Wegen der Support-Kosten

Bionorica fährt SAP soweit möglich zurück

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Michael Rödel, CIO der Bionorica AG, war und ist ein vehementer Kritiker des zwangsverordneten Enterprise-Support-Modells. Er hat die Konsequenzen daraus gezogen.
Michael Rödel, CIO, Bionorica AG
Michael Rödel, CIO, Bionorica AG
Foto: Dr. Michael Rödel, Bionorica

CW: SAP ermöglicht nun wieder die Wahl zwischen dem Standard- und dem Enterprise-Support. Alles in Butter?

RÖDEL: Wir haben gegen die Wartungspolitik der SAP einen Etappensieg errungen, aber das heißt keineswegs, dass wir den Krieg gewonnen hätten. Über die Indexierung hat SAP immer noch die Möglichkeit, die Wartungskosten durch die Hintertür derart anzuheben, dass wir ebenso gut auf das teure Enterprise-Support-Modell wechseln könnten.

CW: Und nun? Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

RÖDEL: Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht. Unsere Roadmap sah vor, SAP weltweit auszurollen - und zwar mit allen Modulen, einschließlich Business Warehouse (BW) und CRM. Im März 2007 haben wir in den vier deutschen Gesellschaften damit begonnen. Hinsichtlich der internationalen Niederlassungen ist das Projekt auf unbestimmte Zeit gestoppt. Stattdessen investieren wir in die Altsysteme. Nur für den Außendienst in den GUS-Ländern führen wir eine neue Lösung ein - aber keine von SAP. Durch eine Steigerung der Wartungsgebühren von 18 auf 22 oder mehr Prozent der Lizenzkosten mutet uns die SAP ständige Planungsunsicherheit zu. So kann ich meine IT-Kosten nicht guten Gewissens rechtfertigen.

CW: Wie konsequent ist Ihre Entscheidung gegen SAP?

RÖDEL: Hinsichtlich der Kernsysteme können wir SAP nicht einfach ablösen. Aber in den Randbereichen ist es durchaus möglich, sich nach Alternativprodukten umzusehen. Langfristig wollen wir zwar alle Systeme auf einer einheitlichen Plattform haben, aber das geht auch, indem man Schnittstellen für die relevanten Daten schafft. Wissen Sie, was mich am meisten stört? Die SAP will den Mittelstand als Zielgruppe, aber für diese Unternehmen ist die Software einfach zu teuer - nicht nur die Wartung, sondern auch die Lizenzgebühren. Ich bin mir nicht sicher, ob SAP das überhaupt bewusst ist. Für neue Investitionen hat man gemeinhin einen Planungshorizont von fünf Jahren. Da kann man es nicht hinnehmen, dass anderthalb Jahre nach dem Projektstart die finanzielle Planungsgrundlage über den Haufen geworfen wird. Wir brauchen einfach eine Kostenplanungs-Sicherheit.