Business-Software hält oft nicht, was sie verspricht

13.10.2008
Von Werner Schmid 
Mit dem ERP Quickcheck ermöglichen COMPUTERWOCHE und GPS den Anwendern von ERP-Software, ihre Systeme einschätzen zu lassen. Die bislang aufgelaufenen Antworten fielen meist ernüchternd aus.

Etwa 100 der zahlreichen Teilnehmer wollen es ganz genau wissen. Sie ließen sich über das Online-System eine kostenlose Detailanalyse erstellen. Die Ergebnisse waren wenig berauschend: Die Systeme dieser Anwender erreichten im Durchschnitt nur 46 Prozent der möglichen Punkte, und weniger als die Hälfte hieße in Schulnoten ausgedrückt: "mangelhaft".

Passt die Software noch zum Unternehmen?

Den 23 Fragen umfassenden Quickcheck haben seit Juni 2008 jeden Monat mehre hundert Nutzer von www.computerwoche.de gemacht. Er dient dazu, die Leistungsfähigkeit der eigenen ERP-Landschaft einer Ad-hoc-Einschätzung zu unterziehen.

Auf diese Weise wird deutlich, ob die Lösung noch zum Unternehmen passt. Anhand weniger Schlüsselindikatoren lässt sich erkennen, wie intensiv eine ERP-Software als unternehmensweites Informations- und Steuerungssystem genutzt wird.

ERP ist vielerorts offenbar Chefsache

Unter den Teilnehmern war mehr als jeder fünfte ein Vorstand oder Geschäftsführer. ERP ist also oft Chefsache. Das größte Interesse bekundeten jedoch IT-Manager oder Abteilungsleiter (insgesamt 58 Prozent). Etwa 20 Prozent waren IT-Fachkräfte oder Endanwender.

Am stärksten vertreten war die Industrie mit 69 Prozent, gefolgt vom Dienstleistungsgewerbe mit 23 Prozent. Der Handel setzt augenscheinlich eher auf individuelle Lösungen als auf ERP-Systeme. Wohl deshalb stammten nur acht von hundert Anwendern des Online-Tools aus diesem Gewerbe. Unter den Industriefirmen bildete der Maschinenbau, quasi der klassische ERP-Anwender, mit 13,5 Prozent die stärkste Fraktion.

Logistik schneidet schlecht ab

ERP-Systeme steuern, so möchte man meinen, gleichermaßen die Prozesse der Logistik und des Rechnungswesens. Doch da gibt es offensichtlich große Unterschiede. In der Bewertung schnitt das Rechnungswesen mit 60 Prozent der möglichen Punkte deutlich besser ab als die Logistik mit 54 Prozent. Das ist umso bemerkenswerter, als die Einführung einer ERP-Funktion in der Logistik etwa fünfmal so aufwändig ist wie im Rechnungswesen. Möglicherweise liegen hier aber auch die Gründe für die schlechte Beurteilung der Lösungen.

Unterstützung der Services ungenügend

Auffallend gut schnitt die Technologie der ERP-Systeme ab. Sie erzielte 64 Prozent der möglichen Punkte. Schlusslicht in der Bewertung war - mit gerade einmal 17 Prozent - die Unterstützung des Service durch das ERP-System.

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, auch die ERP-Funktionen für das Projekt- und Qualitäts-Management bewerten zu lassen. Hier liegt offenbar einiges im Argen: Das Projekt-Management brachte es auf 19 Prozent der möglichen Punkte, das Qualitäts-Management auf 29 Prozent. Das Resultat schmeichelt der Softwarebranche nicht gerade, denn schließlich gehören diese Module zum Standardumfang vieler ERP-Produkte. (fn)

Testen Sie Ihr ERP-System

Der ERP Quickcheck (www.computerwoche.de/1864401) von COMPUTERWOCHE und GPS gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihre Situation und den Stand der eigenen IT-Lösung zu analysieren, Schwachstellen zu erkennen und Optimierungspotenzial zu bestimmen.

Durchlaufen Sie die 23 Fragen umfassende Checkliste und bekommen Sie eine Ad-hoc- Einschätzung der Leistungsfähigkeit Ihrer ERP-Landschaft. Auf Wunsch senden wir Ihnen eine individuelle Analyse zu, mit der Sie erfahren, wie gut Ihr ERP-System auf die Organisation Ihres Unternehmens eingestellt ist und wie Sie es verbessern können.