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Dell verabschiedet sich von Intels Itanium-Prozessoren

15.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der PC-Direktanbieter Dell wird künftig keine Rechner mehr mit Intels 64-Bit-CPU Itanium mehr anbieten. Grund dafür sei die mangelnde Nachfrage, erklärte Marketing-Chef Paul Gottsegen gegenüber dem "Wall Street Journal". In den Serversystemen der nächsten Generation werde Dell Intel-Prozessoren vom Typ Xeon verwenden. In Deutschland offeriert Dell mit dem Vier-Wege-Server "7250" derzeit nur noch ein einziges Itanium-Modell. Den Zwei-Wege-Server "3250" nahm der Hersteller bereits im Februar aus dem Programm.

Für die gemeinsam von Hewlett-Packard (HP) und Intel entwickelte Chiparchitektur bedeutet die Entscheidung einen weiteren Rückschlag. Seit der Markteinführung 2001 kämpften die Protagonisten der 64-Bit-Architektur immer wieder mit Problemen. Unbefriedigende Leistungswerte, zu wenig verfügbare Programme und mehrfach revidierte Absatzprognosen nagten am Image des Flaggschiff-Produkts.

Zur schwachen Marktakzeptanz des Itanium trug insbesondere Intels Konkurrent AMD mit seinen Opteron-Prozessoren bei. Diese verarbeiten sowohl 32-Bit- als auch 64-Bit-Programme ohne Modifikationen, eine Eigenschaft, die der Itanium nur mit erheblichen Einschränkungen vorweisen kann. Um die gleichen Vorzüge bieten zu können, sah sich Intel gezwungen, die AMD-Strategie nachzuahmen, und den eigenen 32-Bit-Xeon mit 64-Bit-Erweiterungen ("EM64T") aufzurüsten. Damit züchtete sich der Chipkonzern Konkurrenz im eigenen Haus.

Von den umsatzstärksten Hardwareanbietern setzt nur noch HP den Itanium in größerem Umfang ein. Für IBM und Fujitsu-Siemens Computers (FSC) spielte der Chip von Anfang an nur eine Nebenrolle. Analysten beurteilen die Zukunftsperspektiven deshalb kritisch. Intel-Managerin Lisa Graff wehrte sich gegen diese Einschätzung: Im Segment der High Performance Computer (HPC) gebe es nach wie vor einen robusten Markt für den Itanium. Mehr als 70 Unternehmen nutzten den Prozessor in ihren Rechnern. (wh)