IDC-Leitfaden zur Mobile-Strategie

BYOD noch nicht mehrheitsfähig

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Smartphones und Tablets sind verbreitet, doch ein echtes "Bring-Your-Own"-Konzept verfolgen die meisten Firmen nicht - sie stellen mobile Geräte lieber selbst.
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Zu Smartphones, Tablets und damit verbundenen Konzepten wie Bring-Your-Own-Device (BYOD) brennen IT-Chefs so einige Fragen unter den Nägeln: Soll man mobile Endgeräte als Unternehmen den Mitarbeitern zur Verfügung stellen oder doch einen BYOD-Ansatz wählen? Oder eine Mischung? Und dann: Für welche Mitarbeiter und welche Geräte wie vorgehen? Welches Support-Level sollte angeboten werden, welche Sicherheitsmaßnahmen sollten ergriffen werden?

Die Analysten von IDC beantworten diese Fragen auf Basis einer Umfrage unter mehr als 50 europäischen und amerikanischen CIOs. So lässt sich immerhin erkennen, wie die Firmen derzeit diese strategischen Probleme angehen. IDC destilliert daraus als Fazit auch einige Tipps für Anwender.

Funktion entscheidet, wer ein Firmen-Smartphone bekommt

So gehen die Anwender mit mobilen Endgeräten um: Blaue Balken betreffen Smartphones, rote Tablets.
So gehen die Anwender mit mobilen Endgeräten um: Blaue Balken betreffen Smartphones, rote Tablets.
Foto: IDC

Zunächst lässt sich festhalten, dass mit 77 Prozent der Befragten die klare Mehrheit die Smartphones für die Mitarbeiter bereitstellt. Fast immer kauft das Unternehmen die Geräte ein und gibt sie an die Mitarbeiter weiter. Nur sieben Prozent überlassen den Mitarbeitern den Einkauf und erstatten hinterher die Kosten. Mehr als 70 Prozent bezahlen dann auch direkt die Rechnungen beim Provider und unterstützen ausgewählte Geräte, die in einem internen Programm definiert sind. 62 Prozent liefern Support nur für einen einzigen Mobile Data Plan.

Wer ein Firmen-Smartphone bekommt, wird in der Regel nach Funktion entschieden. Laut IDC-Studie sind es 88 Prozent des Top-Managements, 69 Prozent der Vertriebsmitarbeiter und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in den IT- und Marketingabteilungen. In der Finanz- und Personalabteilung bekommt jeweils jeder Dritte ein Smartphone. Tablets werden auf dieser Basis noch selten bereitgestellt. Dies ist nur für 38 Prozent der Manager, zehn Prozent der Vertriebsmitarbeiter und sieben Prozent der Mitarbeiter aus der IT der Fall.

Für die Minderheit der BYOD-Anwender gibt es einen typischen Fahrplan, der mehrheitlich angewendet wird. Es werden von Firmenseite Mitarbeiter ausgewählt, für die dieser Ansatz Sinn ergibt. Das Unternehmen definiert, welche Business-Applikationen über private Endgeräte abgerufen werden können. 63 Prozent der Firmen sorgen dafür, dass die IT-Abteilung im Falle von Geräteverlust aus der Ferne eine Sperrung oder eine Säuberung vornehmen kann.

Upgrade-Intervall 2,5 Jahre

56 Prozent der Firmen legen außerdem fest, welche Gerätetypen Support erhalten. In der Regel – und das gilt auch für Tablets – wird lediglich ein eingeschränkter Help-Desk-Support angeboten. Volle Unterstützung bietet nur eine Minderheit der Firmen an.

Speziell für Tablets wollte IDC wissen, welche Applikationen künftig für diese Geräte angeboten werden sollen. Fast 80 Prozent wollen das bisherige Internet- und E-Mail-Paket um einen Zugang zum Intranet ergänzen. Mehr als zwei Fünftel wollen außerdem Sicherheitslösung und Sales Force Automation auf den Tablets ermöglichen. Bei Social Networking, Mobile Device Management und anderen Applikationen liegt der Anteil jeweils deutlich niedriger. 22 Prozent nutzen aktuell Virtual Desktop Interfaces auf Tablets.

Als Upgrade-Intervall kalkulieren die Firmen mit zweieinhalb Jahren für Tablets, für Smartphones sogar noch etwas weniger. Firmen mit einem Umsatz über 175 Millionen US-Dollar müssen sich laut IDC-Berechnung darauf einstellen, bis 2020 im Durchschnitt 1,8 Millionen Dollar jährlich alleine für Tablets ausgeben zu müssen – zusätzlich zum sonstigen Hardware-Budget.

Mehr als drei Viertel der Befragten entwickeln Applikationen sowohl für iOS als auch für Android. Nur jeweils ein Fünftel tut das auch für Windows Mobile/Phone und Blackberry. Jeweils etwa die Hälfte der selbst entwickelten Apps ist für internen beziehungsweise externen Gebrauch gedacht. 28 Prozent der Firmen verfügen über einen definierten Governance-Prozess zur Priorisierung des Bedarfs an mobilen Anwendungen.

IDC rät dazu, ein Mobility-Governance-Komitee einzurichten, das BYOD-Strategie, Richtlinien und Methoden zur Kostenallokation etabliert. Finance, Rechts- und Personalabteilung sollten einbezogen sein.

IDC empfiehlt Profiling

Darüber hinaus empfehlen die Analysten, die Vergabe von Smartphones und Tablets weniger starr an den Funktionsrollen auszurichten. Stattdessen sollten Endanwender-Profile erstellt werden, die die tatsächlichen Aktivitäten der Mitarbeiter analysieren. Zu unterscheiden sei dabei zwischen stationären und mobilen Mitarbeitern sowie Konsumenten von Inhalten und Erzeugern von Inhalten.

Mobile Anwendungsentwicklung drohe zur Kostenfalle zu werden, wenn sie nicht sorgfältig kontrolliert wird, warnt IDC. Es sei darauf zu achten, dass mehrere mobile Betriebssysteme unterstützt werden sollten. Außerdem sollte man sich auf die fürs Unternehmen werthaltigsten Projekte beschränken.

Die Studie „A Practical Guide to a Mobile Strategy: Results from IDC’s Mobile Benchmark Study“ ist bei IDC erhältlich.