Kooperation mit dem CIO

Der Chief Digital Officer ist ein temporäres Phänomen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Binnen fünf Jahren sollte der Chief Digital Officer (CDO) das Unternehmen und den CIO auf Spur gebracht haben. Die These stammt von Stefanie Waehlert, CDO bei TUI.
Stefanie Waehlert ist Chief Digital Officer (CDO) bei TUI Deutschland. In dieser Rolle kooperiert die Betriebswirtin mit TUI-CIO Carsten Bernhard.
Stefanie Waehlert ist Chief Digital Officer (CDO) bei TUI Deutschland. In dieser Rolle kooperiert die Betriebswirtin mit TUI-CIO Carsten Bernhard.
Foto: TUI Deutschland

Unter der Prämisse des "Digital First" entsteht die neue Rolle eines Chief Digital Officer (CDO). Ob eine solche Position überhaupt nötig ist, ob die Aufgaben eines CDO nicht zum Job des CIO zählen - um solche Fragen ging es bei der "Handelsblatt"-Konferenz Ende Januar in München. Eine, die es aus der Binnenperspektive beurteilen kann, ist Stefanie Waehlert. Die Betriebswirtin verantwortet die "Digital Journey", die TUI Deutschland vor über einem Jahr angetreten hat. Ihre These: Der CDO ist eine temporäre Erscheinung. Binnen fünf Jahren sollte er - in enger Zusammenarbeit mit dem CIO - das Unternehmen auf Spur gebracht haben.

TUIs Digital Journey umreißt Waehlert kurz: "Wir kommen von der Produktorientierung und müssen zur Kundenorientierung." Insofern sei die Entwicklung auch eine Customer Journey. Die Vision dazu: "Wir schaffen ein 360-Grad-Erlebnis für unsere Kunden. Vor, während und nach der Reise." Im konkreten Arbeitsalltag verantwortet die CDO die digitalen Vertriebskanäle, Content, CRM, Social Media und Multi-Channel-Management. Sie berichtet direkt an den CEO.

Zumindest in den ersten vier, fünf Jahren einer digitalen Transformation braucht ein Unternehmen sowohl den Chief Digital Officer als auch den CIO, erklärt Waehlert. Sie selbst arbeitet eng mit Carsten Bernhard zusammen, dem TUI-CIO. "Wir diskutieren viel", berichtet die CDO. "Was brauche ich im mobilen Bereich? Was ist realistisch?" Solche Fragen stimmt sie mit ihm ab.

Ihre eigenen Aufgaben als CDO skizziert sie wie folgt:

- Entwickeln der digitalen Wachstumsstrategie unter Berücksichtigung sämtlicher Unternehmensbereiche

- Operatives Vorantreiben des digitalen Wandels der Organisation

- Qualifizieren und Motivieren der Kollegen, um den Weg der Digitalen Transformation mit zu beschreiten

Und hier liegt für Waehlert der Fokus des CIO:

- Aufsetzen zukunftsfähiger IT-Prozesse

- Sicherstellen aller technischen Voraussetzungen für leistungsfähige Anwendungen und Plattformen

- Stetiges Weiterentwickeln der Plattformen und Systeme

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Nicht jeder auf der Veranstaltung stimmte Waehlert zu. Die CDO-Aufgaben übernehme doch der CIO, so eine entgegengesetzte These. Professor Walter Brenner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen, gibt Waehlert jedoch Recht. "Ich sehe viele überforderte CIOs im Land", sagte er. Die Doppelrolle sei ein guter Weg. Dabei betont Brenner insbesondere den Aspekt der Customer Journey. Hier tun sich viele CIOs schwer, beobachtet er: "Sie sind es überhaupt nicht gewohnt, mit Kunden zu reden."

"Digitalisierung ist kein Tool, das man kauft"

Doch egal, ob als Tandem, ob mit oder ohne Chief Digital Officer - Professor Tilo Böhmann vom Fachbereich Informatik an der Universität Hamburg stellt fest: "Digitalisierung ist kein Tool, das man kauft, und dann ist es da. Digitalisierung ist ein Prozess."

Das kann Waehlert aus der Praxis bestätigen. Formal startete TUIs Digital Journey 2014. Als Kurztrip war die Reise nie gedacht. 2016 will das Unternehmen einen "Digital Push" sehen, 2018 will es die Vision vom Kundenerlebenis umgesetzt haben. Waehlert sagt: "Wir brauchen Atem für eine mehrjährige Transformation auf allen Ebenen."