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Bitarts: Vom Saulus zum Paulus

29.03.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine interessante Softwareschmiede hat sich im britischen Nottingham etabliert: Bitarts setzt sich hauptsächlich aus ehemaligen so genannten Crackern zusammen. Diese früher in Mailboxen und heute im Internet-Untergrund anzutreffende Spezies von Programmierern manipuliert existierenden Code für ihre Zwecke. "Harmlose" Beispiele sind die Verwandlung von Timebomb- und Trial-Versionen oder eingeschränkten Shareware-Programmen in lauffähige Vollversionen; aber auch der Diebstahl von Windows-Quellcode aus dem Hauptquartier der Gates-Company in Redmond soll auf das Konto von Crackern gehen, die unbemerkt Microsoft-eigene Software veränderten und geschlagene zwei Monate unbemerkt blieben.

Die einstigen Bösewichte bei Bitarts haben sich vom Saulus zum Paulus gewandelt und stellen ihre Kenntnisse nun der "Gegenseite", also der Softwareindustrie zur Verfügung. Zu den patentierten Techniken der Company gehört beispielsweise eine "Mutation Engine", die zu schützenden Programmcode mit einer sich ständig verändernden "Außenschicht" umgibt und so gegen herkömmliche Crack-Methoden immunisiert.

CEO (Chief Executive Officer) von Bitarts ist übrigens Danny Chapchal, früher Chef bei Cambridge Display Technology. Als Chairperson (eine interessante neue geschlechtsneutrale Wortschöpfung) konnte Cheryl Shavers gewonnen werden, die unter der Clinton-Regierung als Unterstaatssekretärin für Technologiefragen zuständig war.