T-Systems-Chef Reinhard Clemens

"Der Cloud-Markt ist noch nicht verteilt"

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Google und Co. sind im Cloud-Markt mitnichten enteilt, sagt T-Systems-Chef Reinhard Clemens im Gespräch mit CW-Redakteur Joachim Hackmann.
Reinhard Clemens, T-Systems: Anbieter wie Salesforce und Google kümmern sich nicht um Interoperabilität. Diese Rolle können wir in Deutschland besetzen.
Reinhard Clemens, T-Systems: Anbieter wie Salesforce und Google kümmern sich nicht um Interoperabilität. Diese Rolle können wir in Deutschland besetzen.

CW: US-Provider besetzen mit Nachdruck das weltweite Cloud-Geschäft. Welche Rolle kann T-Systems hier noch spielen?

Clemens: Im Cloud-Umfeld sind die Würfel noch lange nicht gefallen. Nur weil es Firmen wie Google und Facebook gibt, sind die Märkte nicht abschließend verteilt. Kein Cloud-Provider wird Kunden alles anbieten können, es wird Raum für viele Spezialisten geben. Die große Frage wird sein: Wer stellt für den Kunden sicher, dass die einzelnen Dienste interoperabel sind, dass die Speicherformate zueinander passen, dass sich die Dienste untereinander verbinden lassen? Wer garantiert Kunden den Zugriff auf eigene Daten im Falle einer Insolvenz des Anbieters? Hier können wir am Standort Deutschland einiges bewegen. Deshalb engagieren wir uns auch in der Forschungsunion des Bundesforschungsministeriums.

CW: Das klingt nach gründlicher deutscher Ingenieursplanung, der Markt wird aber kaum auf Datenformate der Forschungsunion warten.

Clemens: Wir reden nicht über Datenformate, sondern über Interoperabilität. Anbieter wie Salesforce und Google tun das nicht. Diese Rolle können wir in Deutschland besetzen. Wir haben uns aus der IT-Welt lange herausgehalten, mit Cloud haben wir die Möglichkeit, ein Klima zu schaffen, in der IT aus Deutschland wieder eine Rolle spielt. Das können wir schaffen, wenn wir die Themen Cloud-Integration und Datenschutz als weltweiten Standortvorteil ins Spiel bringen.

CW: Dazu haben Sie vor zwei Jahren auch die deutsche Cloud ins Gespräch gebracht. Das Vorhaben war stets umstritten …

Clemens: … und hat gut funktioniert.

CW: Mit Einschränkung, sogar die Deutsche Telekom wirbt heute mit weltweit verteilten Rechenzentren.

Clemens: Security ist ein zentrales Thema, selbst die CeBIT steht unter dem Motto "Managing Trust". Was ist also von der ursprünglichen Idee nicht übrig geblieben?

CW: Der nationale Aspekt.

Clemens: Die deutsche Cloud verdeutlicht, worauf es ankommt: Datenschutz, Sicherheit und Transparenz der Datenhaltung. Betreiber sind dem lokalen Recht verpflichtet, und der deutsche Datenschutz räumt uns einen strategischen Vorteil ein.