CeBIT-Interview mit Paul Hermelin

„Cloud Computing ist gut für uns“

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Paul Hermelin, CEO der Capgemini-Gruppe, sieht für den IT-Dienstleister im Cloud-Geschäft zwei Rollen vor: Betreiber und Integrator.

CW: Die CeBIT steht unter dem Motto „Cloud Computing“. Ist die Aufregung um dieses neue Betriebsmodell gerechtfertigt?

"Ich betrachte die Entwicklung in der IT-Servicewelt alles andere als pessimistisch" sagt Paul Hermelin, CEO der Capgemini-Gruppe.
"Ich betrachte die Entwicklung in der IT-Servicewelt alles andere als pessimistisch" sagt Paul Hermelin, CEO der Capgemini-Gruppe.
Foto: Sümer Cetin/Breitenwirkung

Hermelin: Es ist zu früh, Cloud Computing umfassend zu bewerten. Die Zeit wird zeigen: Ist Cloud Computing eine Möglichkeit, eine neue Form einer IT-Organisation zu schaffen? Ist es ein guter Weg, die Beziehung zwischen IT und Business zu verändern und zu verbessern? Ich bin davon überzeugt, dass Konzerne erhebliche Produktivitätsgewinne mit großen privaten Clouds erzielen können. Kleinen Unternehmen bringt die Virtualisierung zunächst einmal für sich genommen wenig. Sie müssen sich der Public Cloud bedienen, um sich Vorteile zu verschaffen. Das ist die neue Welt.

CW: Welche Auswirkungen hat das Modell auf das Geschäftsmodell der Service-Provider?

Hermelin: Es stellt uns vor neue Herausforderungen: Bevor Cloud Computing und on Demand auf dem Markt kamen, haben Unternehmen für jeden Euro, den sie für eine Softwarelizenz bezahlten, weitere vier Euro für die Integration ausgegeben. Nun forcieren Anbieter wie Oracle und SAP ihre on-Demand-Angebote und die entscheidende Frage für uns lautet: Was bleibt uns vom Kuchen? Früher haben wir SAP-Projekte für Großkunden betrieben, die mit beispielsweise fünf Millionen Euro dotiert werden. Wenn wir heute eine SaaS-Lösung etwa von Salesforce.com integrieren, sind das Projekte im Wert von sagen wir mal 200 000 Euro. Aber bleibt uns dadurch weniger vom Kuchen? Es zeigt sich, dass Bereiche innerhalb eines Unternehmens unabhängig voneinander SaaS-Lösungen anschaffen.

Dort entsteht wieder eine Art Spaghetti-Code mit verschiedenen Pasta-Sorten. Und das - es tut mir leid das sagen zu müssen – ist gut für uns. Denn durch diese Entwicklung ergeben sich neue Integrationsaufgaben, da die unterschiedlichen Tools irgendwann wieder unter einem Dach zusammen geführt werden müssen. Unterm Strich bedeutet das: Je mehr SaaS-Lösungen angeschafft werden, desto mehr Projekte fallen an. Richtig ist, dass für einzelne SaaS-Services weniger Anpassungsarbeiten anfallen. In Summe wächst der Bedarf. Ich betrachte die Entwicklung in der IT-Servicewelt alles andere als pessimistisch.