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Bill Gates tritt erstmals in den Zeugenstand

22.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am heutigen Montag wird Bill Gates erstmals persönlich als Zeuge im US-Kartellverfahren gegen Microsoft auftreten. Der Chairman und Chief Software Architect des Softwareriesen sagt als achter Zeuge im Sinne der Verteidigung aus. Wie Firmensprecher Jim Desler erklärte, wird er dabei auf die Entwicklung der PC-Industrie und die kritische Rolle eingehen, die Microsoft zusammen mit den PC-Herstellern und Softwareentwicklern dabei gespielt hat, "den Verbrauchern den Zugang zum Computing zu verschaffen und Technologie zum wirtschaftlichen Wachstumsmotor zu machen". Zudem will Gates zu den Sanktionen Stellung nehmen, die von den neun klagenden US-Bundesstaaten vorgeschlagen wurden, und auf deren potenziellen Schaden für die Verbraucher und die gesamte Branche hinweisen. Die Anklage verlangt unter anderem, dass Microsoft eine modulare Windows-Version herausbringt, um den Wettbewerb anzukurbeln.

Viele Rechtsexperten haben davor gewarnt, Gates in den Zeugenstand zu rufen. Der Microsoft-Mitbegründer hatte im ersten Teil des Kartellverfahrens, in dem damals noch das US-Justizministerium zu der Klägerseite gehörte, eine eher unglückliche Figur abgegeben. Gates war zwar nicht persönlich erschienen, allerdings wurde eine auf Video aufgezeichnete Befragung von ihm vor Gericht gezeigt. Darin hatte der Firmengründer mehrfach mit Ausflüchten wie "Ich weiß nicht" oder "Daran kann ich mich nicht erinnern" reagiert sowie eine sehr defensive Haltung gegenüber dem damaligen Richter eingenommen. (ka)