Computacenter sucht seine Service-Nische

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Der Wandel zum IT-Dienstleister ist richtig, kommt aber spät. Die Abhängigkeit vom Resale-Geschäft bringt das Unternehmen in Finanznöte.

Vier Mitglieder des Verwaltungsrats von Computacenter, darunter die Firmengründer Philip Hume und Peter Ogden, haben dem gesamten Gremium vergangene Woche einen Buyout mit anschließender Reprivatisierung angeboten. Offenbar traut die Firmenleitung dem Unternehmen gute Erfolgschancen zu - trotz der enttäuschenden Geschäftszahlen: Bei einem Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Pfund (2004) sind 475 Millionen Pfund Marktkapitalisierung ohnehin nicht viel. Dramatisch entwickelte sich das Geschäft des im britischen Hatfield ansässigen Unternehmens jedoch in der ersten Hälfte dieses Jahres: Die Einnahmen sanken von 1,23 Milliarden auf 1,15 Milliarden Pfund, der Nettogewinn brach um 90 Prozent ein - von 20,3 Millionen auf 2,1 Millionen Pfund.

Hardwaremargen fallen

Schuld war Firmenvertretern zufolge die schwache Marktlage. Erst seit Ende September zeichne sich eine konjunkturelle Erholung ab - zu spät, um die Ausfälle im ersten Halbjahr zu kompensieren. Zudem verschärfte sich besonders im Heimatland Großbritannien der Margenverfall im Produktgeschäft durch härtere Konditionen der Hardwarehersteller: "Die lahme Konjunktur hat die Reseller am stärksten getroffen", fasst Karsten Leclerque, Berater bei Pierre Audoin Consultants (PAC), zusammen. Computacenter habe die Probleme im reinen Resale-Geschäft zwar frühzeitig erkannt und sein Serviceportfolio stark ausgebaut. "Solche Veränderungen lassen sich aber nicht von heute auf morgen stemmen."

Die Serviceeinnahmen von Computacenter in Deutschland stagnieren und können den Umsatzverlust im Resale-Geschäft nicht ausgleichen.
Die Serviceeinnahmen von Computacenter in Deutschland stagnieren und können den Umsatzverlust im Resale-Geschäft nicht ausgleichen.

Auch in Deutschland machen Konjunkturflaute und Margendruck dem Unternehmen zu schaffen, das zudem noch immer mit den Folgen der im vergangenen Jahr eingeleiteten Reintegration zu kämpfen hat. Trotz einiger Erfolge im Servicemarkt ging der Umsatz im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent zurück. Zudem musste Computacenter Deutschland einen operativen Verlust von 2,23 Millionen Euro hinnehmen. In der ersten Hälfte des Vorjahres hatte das Unternehmen noch umgerechnet 3,69 Millionen Euro erwirtschaftet.

Deutschlandchef ist optimistisch

Computacenter ist mit seinen Problemen nicht allein. Auch das zweite große Systemhaus in Deutschland, die Bechtle AG, musste seine Umsatz- und Gewinnprognosen für 2005 zurückschrauben. Gelitten hat laut Leclerque die gesamte Resale-Branche: "Auch die meisten IT-Dienstleister, die unter anderem als Wiederverkäufer von Hardware auftreten - etwa T-Systems oder SBS - haben hier an Umsatz verloren." Da Computacenter allerdings nach wie vor rund 67 Prozent des Gesamtumsatzes mit dem Hardwareverkauf und 33 Prozent mit IT-Dienstleistungen erzielt, wirkt sich der Einbruch im Handelsgeschäft besonders drastisch auf das Ergebnis aus.

Colin Brown, CEO von Computacenter Deutschland, zeigt sich dennoch zuversichtlich: "Wir werden in der zweiten Jahreshälfte wieder schwarze Zahlen schreiben und damit auch das Gesamtjahr positiv abschließen." Anlass zu so viel Optimismus gibt das Geschäft mit IT-Dienstleistungen und hier vor allem mit Managed Services, auf die inklusive Maintenance derzeit rund 45 Prozent des Serviceumsatzes entfallen. Dank einer Reihe von neuen Vertragsabschlüssen seien die Einnahmen hier seit Dezember letzten Jahres um 5,7 Prozent gestiegen.

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