Cognos und IBM - eine fruchtbare Ehe

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Erste gemeinsame Produkte für Business Intelligence versprechen den Kunden Kontinuität.

Der Milliarden-Kauf von Cognos durch IBM Ende 2007 galt in Analystenkreisen als eine sinnvolle Kombination von Produkten und Ressourcen. Allerdings gab es auch Befürchtungen, das BI-Geschäft und die technische Entwicklung von Cognos könnten aufgrund eines ausufernden Portfolios und komplexer Konzernstrukturen der IBM an Schwung verlieren. Das erste gemeinsame Release 8.4 der BI-Plattform "Cognos 8 BI" soll nun helfen, die Bedenken auszuräumen.

Berichte lassen sich portieren

So lassen sich Berichte, die noch auf der Vorgängerarchitektur "Cognos Series 7" und deren Olap-Server "Cognos Powerplay" entwickelt worden waren, ohne großen Aufwand in die neue Umgebung importieren. Diese Hilfe war überfällig, denn rund drei Jahre nach der Vorstellung von Cognos 8 BI scheuen weiterhin viele Bestandskunden die schwierige Migration ihrer Projekte, zumal sie mit Series 7 durchaus zufrieden sind. So schätzt die Anwendervereinigung Cognos User Group (Deutschland, Österreich, Schweiz), in der rund 100 Unternehmen organisiert sind, dass immer noch mehr als die Hälfte aller Kunden auf Series 7 arbeiten. Cognos sah sich daher vor einiger Zeit gezwungen, die bereits abgekündigte Wartung und Weiterentwicklung der Series 7 zurückzunehmen.

Dynamische Dashboards

Zugleich will IBM/Cognos mit der aktuellen Version 8.4 auch funktional Akzente setzen. Als Highlight sieht der Anbieter das "Cognos 8 Go! Dashboard". Mit ihm sollen Anwender auch ohne IT-Wissen vorhandene Berichte an ihre Bedürfnisse anpassen können, indem sie Elemente per Drag-and-drop verschieben oder Filter setzen, erklärt Matthias Kratz, Director Presales Germany bei Cognos. Neu ist auch die Komponente "Cognos 8 Business Viewpoint", die eine zentrale Verwaltung von Modelldimensionen ermöglicht. Außerdem wurde die Integration zwischen Cognos 8 BI und der vom Anbieter Applix zugekauften Analysedatenbank "TM1" vertieft, und die Planungssoftware "Cognos Planning" erhält einen Java-Client.

Für unternehmensweite BI-Lösungen wird Cognos hingegen weiter auf Data-Warehouse-Systeme wie das "IBM Infosphere Warehouse" setzen. Big Blue betont allerdings seit Monaten, Kunden nicht auf die eigenen Angebote zwingen zu wollen, sondern ebenso mit Oracle oder Teradata zusammenzuarbeiten. Gleiches soll für Cognos-Produkte gelten, die der Optimierung von Geschäftsinformationen und dem Performance-Management dienten. "Wir sind nicht blau", sagte Kratz.

Gemeinsame Entwicklung

Gegen diese These spricht die Entwicklungskooperation beider Anbieter. So ist Cognos 8 BI erstmals auf dem System-z-System der IBM und damit auf einem Mainframe verfügbar, woran allerdings schon vor dem Merger gearbeitet wurde. Ferner unterstützt Cognos 8 BI 8.4 die neuen "IBM Infosphere Warehouse Cubing Services", die eine mehrdimensionale Sicht auf Daten in einer relationalen Datenbank ermöglichen. "Die Integration hätte ansonsten vielleicht ein Release länger gedauert", sagte Kratz.

Dennoch glaubt man bei der User Group dem Versprechen der Hersteller: "Wir können bisher keine Bevorzugung von IBM-Produkten erkennen", sagte der zweite Vorsitzende Martin Otto. Allerdings könnten Kunden jetzt den ganzen "Stack" für BI, Performance-Management und Data Warehousing aus einer Hand beziehen. IBM betreibe ein "kluges Bundling" von Produkten.

Ende der Cognos GmbH

  • Zum ersten Januar 2009 erfolgt der formelle Übergang von Cognos in die IBM-Organisation und deren Information Management Group. Damit einher geht die Auflösung der hiesigen Cognos GmbH, die in ihrer bisherigen Personalstärke bestehen bleibt.

  • Geschäftsführer Olaf Scamperle bleibt im Integrated-Market-Team der IBM für Services, Pre-Sales, Vertrieb, Marketing und Sales zuständig - allerdings nur noch für Deutschland.

  • Die Cognos-Partnerverträge laufen in der nächsten Zeit aus und werden durch das "Value-Net Plus Programm" der IBM ersetzt.