Schneller, höher, weiter

Das Olympia-Netz 2012

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Hochauflösende Videostreams, 3D-Fernsehen, VoIP, uneingeschränkte Ausfallsicherheit - die enormen Anforderungen an das Olympia-Netz 2012 sind eine große Chance.
Vom zentralen Netzkontrollzentrum aus überwachen die Techniker das Olympia-Netz.
Vom zentralen Netzkontrollzentrum aus überwachen die Techniker das Olympia-Netz.
Foto: LOCOG

Das Netz steht für zehn Sekunden? Viele CIOs werden mit den Achseln zucken und lakonisch feststellen, dass ihre User dann eben E-Mails leicht verzögert bekommen oder eine Videokonferenz einen kurzen Aussetzer hat.

Gerry Pennell verfolgt dieser Gedanken dagegen wie ein Alptraum: Zehn Sekunden Netz-Blackout, und er wäre weltweit vor Hunderten Millionen Menschen blamiert - würden diese etwa beim 100-Meter-Sprintfinale in die Röhre schauen. Pennell ist als CIO des London Organising Committee of the Olympic Games and Paralympic Games (Locog) für das Netz der Olympischen Sommerspiele 2012 verantwortlich. Und die Spiele werden nicht nur in sportlicher, sondern auch in technischer Hinsicht Rekorde schreiben.

So werden 2012 erstmals von allen 94 Veranstaltungsorten HD-Videostreams in Echtzeit per IP-Netz übertragen. Bei den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 betrug der HDTV-Anteil noch 30 Prozent. Gleichzeitig werden 300 bis 400 Stunden 3D-Fernsehen übertragen. Entsprechend leistungsfähig muss das Netz sein: Allein das internationale Pressezentrum wird mit 60 Gbit/s an das Netz angebunden, und die 94 Veranstaltungsorte werden jeweils mit 20 Gigabit/s erschlossen. Schätzungen gehen davon aus, dass jede Sekunde etwa 6 Gigabyte Multimedia-Daten erzeugt werden. Die Website von Olympia 2012 dürfte über zwölf Milliarden Zugriffe erzielen.

Auf Herz und Nieren geprüft: Vor dem Rollout werden alle Komponenten und Software im Testcenter geprüft.
Auf Herz und Nieren geprüft: Vor dem Rollout werden alle Komponenten und Software im Testcenter geprüft.

Im Gegensatz zu den Bewerbern München und Garmisch-Partenkirchen, die sich über den Erhalt von Almwiesen stritten, begriffen die Briten Olympia früh als Chance, um einen der ärmsten Bezirke des Landes ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. So erhält der Olympiapark einen 160- Gbit/s-Glasfaserring, und die umliegenden Viertel mit dem Olympischen Dorf werden mit Fibre to the Home ausgestattet. Über 8500 Kilometer Glasfaserleitungen wurden vergraben. Nach den Spielen soll die Infrastruktur weitergenutzt werden.

Verantwortlich für den Aufbau der Netzinfrastruktur sind British Telecom (BT) und Cisco als offizielle ITK-Ausrüster. Ihr Netz wird rund 80.000 Ports umfassen, 16.500 Telefonleitungen sowie rund 1000 WLAN-Access-Points. Beide Unternehmen können 2012 zeigen, wie leistungsfähig Communications as a Service aus der Cloud ist. Auf Basis von Ciscos Hosted Unified Communications Services Platform (HUCS) offeriert BT zu den Spielen 20.000 VoIP-Anschlüsse.

Während die Technik für die Netzpartner die größte Herausforderung ist, sieht sich CIO Pennell mit anderen Problemen konfrontiert: Er hat für das Mammutprojekt Olympia-Netz einen festen Termin einzuhalten, weshalb einige Grundregeln zu beachten seien, die sich auf andere Projekte übertragen ließen. So empfiehlt er, nicht auf die neueste Hype-Technologie zu setzen, sondern lieber Bewährtes zu verwenden. Ferner sollte eine einmal getroffene Technikentscheidung durchgehalten werden, denn ständige Umorientierungen führten dazu, dass Termine nicht gehalten werden könnten. Ein Credo Pennells lautet: Testen und nochmals Testen. Der Olympia-CIO und sein Team haben sich hierzu das Testcenter "Olympia in a Room" aufgebaut. Hier haben sie in über 200.000 Stunden das IT-Equipment für die einzelnen Standorte geprüft. Allerdings kann dies praktische Tests nicht ersetzen, da hier oft Probleme sichtbar werden, an die in der Theorie niemand denkt. Für Pennell war dies eine Erfahrung im Basketball-Stadion: Die Ballvibrationen auf dem Boden stellten die klassischen Ethernet-Stecker auf eine unerwartet harte Probe.