IDF

Craig Barrett eröffnet mit philanthropischer Keynote

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Warum ist "Weltverbesserer" eigentlich ein Schimpfwort? Das mag man sich nach der denkwürdigen Grundsatzrede des früheren Intel-Chefs Craig Barrett zur Eröffnung des IDF in San Francisco einmal mehr fragen.

Barrett überließ die Technik und Technologie nämlich seinen Folgerednern und widmete sich stattdessen der sozialen Verpflichtung und der Frage, was die Techniker im Publikum dazu beitragen könnten, um die Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung rund um dem Globus zu verbessern.

"Technik ist ein Werkzeug, um einige der drängendsten Probleme dieser Welt in den Bereich Gesundheitswesen, Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und Umwelt anzugehen", appellierte Barrett, der auch einer UN-Initiative für Technik in Entwicklungsländern vorsitzt. "Kein Land und kein Mensch bleibt davon unberührt. Macht mit! Werdet ein Teil der Lösung!"

Intel werde, so Barrett weiter, vier mit jeweils 100.000 Dollar dotierte Preise für die innovativsten Ideen in den genannten Bereichen ausloben. Beurteilt werden sollen die Projekte vornehmlich nach Innovation und Nachhaltigkeit.

Craig Barrett appellierte zur IDF-Eröffnung an das soziale Gewissen des Auditoriums.
Craig Barrett appellierte zur IDF-Eröffnung an das soziale Gewissen des Auditoriums.

Die IT-Branche könne zum Beispiel den Klimawandel angehen, unter anderem bei den zwei Prozent, welche die Hightech-Branche selbst zum weltweiten CO2-Ausstoß beitrage, sagte der frühere Intel-CEO. Technik könne natürlich auch in vielfältiger Weise dazu beitragen, die restlichen 98 Prozent der Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Als ein Beispiel führte Barrett United Parcel Service (UPS) an, das dank GPS-Technik und Planungssoftware drei Millionen Meilen Lieferfahrten einspare - pro Monat wohlgemerkt.

"Das war ein nachdenkliches Stück mit dem Fokus darauf, was Technik erreichen kann, statt sich über 45-Nanometer-Prozesse zu ergehen", kommentiert der Insight64-Analyst Nathan Brookwood. "Intel hat noch jede Menge Gelegenheit, über Produkte und Technik zu sprechen. Barrett hat versucht, von den Produkteinzelheiten zu abstrahieren."

Charles King von Pund-IT, der ebenfalls im Keynote-Publikum saß, findet die Ansprache interessant, aber nicht weltbewegend. "Das sollte klar ein paar heiße Eisen ansprechen", sagt der Analyst. "Das ist Teil einer größeren Erkenntnis und Bemühung von großen IT-Firmen, dass sie mehr unternehmen müssen, um rund um den Erdball Innovation zu fördern."

King verwies auf ähnliche Wettbewerbe wie den von Microsoft initiierten Imagine Cup und die Tatsache, dass die IBM Firmen in Schwellenländern Software kostenlos überlässt. Aber auch wenn Intel hier nicht unbedingt ein Vorreiter sei, eröffne es das IDF doch mit einer starken Botschaft. "Das war schon ein wirklich kluger Zug", so King weiter. "Barrett hat eigentlich darüber gesprochen, dass Technik nicht länger einfach nur innovativ und cool sein darf, sondern auch einer praktischen Anwendung wie Gesundheit oder Energieverbrauch bedarf. Sie muss etwas daran verändern, wie wir leben und arbeiten."