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Brüssel weist Microsofts Schlichtungsvorschläge zurück

18.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die EU-Kommission hält offenbar wenig von Microsofts Kompromissvorschlägen zur Beilegung des laufenden Kartellrechtsstreits (Computerwoche.de berichtete). Insider-Kreisen zufolge wurde das Angebot der Gates-Company, neuen PCs mit Windows-Betriebssystem eine CD mit Software der Konkurrenz beizufügen, etwa den Media Player von Real Networks, als halbherziger Versuch bezeichnet, die Monopolbedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen. Ein Großteil der Kunden würde die auf den CDs mitgelieferte Software nicht installieren, gab eine mit der Situation betraute Person zu bedenken.

Die EU-Kommission hatte bereits im August 2003 konstatiert, dass Microsoft weiterhin seine dominierende Position vom PC auf Lowend-Server ausdehne und durch die Bindung des Windows Media Player an das PC-Betriebssystem Windows den Wettbewerb schwäche. In ihrem vorläufigen Beschluss entschied die Brüsseler Behörde daher Ende Januar angeblich, dass die Gates-Company als Abhilfen zum einen die erforderlichen Schnittstellenangaben preisgeben soll, so dass die Verkäufer von konkurrierenden Servern unter gleichen Bedingungen den Wettbewerb mit Microsoft aufnehmen können. Zum anderen soll der Gates-Konzern den Windows Media Player wahlweise seinem Betriebssystem abkoppeln oder Media-Player der Wettbewerber zusammen mit Windows ausliefern.

Microsoft hatte bislang - wenn auch vergeblich - argumentiert, dass das Betriebssystem Windows bei einer Abtrennung des eigenen Media Players nicht mehr richtig funktioniere. Der nun angetragene Kompromissvorschlag, CDs beizufügen, ist vermutlich nur ein Teil einer breiter angelegten Übereinkunft zwischen Microsoft und EU-Kommission. Ein Sprecher des Unternehmens wollte zu dem Stand der Verhandlungen keine Stellungnahme abgeben. (mb)