"Wiegen statt zählen"

CeBIT freundet sich mit kleinerem Rahmen an

11.03.2013
Zur weltgrößten Computermesse CeBIT kommen mit jedem Jahr weniger Besucher - doch die Veranstalter stört das nicht.
Für 2014 hat sich CeBIT-Vorstand Pörschmann mehr Aufmerksamkeit für Start-ups, stärkeren Fokus auf das Kongressprogramm und mehr Aktivität in Online-Medien vorgenommen.
Für 2014 hat sich CeBIT-Vorstand Pörschmann mehr Aufmerksamkeit für Start-ups, stärkeren Fokus auf das Kongressprogramm und mehr Aktivität in Online-Medien vorgenommen.
Foto: Thomas Cloer

Es gehe ihm um "Klasse statt Masse, mehr Fokus statt Gießkanne, mehr wiegen statt zählen", sagt der zuständige Messevorstand Frank Pörschmann. "Wer ein Volksfest sucht, ist hier falsch." Die CeBIT soll der Ort sein, an dem Branchen aufeinandertreffen, Unternehmen zusammenkommen und Geschäfte angebahnt werden. Für so eine Messe sind Massen Neugieriger, die sich durch die Hallen wälzen, nicht nötig.

Die CeBIT, die sich aus den Hochzeiten zur Jahrhundertwende in der öffentlichen Erinnerung festgesetzt hat, ist Vergangenheit. Im Spitzenjahr 2001 stellten fast 8100 Unternehmen in Hannover aus. Der IT-Boom lockte rund 850.000 Besucher. Einigen großen Ausstellern war das zuviel. Sie murrten über die "Tütenträger" und "Kugelschreiber-Jäger" und forderten ein Umsteuern. Zudem drückten dann das Platzen der Internet-Börsenblase und wirtschaftliche Turbulenzen auf die Budgets der Unternehmen. Jahr für Jahr blieben mehr Firmen weg, die für sich beschlossen: Es geht auch ohne.

Inzwischen scheint sich die Zahl der Aussteller bei über 4000 stabilisiert zu haben. Bei den Besuchern gab es dieses Jahr einen Rückgang von zwölf Prozent auf 280.000. Für das finanzielle Wohl der CeBIT seien die aktuellen Rückgänge kein Problem, betont Pörschmann. "Die CeBIT steht so da, dass sie aus eigener Kraft ihre Weiterentwicklung finanzieren kann." Der Messwert für ihn seien "Fachbesucher pro Aussteller pro Messetag", sowie die "Entscheider-Dichte" - also der Anteil der relevanten Manager aus verschiedenen Branchen. Sein Plan: Die CeBIT soll eine Schnittstelle zwischen IT-Branche und klassischen Industrien sein, egal ob Autobau, Energie oder Gesundheitswesen.

Vom Branchenverband Bitkom kommt Applaus für diesen Kurs. Und auch der große Aussteller Microsoft zeigt sich zufrieden mit der CeBIT: "Sie war auch in diesem Jahr für uns die Plattform für den Austausch innerhalb der IT-Branche, den Dialog mit Industrie- und Politikvertretern, Partnern und allen voran unseren Anwendern und neuen Kunden", erklärte Deutschlandchef Christian Illek. Der Organisator des Start-up-Programms Code_n, GFT-Chef Ulrich Dietz, stellte dieses Jahr mehr Interesse seitens der Industrie an den jungen Unternehmen fest.

"Aufgabe der CeBIT ist es in erster Linie, die Interessen der Aussteller zu unterstützen. Das funktioniert gut", sagt Messevorstand Pörschmann. Zu seinen Plänen für nächstes Jahr gehören: Noch mehr Aufmerksamkeit für Start-ups, ein stärkerer Fokus auf das Kongressprogramm und mehr Aktivität in Online-Medien, um die CeBIT nach außen zu transportieren. "Interessierte Verbraucher" könnten auch auf der heutigen CeBIT viel entdecken, verspricht Pörschmann. Die Realität ist allerdings auch, dass sie inzwischen härter nach für sie relevanten Sachen suchen müssen.

Mit den rund 280.000 Besuchern zieht die CeBIT immer noch deutlich mehr Menschen an, als der ebenfalls jährliche Mobile World Congress in Barcelona wenige Tage zuvor. Der Mobilfunk-Gipfel erreichte dieses Jahr einen neuen Rekordwert mit 72.000 Fachbesuchern und Journalisten. Die viertägige Veranstaltung macht aber auch vor, was Entscheider-Dichte ist: In Barcelona sind die Chefs der wichtigsten Mobilfunk-Betreiber, Top-Manager der Geräte-Hersteller wie Nokia-Lenker Stephen Elop oder auch Spitzenleute von Internet-Unternehmen wie Googles Android-Verantwortlicher Andy Rubin. (dpa/tc)