Sun Microsystems

Bleibt Sun Deutschland von Entlassungen verschont?

08.05.2008
Nach der Ankündigung von Sun Microsystems, wegen des unbefriedigenden Ergebnisses des dritten Geschäftsquartals 2007/08 weltweit zwischen 1500 und 2500 Mitarbeiter zu entlassen, ist die Frage, wieweit die deutsche Niederlassung von den Jobverlusten betroffen sein wird.

Der COMPUTERWOCHE sagte der Marketing-Chef von Sun Deutschland, Donatus Schmid, dass es bislang keine Details zum Personalabbau gebe. An Restrukturierungskosten für Abfindungen rechnet das Unternehmen weltweit mit 100 bis 200 Millionen Dollar. Diese würden im am 1. Juli 2008 beginnenden neuen Geschäftsjahr in die Bilanz eingehen, sagte Schmid weiter. Er gehe davon aus, dass diese Kosten im ersten Halbjahr, also noch 2008, anfallen.

Der Marketingleiter erklärte, es gebe bislang keine Aussagen dazu, welche Regionen und Personalbereiche die Entlassungen tragen müssen. Es sei noch nicht einmal klar, wie groß der personelle Aderlass sein wird. Finanzchef Michael Lehman hatte Anfang Mai lediglich den Einsparbedarf insgesamt quantifiziert. Dabei hat er bereits vor anderthalb Jahren prognostizierte Umsatzrenditeerwartungen revidiert. Seinerzeit war die Rede von zehn Prozent für das Geschäftsjahr 2008/09. Diese Erwartung ist im Lichte der Ereignisse und wegen der Unwägbarkeiten des US-Marktes für das kommende Geschäftsjahr auf sieben Prozent reduziert worden, sagte Schmid.

Kein global einheitliches Vorgehen bei Entlassungen

Jonathan Schwartz (links), der Scott McNealy als Chef von Sun beerbte, plant jetzt mit eisernem Besen weitere Entlassungen. Bislang schon hat er rund 4000 Mitarbeitern gekündigt.
Jonathan Schwartz (links), der Scott McNealy als Chef von Sun beerbte, plant jetzt mit eisernem Besen weitere Entlassungen. Bislang schon hat er rund 4000 Mitarbeitern gekündigt.

Schmid bestätigte, dass die Kündigungen in den verschiedenen Regionen unterschiedlich angegangen werden müssen. So existiert in Frankreich und in Deutschland ein Betriebsrat mit entsprechenden rechtlichen Optionen. "Global lässt sich das nicht einheitlich machen", so Schmid.

Ein anderer Informant aus dem Firmenumfeld wurde deutlicher: In den USA seien solche Entlassungen sehr schnell zu realisieren. In Ländern mit Betriebsverfassungsgesetz sei ein Arbeitsplatzabbau ein ganz anderes Thema, insbesondere was den Zeitrahmen für Entlassungen betreffe.

Weitere Mitarbeiter äußerten unverblümt ihr Unverständnis darüber, dass in Deutschland möglicherweise einige der insgesamt 1650 Sun-Angestellten ihren Arbeitsplatz verlieren, obwohl hierzulande und in Europa gute Geschäftsergebnisse zu verzeichnen seien. Konfrontiert mit dieser Aussage, erwiderte Schmid, bislang habe niemand gesagt, dass es in Deutschland zu Entlassungen kommen werde. Das deutsche Management wisse jedenfalls bislang nichts dergleichen.

Viel Wachstum allerorten

Der Insider betonte, Suns Umsätze resultierten zu zwei Dritteln aus dem Hardwaregeschäft. Vergleiche man dessen Entwicklung mit der von Konkurrenzunternehmen, lasse sich feststellen, dass Sun recht gut dastehe. Es sei erstaunlich, mit welcher Härte jetzt aus dem US-amerikanischen Management auf die Tatsache reagiert werde, dass Sun beim Umsatz des dritten Quartals um lediglich 0,5 Prozent geschrumpft sei. "Da muss man schon einen sehr spitzen Bleistift nehmen, um die Volumina des Rückgangs auszurechnen."

Zudem sei Sun - abgesehen eben vom dritten Quartal - in den acht Quartalen zuvor gewachsen. In fünf davon habe man Gewinne erzielt. Lediglich das jetzt beendete dritte Quartal habe Sun weltweit mit einem "kleinen Verlust" abgeschlossen. Schmid hob hervor, dass Sun Microsystems weltweit in 16 Regionen, hausintern GEMs (= geographic established markets) genannt, eingeteilt sei. Eine davon sei beispielsweise Deutschland. Zwölf der 16 GEMs seien im dritten Quartal gewachsen.

Verlust wegen Kauf von MySQL

Das Ergebnis des dritten Quartals war nichtsdestotrotz defizitär. Sun hat von Januar bis Ende März 2008 einen Verlust von 34 Millionen Dollar oder vier Cent pro Aktie verbucht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahrs verzeichnete Sun noch einen Gewinn von 67 Millionen Dollar. Allerdings müssen die Belastungen aus dem Kauf des schwedischen Softwareanbieters MySQL von Anfang Januar 2008 für rund eine Milliarde Dollar in die Betrachtungen einbezogen werden. Die dafür angefallenen Aufwendungen entsprechen den Verlusten pro Aktie von vier Cent. Hinzu kamen Steuerrückstellungen von 52 Millionen Dollar. Aus diesen Gründen geht Sun davon aus, dass das vierte Quartal 2008 wieder positiv ausfallen wird.

Der Umsatz gab im dritten Quartal um 0,5 Prozent auf 3,27 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) nach. Deutschland-Manager Schmid sagte, dass Sun nicht nur in den Schwellenländern sehr gute Geschäfte gemacht habe. Auch in Europa und Asia Pacific sei der Umsatz im dritten Quartal um jeweils vier Prozent gestiegen. Verantwortlich für den um 0,5 Prozent rückläufigen Umsatz sei das Geschäft in den USA. Dies hatte auch Konzernchef Jonathan Schwartz ausgedrückt. Jenseits des großen Teichs brachen die Erlöse - insbesondere wohl aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage - um zehn Prozent ein. (jm)