Sorgen um Jobs und Standorte

CeBIT im Zeichen der Krise gestartet

04.03.2009
Ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise hat in Hannover die weltgrößte Computermesse CeBIT begonnen.

Während Politiker und Verbandsexperten dazu aufriefen, den dramatischen Niedergang der Weltwirtschaft als Chance für die Zukunft zu nutzen, wurden gleichzeitig Sorgen um Jobs und Standorte laut. Die Messe muss sich seit Dienstag nach einem massiven Einbruch bei den Ausstellerzahlen von 25 Prozent und dem Verlust auch einiger prominenter Namen nun dem Publikumstest stellen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die gemeinsam mit Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger zu Beginn der CeBIT ihren traditionellen Rundgang absolvierte, demonstrierte Zuversicht und lobte die Innovationen. Aber außerhalb des Rundgangs blieben manche Hallen recht leer. Ex-Hollywood-Star Schwarzenegger rief die Hightech-Branche zum Aufbruch und zu verstärkter Zusammenarbeit auf. Kalifornien ist in diesem Jahr Partnerland der CeBIT. Nicht nur der Gründergeist des Silicon Valley, sondern auch die enge Verzahnung von Forschung, Lehre und Wirtschaft könnten für Deutschland beispielhaft sein, sagte der Präsident des Branchenverbandes BITKOM, August-Wilhelm Scheer.

Als zentrale Themen der Messe, die noch bis Sonntag geht, sehen die Veranstalter IT-Sicherheit, umweltfreundlichere Computertechnik, digitale Lösungen für das Gesundheitswesen sowie die Internet-Wirtschaft. Der weltgrößte Chip-Hersteller Intel etwa nimmt verstärkt Bereiche wie Gesundheitswesen, Unterhaltungselektronik und Multimedia-Anwendungen im Auto ins Visier. Erstmals will Intel für die Massenfertigung der kleinen "Atom"-Prozessoren, die vor allem in Mini-Notebooks zum Einsatz kommen, eine Kooperation mit einem anderen Hersteller (TSMC aus Taiwan) eingehen.

Der Branchenverband VDE mahnte den Erhalt deutscher Chipfabriken an. Dazu sei auch die Politik in der Pflicht, sagte das zuständige Präsidiumsmitglied Ingo Wolff. Derzeit ringt der Speicherchip-Hersteller Qimonda mit seinem Stammwerk in Dresden ums Überleben. Auch dem Mutterkonzern Infineon geht es angesichts der Wirtschaftskrise schlecht.

Die Gewerkschaften IG Metall und ver.di sind angesichts der tiefen Einbrüche schwer besorgt um die Jobs in der Branche und legten am Dienstag ein Sechs-Punkte-Papier zur Beschäftigungssicherung vor. Die Betriebe sollten Kurzarbeit nutzen und mit Qualifizierung verbinden, um Arbeitsplatzverluste zu vermeiden. Auch Leiharbeiter müssten besser geschützt und Weiterbildung solle verstärkt werden. "Wenn IT-Unternehmen ihre Beschäftigen nicht mit Kurzarbeit und flexibler Arbeitszeit an Bord halten, droht bald ein noch größerer Mangel an qualifizierten IT-Fachleuten", hieß es. In Anbetracht des oft beklagten Fachkräftemangels seien nun intelligente Lösungen gefragt.

SAP-Chef Léo Apotheker betonte in Hannover, der Mangel an Fachkräften in der Computer- und Softwareindustrie werde durch die Wirtschaftskrise nicht beseitigt. "Kurzfristig erlebt der eine oder andere Arbeitgeber eine Linderung, langfristig haben wir aber weiterhin ein gravierendes Problem." Insbesondere Fachkräfte, die technisches Können mit betriebswirtschaftlichem Know-how verbinden, würden weiterhin händeringend gesucht.

Die Deutschland-Tochter des US-Computerkonzerns IBM will die Krise unterdessen für sich nutzen und Marktanteile hinzugewinnen. Um das zu erreichen, gebe es seit kurzem eine Sonderaktion - eine Abwrackprämie für überholte Hardware. IBM setzt zudem auf die anlaufenden Staatshilfen. Bei den weltweiten Konjunkturprogrammen kämen Billionen zusammen. "Wir werden auch in diesem Jahr neue Leute einstellen, Stellenstreichungen oder Kurzarbeit waren in den vergangenen Monaten kein Thema für uns", sagte Deutschlandchef Martin Jetter der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. (dpa/tc)

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