Drees & Sommer

CIO schafft feste Arbeitsplätze ab

Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Die Arbeitswelt von morgen ist weniger von Routinearbeiten geprägt, sondern dynamischer und digitaler. Wie eine flexible Büro-Organisation aussehen kann, diesem neuen Anspruch gerecht wird, zeigt das Beispiel Drees & Sommer.
"Wir mussten an unserem Stuttgarter Standort mehr Mitarbeiter auf 2.800 Quadratmetern Bürofläche unterbringen, hatten aber nicht ausreichend Räumlichkeiten", sagt Uwe Tyralla, Architekt und Senior Projektpartner bei Drees & Sommer.
"Wir mussten an unserem Stuttgarter Standort mehr Mitarbeiter auf 2.800 Quadratmetern Bürofläche unterbringen, hatten aber nicht ausreichend Räumlichkeiten", sagt Uwe Tyralla, Architekt und Senior Projektpartner bei Drees & Sommer.
Foto: Drees & Sommer

Am Anfang waren die Mitarbeiter bei Drees & Sommer skeptisch. Keine eigenen Schreibtische, immer neue Sitznachbarn und möglichst kein Papier mehr? Und wie findet man da noch seine Ansprechpartner? Der Arbeitsplatzumbau bei der im Bau- und Immobiliensektor tätigen Unternehmensberatung begann vor vier Jahren aus einem Grund: "Wir mussten an unserem Stuttgarter Standort mehr Mitarbeiter auf 2.800 Quadratmetern Bürofläche unterbringen, hatten aber nicht ausreichend Räumlichkeiten", sagt Uwe Tyralla, Architekt und Senior Projektpartner bei Drees & Sommer.

Man entschloss sich zu einem internen Umbau, um die Kapazität von 100 Tischen auf 130 Arbeitsplätze, an denen mehr als 160 Mitarbeiter Platz finden, zu erhöhen. Möglich macht dies das Desksharing-Konzept, das eine Besonderheit bei Drees & Sommer berücksichtigt: Montags und freitags sind meist alle Mitarbeiter im Hause, an den anderen Tagen sind sie oft beim Kunden vor Ort. Für alle trotzdem jeden Tag einen eigenen Arbeitsplatz vorzuhalten, wäre nicht sinnvoll.

Ein weiterer Grund für den Umbau: "Im Ringen um die Fachkräfte müssen wir unseren Angestellten ein Arbeitsumfeld bieten, in dem sie sich wohl fühlen", sagt der Architekt. "Wir wollen einfach mehr Lebensqualität bieten." Denn wo sich Mitarbeiter wohlfühlen, da bringen sie auch mehr Leistung und fühlen sich stärker an das Unternehmen gebunden.

Denn die Arbeitswelt ist im Wandel: Die Arbeit von Morgen ist weniger von Routine-Arbeiten geprägt, sondern kreativer und digitaler. Das erfordert Räume, die die neue Arbeitswelt widerspiegeln. Eine neue Büro-Organisation musste her, die an die Flexibilität und an die neue Arbeitsweise angepasst ist. So war anfangs nur klar, dass die Büroräume neu gestaltet werden mussten.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Es folgten Monate der Selbstanalyse ("Wie arbeiten wir?"), Gespräche mit Arbeitsorganisationsexperten des Fraunhofer Instituts ("Wie werden wir in Zukunft arbeiten?") und vor allem viel Kommunikation mit denjenigen, die später damit auch arbeiten: den Mitarbeitern. So schälte sich das Ziel des Gebäudeumbaus heraus. "Die einzelnen Unternehmensbereiche sollen stärker zusammen arbeiten. Uns ist außerdem wichtig, dass der Austausch zwischen den Mitarbeitern und Teams kreativer wird", sagt Tyralla.

Zentraler Bestandteil des neuen Arbeitsplatzkonzeptes ist das Desk-Sharing. Wenn der Mitarbeiter morgens ins Büro kommt, hat er keinen festen Arbeitsplatz, sondern einen Spind, in dem seine Arbeitsunterlagen und persönliche Gegenstände liegen. "Man sucht sich einen Platz irgendwo im Haus, an dem man gern arbeiten möchte, und meldet sich mit der Kennung im Telefon an und stöpselt das eigene Laptop an die beiden Bildschirme an", erklärt Tyralla.

Das heißt aber auch, dass jeder Mitarbeiter jeden Abend seinen Platz aufräumt, seine Ordner mitnimmt und in seinen eigenen Spind zurückstellt. Viele persönliche Sachen gibt es daher nicht mehr auf den Tischen. "Aber dafür gibt es den Desktophintergrund, den man sich mit den Fotos seiner Familie personalisieren kann", sagt Tyralla.

Viele Mitarbeiter haben einen Lieblingsplatz. "Aber wir halten die Kollegen dazu an, sich nicht immer an den gleichen Platz zu setzen", erzählt Tyralla. Schließlich geht es darum, untereinander verstärkt Wissen austauschen - und das funktioniert nur, wenn man immer wieder neben anderen Kollegen sitzt.

Vor allem die verschiedenen Leistungsbereiche sollen verstärkt miteinander in Kontakt kommen: Damit Projektmanager, Ingenieure und Berater gut zusammen arbeiten können, müssen sie die Art der Kommunikation, die Arbeitsweise und den Tagesablauf der anderen kennen. Wer nebeneinander sitzt, arbeitet besser interdisziplinär zusammen, einfach, weil man sich gegenseitig kennt und einem die Anforderungen des anderen geläufig sind.