles and services, erklärt die Motivation des Unternehmens: "Wir müssen den Zugang zu diesen Daten kontrollieren. Wir müssen uns die Möglichkeit bewahren, Kapital aus neuen digitalen Services zu schlagen, deren Grundlage die Daten aus dem Fahrzeug darstellen."

Big Data, big money? Experten rechnen damit, dass das Connected Car im Jahr 2018 Einnahmen in Höhe von 40 Milliarden Dollar generiert.
Big Data, big money? Experten rechnen damit, dass das Connected Car im Jahr 2018 Einnahmen in Höhe von 40 Milliarden Dollar generiert.
Foto: ScandinavianStock / shutterstock.com

Datenschutz im Auto: OEMs vs. Google & Apple

Was den Datenschutz im Connected Car und die Weitergabe von Daten an Dritte angeht, gibt es keine einheitliche Herangehensweise unter den OEMs. General Motors etwa integriert beide Systeme in seine Fahrzeuge, teilt aber nach eigenen Angaben weder Daten noch Gewinne mit den Tech-Riesen. Volkswagen gibt laut Reuters hingegen offen zu, den IT-Großkonzernen in Sachen Data Access mehr entgegen zu kommen als ursprünglich geplant. Ein Sprecher des Wolfsburger Großkonzerns wird von Reuters dazu zitiert: "Apple und Google wollten mehr Daten, als wir ursprünglich bereit waren ihnen zu geben. Aber wir gewähren ihnen Zugriff auf bestimmte Daten-Knotenpunkte um sicherzustellen, dass App Performance und User Experience sich auf einem hohen Level bewegen."

"Es gibt Daten, die Google von uns nie bekommen wird"

Bei den deutschen Premium-OEMs Audi, BMW und Mercedes agiert man hingegen restriktiv, wenn es um den Zugriff auf Fahrzeugdaten geht. Audi-CEO Rupert Stadler äußerte sich vor einigen Wochen im Interview mit der Branchenzeitung Automobilwoche zum Thema: "Wir haben mit Google abgemacht: Es gibt ein paar Daten, die wir gegenseitig austauschen. Es gibt aber auch andere Daten, die Google von uns nie bekommen wird. Das war die Grundbedingung für die Zusammenarbeit, und das hat Google respektiert." In ähnlichem Tenor äußerte sich ein Mercedes-Sprecher: "Wir glauben, dass Google für die Integration von Smartphones nicht auf die Daten der Tankfüllung zugreifen und auch nicht über das Auto die GPS-Daten abfragen muss, wenn der Fahrer diese ohnehin schon mit seinem Smartphone übermittelt, das er mit dem Auto verbindet."

Anders sieht das bei BMW aus. Dort sieht man nach wie vor keine Grundlage für eine enge Zusammenarbeit mit Google, wie BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich - ebenfalls gegenüber der Automobilwoche - klarmachte: "Eine Geschäftsgrundlage mit Firmen, die Daten verwenden, ohne die genaue Nutzung zu beschreiben, ist für uns nicht möglich."

 

Horst Ulrich Köther

Allein im Titelthema liegt schon der Fehler. Daten zu sammeln ist eines, was man damit tut ist etwas anderes. Genau hier aber kann man Apple & Google NICHT in einen Topf werfen. Aber es ist natürlich so schön einfach die "Großen" zu nennen, aber im Punkt Datensammlung hätte man dann Microsoft noch nennen müssen - und ganz wichtig die staatlich geförderten Institutionen, wie die NSA, BND, usw.. Der Unterschied ist, ob Daten, die gesammelt werden, für oder gegen uns eingesetzt werden. Gruß, HUK

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