Anhängiger Rechtsstreit aus seiner Atos-Zeit

CSC hat Deutschland-Chef Fercho abgelöst

Joachim Hackmann
Als Chefreporter Online spürt Joachim Hackmann aktuelle Themen aus allen Segmenten der IT-Branche auf. Seine thematische Vorliebe gilt der IT-Servicebranche. Dazu zählen etwa Trends, Neuerungen, Produkte und Unternehmen aus den Bereichen Cloud Computing, XaaS, Offshoring und Outsourcing sowie System-Integration und Consulting. Zudem betreut er die Online-Rubrik "Mittelstand" und hält den Kontakt zur Xing-Lesergruppe.
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Gerhard Fercho ist nicht mehr Deutschland-Chef des IT-Dienstleister CSC. Unklar ist, ob ein Rechtstreit gegen ihn zu seiner Demission geführt hat.
Gerhard Fercho ist nicht mehr Deutschland-Chef des IT-Dienstleister CSC.
Gerhard Fercho ist nicht mehr Deutschland-Chef des IT-Dienstleister CSC.
Foto: CSC

Fercho ist nach wie vor im Unternehmen tätig, über seine künftige Aufgabe und Position wollte der Dienstleister auf Anfrage der COMPUTERWOCHE aber keine Auskunft geben. Gleiches gilt für die Gründe der Demission, auch sie wurden nicht offen gelegt. Bislang gibt es auch keine offizielle Mitteilung zu dem Wechsel im Management der deutschen CSC-Niederlassung. Vor wenigen Tagen wurde lediglich die Belegschaft intern darüber informiert, dass Fercho zum 1.Februar von Joachim Lauterbach abgelöst wird. Lauterbach übernimmt als kommissarischer General Manager Central Europe das Geschäft von CSC in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den osteuropäischen Ländern. Zugleich ist er Geschäftsführer der CSC Deutschland Solutions GmbH. Lauterbach berichtet an CSC-Board-Mitglied Thomas Hogan, der als Executive Vice President sämtliche Belange der weltweiten CSC-Dependancen verantwortet.

Fercho wurde am 1. November 2006 Vorsitzender der Geschäftsführung von CSC in Deutschland. Er kam in einer sehr unsicheren Phase zu CSC, als die weltweiten und europäischen Einnahmen rückläufig waren und die Zentrale in den USA Stellenstreichungen angekündigt hatte. Fercho versprach der hiesigen Belegschaft, sich um sichere Arbeitsplätze zu bemühen, vor allem durch Wachstum mit großen Deals. Mit dieser Strategie und enormen Investitionen in das IT-Auslagerungsgeschäft hatte er zuvor als Deutschland-Chef dem französischen IT-Dienstleister Atos Origin (heute Atos) den Weg in den deutschen Markt geebnet.

Einer der großen Outsourcing-Deals, den Atos unter Ferchos Leitung gewinnen konnte, bescheren sowohl dem Manager als auch seinem ehemaligen Arbeitgeber noch heute juristischen Ärger. 2004 übernahm Atos den Betrieb der Rechenzentren, des Supports, der Anwendungen und Netze für den Karstadt-Quelle-Konzern. Das Volumen belief sich auf 1,2 Milliarden Euro bei einer Laufzeit von mehr als acht Jahren. Nicht immer verlief die Partnerschaft in der Folge reibungslos, bereits 2006 hatte Karstadt-Quelle Zeitungsberichten zufolge den Ausstieg aus dem Vertrag erwogen.

Atos Origin hatte damals im Rahmen des Auslagerungsabkommens den Berater Karl-Heinz Kaiser beschäftigt. Er gab Fercho angeblich den entscheidenden Tipp, sich um die Ausgliederung der IT des Warenhauskonzerns zu bemühen (siehe Handelsblatt Nr. 046 vom 05.03.2012, Seite 25 "IT-Berater Fercho wehrt sich gegen Vorwürfe"). In einem schon seit Jahren geführten Rechtsstreit gegen Atos fordert Kaiser als Beraterhonorar zwei Prozent der Vertragssumme ein, also 24 Millionen Euro. Dazu präsentierte Kaiser dem Gericht diverse Verträge, die Fercho unterzeichnet haben soll. Fercho trat in dem Verfahren zunächst nur Zeuge auf und bestritt, die Verträge unterschrieben zu haben. Daraufhin verklagte Kaiser den heutigen CSC-Manager und bezichtigte ihn der Falschaussage. Fercho wiederum behauptet, dass die von Kaiser präsentierten Urkunden gefälscht seien.

Auslöser des Rechtstreits zwischen dem externen Berater und Atos ist, dass der französische IT-Dienstleister die Ansprüche, die Kaiser und Fercho miteinander vereinbart haben, nicht akzeptiert. Weil Fercho knapp zwei Jahre nach dem Karstadt-Abkommen zu CSC wechselte, konnte Kaiser seine Forderungen nur noch gegenüber der Atos-Zentrale geltend machen. Laut einem Bericht der Rheinischen Post verlangte der französische Finanzvorstand Alain Proch daraufhin von Fercho eine Erklärung und verweigerte vorerst alle noch ausstehenden Geldleistungen.

"Erschrocken über die Heftigkeit Prochs stritt Fercho alle Provisionszusagen an Kaiser ab", schrieb die RP-Online im November 2012. In dem Gerichtsverfahren um die Beraterhonorare Kaisers widersprachen sich Fercho und ein Atos-Vertreter nach Auffassung des Oberamtsanwalts. Das dortige Amtsgericht erließ daher gegen den früheren Atos-Chef Fercho einen Strafbefehl von fünf Monaten Haft auf Bewährung, der jedoch nicht rechtskräftig ist, weil die Anwälte Widerspruch einlegten. Kaiser zog zudem in der Folge noch einen ungenannten Atos-Manager und Finanzvorstand Proch vor den Kadi, jeweils mit dem Vorwurf der Falschaussage. Bislang liegen keine Gerichtsurteile in den diversen Verfahren vor.

Ob der Rechtsstreit zur Demission von Fercho geführt hat, ist unklar, war aber seiner Reputation im CSC-Konzern bestimmt nicht zuträglich. CSC steht weltweit vor einem Umbruch, seit CEO Mike Lawrie im Februar 2012 das Ruder übernahm. Der Ex-IBM-Manager treibt das weltweite Wachstum voran, Deutschland als eine der größten Volkswirtschaften weltweit spielt dabei eine bedeutende Rolle. Fercho konnte seine anfänglichen Versprechungen aus dem Jahr 2006, mit Großprojekten hierzulande zu wachsen, nicht wirklich einlösen. Möglicherweise strebt das weltweite Management einen Neustart ohne Fercho in Deutschland an. (mhr)

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