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Brainshare: Das Netz trägt Jeans

28.03.2000
Novell präsentiert neue Netzarchitektur

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Novell propagiert "Denim" als den neuen Stoff, aus dem die Netze der Zukunft geschneidert sind. Mit dem "Directory Enabled Net Infrastructure Model" (Denim) präsentierte Novell-Chef Eric Schmidt auf der Entwicklerkonferenz Brainshare in Salt Lake City eine neue Netzarchitektur.

Ziel des Denim-Modells ist es, wie Schmidt den über 7000 Besuchern erklärte, die Entwicklung von E-Business-Umgebungen zu beschleunigen und dabei gleichzeitig eine sichere Kommunikation zu gewährleisten. Gleichzeitig will Schmidt die Grenzen der klassischen Netze - beziehungsweise die Unterteilung in LANs (Local Area Networks), WANs (Wide Area Networks), Intranet, Extranet etc. - niederreißen und die Vision eines einzigen, offenen Netzes etablieren. Unter der neuen Strategie "One Net" will der Anbieter aus Provo/Orem, Utah, Unternehmen einen universalen, plattformunabhängigen Zugang zum Internet und zu Softwarediensten ermöglichen.

Die technische Basis dieser neuen Strategie bildet Denim, an das alle künftigen One-Net-Produkte anknüpfen sollen. Zentraler Bestandteil von Denim ist der Verzeichnisdienst "E-Directory", wie die plattformübergreifenden Novell Directory Services (NDS), in Zukunft heißen. Darauf bauen dann Netzdienste wie Netz-Management-, Netz-Content- und Netz-Portal-Services auf. Stolz propagiert Novell, die neue Netzarchitektur unterstütze die modernen Sprachen XML (Extensible Markup Language) und Javabeans, so dass Programmierer zunehmend auf C verzichten könnten. Dabei ist Novell keineswegs der Ansicht, man sei zu spät in den Internet-Markt eingestiegen, in dem diese Technologien bereits breit von der Konkurrenz aufgegriffen wurden. Nach Ansicht von COO (Chief Operating Officer) Stewart Nelson wird sein Unternehmen das Internet vielmehr auf eine höhere Stufe bringen und zwar durch sichere Dienstleistungen und End-zu-End-Benutzerauthentifizierung, die eine nahtlose Verbindung zwischen Intranet, Extranets und dem Web ermöglichen.

Die Vorstellung von Denim markiert eine Trendwende in der Firmenpolitik Novells. Betonten die Company und ihr Chief Executive Officer (CEO) Schmidt in der Vergangenheit immer wieder die Bedeutung von "Netware", das bis dato als Netzwerk-Betriebssystem die Cash-cow des Unternehmens ist, so standen heuer die Netz-Services im Mittelpunkt. Dabei geht es um Dienste, die die Netzwerker unabhängig vom darunterliegenden Betriebssystem realisieren wollen. Zu den dabei unterstützten Plattformen zählen zum heutigen Zeitpunkt Solaris, NT, Netware, Windows 2000 sowie Linux. Die Denim-basierten Services und Software sollen sowohl intern als auch mit Partnern entwickelt werden, hieß es.

Novell kündigte weitere Services und Partnerschaften auf der Brainshare an:

Novell hat ein Abkommen mit Compaq, Oracle und Intel geschlossen, um integrierte Produkte für sein Netzwerkbetriebssystem "Netware 5.1" auf Basis der Denim-Architektur zu entwickeln.

Novell wird eine Betaversion einer auf den drahtlosen Zugriff zugeschnittenen Groupware-Lösung "Groupwise" über AT&Ts mobilen Netzwerkservice "Pocketnet" öffentlich zur Verfügung stellen. Technisch basiert die Anwendung auf dem WAP-Standard (Wireless Application Protocol). Die Groupwise-Software, die Teil des Denim-Net-Portal-Service-Pakets ist, bietet Messaging-, Kalender- und Workflow-Lösungen. Die Betaversion wird ab dem 3. April online erhältlich sein.

Zudem soll im dritten Quartal dieses Jahres eine endgültige Version von Novells "Dirxml"-Technologie bereit gestellt werden, hieß es. Die Betaversion gibt es ab sofort.

Novell will auf der Brainshare außerdem seine drei "Zenworks"-Pakete - für Server, Desktops und Netzwerke - vorstellen. Diese Produkte, die ein Teil von Novells Net Management Services sind, sollen innerhalb der nächsten 30 Tage auf den Markt kommen. Zenworks für Desktops soll zusammen mit Netware 5.1 und einer Fünf-Benutzer-Konfiguration 750 Dollar kosten. Zusätzliche Benutzerlizenzen beginnen bei 92 Dollar. Werden Zenworks für Server und für Desktops mit "Managewise 2.7" gebündelt, beläuft sich der Preis auf 110 Dollar pro Anwender. Für alle drei Lösungen zusammen mit Managewise 2.7 müssen pro Benutzer 150 Dollar berappt werden.

Das "Novell Internet Messaging System" (NIMS), das Solaris und Linux unterstützt, soll Ende des zweiten Quartals 2000 auf den Markt kommen.

Last but not least stellte Novell auf der Brainshare seine Instant-Messaging-Software "Instantme" für E-Commerce-Geschäftsleute vor. Hier arbeiten die Netzwerker mit dem Online-Dienst AOL zusammen, so dass Novells Anwender Zugang zur Buddylist von AOLs Instant-Messaging-Programm (AIM) erhalten. Instantme ist ab sofort als kostenloses Download erhältlich. Ende des zweiten Quartals soll eine sichere Version des Programms mit Verschlüsselungs- und digitaler Zertifizierungstechnik herauskommen. Die Anwendung läuft unter Windows 95, 98, NT sowie 2000 und funktioniert zusammen mit Novells NDS E-Directory und dem digitalen Online-Personenprofil "Digitalme".