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Bundesregierung fördert Krypto-Projekt

22.11.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einem Bericht der "New York Times" zufolge plant die deutsche Bundesregierung eine Finanzspritze von 318 000 Mark an die GUUG (German Unix Users Group), die mit dem Geld eine verbesserte Version der Software GNU Privacy Guard (GPG) entwickeln soll. GPG ist ein Open-Source-Gegenstück zur populären Verschlüsselungssoftware "Pretty Good Privacy" (PGP), mittlerweile im Vertrieb von Network Associates. Eine leicht eingeschränkte "International"-Version von PGP ist übrigens seit geraumer Zeit als Freeware erhältlich.

Der Düsseldorfer Programmierer Werner Koch, dem die Projektleitung angetragen wurde, erklärte gegenüber der "Times", Ziel sei eine "eingeschweißte" Version von GPG für Windows-Endanwender. "Es wird eine Privat- und eine Geschäftsversion mit Zusatzfunktionen für Verträge geben", so Koch. "Wir werden das Produkt darüber hinaus mit populären E-Mail-Programmen wie Microsoft Outlook integrieren." Ebenfalls geplant ist eine Version für Lotus Notes, das außerhalb der USA nur mit eingeschränkter Verschlüsselung zu haben ist. Der größte Teil der Software werde unter der Open-Source-Lizenz "GNU Public License" (GPL) veröffentlicht werden, erklärte Koch.

Den USA dürfte das Vorpreschen der Bundesregierung gar nicht gefallen. Erst im vergangenen Mai hatte sich Justizministerin Janet Reno mit einem Schreiben an die Verantwortlichen (damals noch in Bonn) mit der Bitte gewandt, den Export von Open-Source-Kryptografie zu beschränken. Koch sieht das allerdings ganz anders - er hofft auf einen technologischen Vorsprung der Deutschen beim E-Commerce. "Die USA sind zwar das Mutterland der Software, aber nicht mehr bei Kryptografie. Andere Länder wie Deutschland sind auf diesem Gebiet besser." Anfang Juni hatte die Regierung in ihrem Krypto-Eckwertebeschluß explizit die Förderung von Verschlüsselungstechnik festgeschrieben.