Pat Harper, Opentext

"Der CIO ist die Schnittstelle für alle Bereiche"

Annette Stadler absolvierte ein Studium der Feinwerktechnik und war als Redakteurin und leitende Redakteurin bei den Fachzeitschriften „Markt & Technik“ und „InformationWeek“ tätig. Anschließend ging sie als IT-Analystin zu den europäischen Venture-Capital-Unternehmen „Technologieholding“ und „3i“. Heute lebt sie in Vaterstetten und arbeitet als selbständige Autorin und Information Content Provider (www.icp-stadler.de) in den Bereichen Enterprise Content Management (ECM), Business- und Sicherheits-IT, Elektronik und Venture Capital.
Opentext zählt zu den bedeutendsten Anbietern von Enterprise Information Management (EIM). Pat Harper, CIO des Unternehmens, erläutert im CW-Interview aktuelle Branchentrends.

CW: Seit eineinhalb Jahren setzt Opentext nicht mehr nur auf Enterprise Content Management (ECM), sondern auf Enterprise Information Management (EIM). Wie definieren Sie EIM und welche Trends gibt es aus Ihrer Sicht in diesem Bereich?

Pat Harper, CIO von Opentext: Aufgabe des CIOs ist es, eine Strategie zu entwickeln, die verschiedene Informationsquellen zusammenführt.
Pat Harper, CIO von Opentext: Aufgabe des CIOs ist es, eine Strategie zu entwickeln, die verschiedene Informationsquellen zusammenführt.
Foto: Stadler

Harper: Wir definieren EIM als Content Management, Business Process Management, Customer Experience Management, Information Exchange und Information Discovery. Die Trends, die wir bis 2020 sehen, beinhalten alle umwälzenden Technologien wie Social Media, Cloud Based Services, mobile Technologie, die heute schon eine große Rolle spielen sowie sich abzeichnende Trendthemen wie Wearables, Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, wachsende Möglichkeiten durch 4G- und 5G-Netze sowie 3D-Druck.

Aufgabe des Information Managements ist, all diese Technologien gemäß der Gesamtstrategie des Unternehmens unter einem Dach zu vereinen, um den maximalen unternehmerischen Nutzen daraus zu ziehen. Da all diese Technologien damit zusammenhängen, wie Menschen Informationen nutzen, wie Maschinen Informationen verarbeiten und wie Informationen ausgetauscht und präsentiert werden, besteht der Trend für CIOs darin, eine EIM-Strategie zu entwickeln, die all dies zusammenbringt. Dabei ist in vielen Industriezweigen zu berücksichtigen, wie Unternehmen Inhalte über BtB-Netzwerke austauschen, wie Hersteller ihre Lieferanten- und Verkaufskanäle integrieren und wie Hersteller mit mehrstufigen Vertriebsstrukturen besser an ihre Endkunden heranrücken können.

Cloud-Kunden wollen Daten nicht außer Landes verschieben

CW: Bestehen aus Ihrer Erfahrung im internationalen Vergleich Unterschiede in den Anforderungen der Kunden weltweit?

Harper: Was die Cloud-Strategien betrifft, sehen wir in den Regionen Nordamerika, Europa, verschiedenen asiatischen Ländern, Australien und Japan Unterschiede, wie Unternehmen Cloud Based Services nutzen wollen, um auf die Anforderungen im Unternehmen einzugehen. In Nordamerika ist die Sicherheit der Daten weniger vorherrschend als in EMEA und einigen anderen Regionen. Gerade im öffentlichen Bereich verlangen die Verantwortlichen beispielsweise in Brasilien und Australien, dass die Daten bei der Nutzung von Cloud Based Services im Land bleiben. Immer mehr Anwender fordern dies auch in Deutschland. Daher gibt es auch Unterschiede, wie wir unsere Dienste in verschiedenen Ländern offerieren. Für uns besteht die Herausforderung darin, globale Services anzubieten und dabei auf regional unterschiedliche Anforderungen einzugehen.

Foto: OpenText

CW: Opentext hat eine hohe Anzahl verschiedener Softwareprodukte im Portfolio. Wo setzen Sie ihre Schwerpunkte?

Harper: Worauf wir uns innerhalb der Red-Oxygen-Initiative besonders fokussieren sind Content-Management-Produkte, Enterprise Content Management, Content Server und die Collaboration-Plattform Tempo. Beim Informationsaustausch dominieren Produkte, die den E-Mail-Verkehr sichern. Gut angelaufen sind auch die Produkte der GXS-Gruppe, die wir kürzlich akquirierten. Im Business-Process-Management-Bereich investieren wir viel in unsere Cordys-BPM-Engine, damit Anwender sie sowohl On-Premise als auch in der Cloud nutzen können. Außerdem arbeiten wir ständig daran, alle Produkte nach dem gleichen Schema zu gestalten mit gleichem Look and Feel, gleichen Schnittstellen und Präsentationskanälen auszustatten. Wir wollen die Produkte Device-unabhängig machen, so dass Anwender sowohl mit Laptop, iPhone oder iPAD und anderen Geräten darauf zugreifen können.

Die Integration und Angleichung der Systeme hinsichtlich des Aussehens, dem zugrundliegenden Code und der Weiterentwicklung sind Maßnahmen, die wir in der Red-Oxygen-Initiative festgelegt haben. Der Kunde soll eine Lösungssuite erhalten, die es ihm erspart, Einzelprodukte kaufen zu müssen. Erstes Ergebnis ist die gerade angekündigte Red Oxygen Process Suite, welcher eine Content Suite eine Experience Suite und weitere folgen werden.

Was Opentext mit der Milliarden-Akquisition GXS vorhat

CW: Im Januar schloss Opentext die Akquisition des Cloud-Anbieters GXS für 1,165 Milliarden Dollar ab. Wie integrieren Sie GXS nun in Opentext?

Harper: GXS-Investitionen in die Handelsplattform Trading Grid und Vereinbarungen mit Kunden bleiben nach der Akquisition wie vorab vereinbart bestehen. Zusätzliche Investitionen haben das Ziel, die GXS-Infrastruktur künftig für die Angebotserweiterung im Bereich von Hybrid- und Cloud-Lösungen zu nutzen.

CW: Im Zusammenhang mit der weiteren Opentext-Strategie scheint Ihnen die Rolle des CIOs bei Ihren Kunden besonders wichtig zu sein. Warum legen Sie auf dessen Stellung, die sich nach Ihren Ausführungen gerade extrem wandelt, so großen Wert?

Harper: Jedes Unternehmen hat strategische Ziele wie Umsatz- und Gewinnsteigerung, Erhöhung der Marktdurchdringung oder die Steigerung der Kundenzufriedenheit. Jede Abteilung - egal ob Kundensupport, Personalabteilung, Entwicklung oder Marketing - muss sich fragen, welchen Beitrag sie dazu leisten kann. Der CIO ist die Schnittstelle für alle Bereiche. Er blickt in jede dieser Abteilungen, um zu gewährleisten, dass die Ziele mit den vorhandenen Applikationen, Technologien und der EIM-Strategie erreicht werden können. Dieses Management der Enterprise Business Systems muss der CIO heute deutlich stärker leisten als in der Vergangenheit.

CW: Opentext hat viele Großkonzerne als Kunden. Geht Ihre Kundenzielgruppe darüber hinaus?

Harper: Wir zielen auf Unternehmen jeder Größe ab. Es gibt Kunden, die wir nur innerhalb einer EIM-Säule bedienen und die nur sechs oder sieben Leute beschäftigen wie Rechtsanwälte oder Ärzte. Diese werden sich zwar keinen Content Server zulegen, aber für sie haben wir auch andere ECM-Produkte, die kleinere Unternehmen nutzen können. Unsere Lösungen sprechen alle an, die Informationen sicher managen und austauschen wollen.

CW: Wie schätzen Sie Ihre eigene Marktposition derzeit ein?

Harper: Weltweit ist Opentext das zwölftgrößte Softwareunternehmen und das größte in Kanada. Wir erweitern ständig unser Angebot und ergänzen Features rund um Cloud Based Solutions, On-Premise-Lösungen und hybride Systeme. Wir arbeiten weiterhin daran, unsere Produkte und Services zu integrieren und stärkeren Wert auf Lösungssuiten zu legen. Zudem verfügen wir über ein riesiges Partnernetzwerk, um Kunden zu bedienen und auf deren Anforderungen einzugehen. Es gibt immer Wettbewerb, dem wir mit einem Ansatz begegnen, der mehr Wert liefert sowie schneller, besser und preiswerter ist, als der unserer Konkurrenten. Gerade die letzten zwölf Monate haben gezeigt, dass diese Strategie erfolgreich ist. (jha)

siehe auch: Opentext arbeitet an Produktintegration