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Business Process Manager - der nächste Hoffnungsträger kommt

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Noch schwammig zeigt sich die Rolle des Business Process Managers. Die Erwartungen sind hoch: Business Process Manager sollen Geschäftsprozesse optimieren oder gleich neu definieren, IT ebenso wie Business verstehen und per predictive Analytics vorne auf der Digitalisierungswelle surfen. Dabei sieht nicht jeder den Informatiker am Steuer.

Um der Hausfrau zu schmeicheln (und ihr seine Produkte zu verkaufen), ernennt sie mancher Reklamefritze zur "Familien-Managerin". Die kreative Idee ist wohl vom Business abgeguckt: dort tummeln sich Change-Manager, Projekt-Manager, Compliance-Manager, Office-Manager… und immer öfter auch Business Process Manager.

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Für Gartner-Analystin Samantha Searle geht es dabei nicht um das Finden oder Erfinden neuer Titel. Sie sieht die Rolle eines Business Process Directors in engem Zusammenhang mit "Predictive Analytics". Der Zusammenhang ergibt sich wie folgt: Zwar haben Unternehmen den Sinn anspruchsvoller Analyse-Tools verstanden - theoretisch. Allein es fehlt an handhabbaren Metriken. Das heißt: die Erfolgskontrolle bleibt auf der Strecke.

So erklärten in einer Gartner-Umfrage rund sieben von zehn (71 Prozent) der knapp 500 befragten Entscheider, sie wüssten zwar, welche Key Performance Indices (KPI) für ihr Unternehmen geschäftskritisch sind. Aber noch nicht einmal jeder Zweite (48 Prozent) gibt an, über solche Metriken zu verfügen.

Hier ist der Business Process Director gefragt, so Searle. Dessen Aufgabe ist es, geschäftskritische Prozesse zu erkennen und die entsprechenden KPI zu entwickeln. Gelingt das nicht, fallen Unternehmen in der schnelllebigen digitalisierten Geschäftswelt zurück.

Searles Kollege Alexander Linden, Research Director aus Gartners Düsseldorfer Büro, beziffert den Vorteil der Analyse-Tools konkret: "Unternehmen, die mit Predictive Analytics besser umgehen können als der Wettbewerb, erreichen eine um ein bis zwei Prozent bessere Performance pro Jahr. Über einen Zeitraum von zehn Jahren ergibt sich damit ein beachtlicher Vorsprung."

Großer Sprung nicht nur bei der Software

Je nach Definition, so Linden weiter, arbeiten Entscheider schon seit zehn, zwanzig Jahren mit Analytics, etwa mit Sales-Prognosen. Linden stellt aber fest, dass die Software - und damit die Analyse-Möglichkeiten - in den vergangenen zwei Jahren "einen gewaltigen Sprung" gemacht haben.

Insofern kann Linden den Ruf nach dem Business Process Manager verstehen. Dass der Bedarf wächst, bestätigt auch Stefan Rohrlack, Director Technology beim Unternehmensberater Accenture. "Wir beobachten tatsächlich einen stark wachsenden Bedarf an prozessbezogenen Rollen. Dahinter steckt der Anspruch, gerade die erfolgsentscheidenden operativen Prozesse im Unternehmen bewusst und kontinuierlich zu steuern", sagt Rohrlack. Denn "punktuelle Prozessoptimierung im Rahmen von Projekten" reiche nicht mehr aus. Zu komplex sind heute die Anforderungen, zu hoch die Veränderungsgeschwindigkeit.

Aufgaben eines Prozess-Managers sind laut Rohrlack das Entwickeln operativer Lösungen für den von ihm verantworteten Prozess anhand strategischer Zielvorgaben. Je nach Prozess und Reifegrad seien die Schwerpunkte hierbei ganz unterschiedlich. Das Spektrum reiche von Prozessstandardisierung bis hin zur Entwicklung von völlig neuen innovativen Prozesslösungen. "Die Erwartungshaltung an den Prozess-Manager ist die, dass er die relevanten Beiträge der involvierten Fachbereiche sowie der IT-Experten zu einer ganzheitlichen Lösung integriert und entsprechend umsetzt", erklärt der Accenture-Mann.

Für Rohrlack sitzt der Prozess-Manager idealerweise in einem zentralen Kompetenzteam für das Prozessmanagement. "In einem solchen Center of Excellence (CoE) werden sämtliche Fähigkeiten für ein ganzheitliches und nachhaltiges Prozessmanagement im Unternehmen gebündelt", sagt der Accenture-Analyst.

Dabei will er die Bedeutung der IT nicht unterschätzt sehen. So müsse ein Prozess-Manager einerseits das Management mit validen Business Cases von Prozessinnovationen überzeugen, andererseits aber auch die geeigneten IT-Lösungen für eine erfolgreiche Umsetzung nutzen. Rohrlack geht davon aus, dass "einige Unternehmen hier künftig ganz bewusst auf die entsprechende IT-Kompetenz setzen" - schon wegen der zu erwartenden Digitalisierungswelle.

Kein Grund zum vorzeitigen Jubeln bei karrierewilligen Informatikern, findet allerdings Gartner-Analyst Linden. Gerade wenn die Aufgaben eines Business Process Managers auf Konkretes wie eben intelligente Analysen heruntergebrochen werden, sieht er die IT nicht an erster Stelle. "Die wichtigsten Skills sind hier das Verständnis der Geschäftsprozesse und die Anwendung mathematisch-quantitativer Methoden", sagt Linden. Die IT sei in vielen Unternehmen eher ein Datenmotor, der bei Datenakquisition, Rechenleistung und Deployment hilft - nicht aber bei der Identifikation der relevanten Daten und auch häufig nicht bei der eigentlichen Geschäftsprozessmodellierung.

Data Science Labs als Einstieg für IT

"Wenn die IT bei diesen neuen Funktionen mitreden will, dann über Data Science Labs, die fachbereichsübergreifend arbeiten", sagt Linden. Rohrlack fügt an: "Der Prozess-Manager agiert stark interdisziplinär." Dafür sollte er auch ausgebildet sein.

Stichwort Ausbildung: Wer "Business Process Manager" und "Ausbildung" googelt, kommt immerhin auf 17.000 Treffer. Einrichtungen wie beispielsweise die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH) bieten ein Zertifikat an. Mit dem Erwerb eigne man sich für 2.750 Euro harte wie weiche Skills an, versichert die OTH. "Die Gestaltung oder Veränderung von Prozessen benötigt Kompetenzen aus den Bereichen Organisation und IT, aber auch Management und Kommunikation", so die Hochschule.

Der Kurs ist berufsbegleitend aufgebaut. Accenture-Manager Rohrlack sagt denn auch: "Die Rolle des Prozess-Managers ist sicherlich keine Junior-Rolle." Sie setzt entsprechende praktische Erfahrungen voraus, die idealerweise in verschiedenen relevanten Bereichen des Unternehmens gesammelt wurden.