Vorstellungsgespräch auf Augenhöhe

Bewerben für CIOs

Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
IT-Chefs führen mit künftigen Arbeitgebern keine Bewerbungsgespräche, sondern einen Dialog auf Augenhöhe. Wie man sich darauf vorbereitet, verraten ein Personalberater und Görtz-CIO Christoph Fülscher.

Durchschnittlich wechselt ein CIO alle vier Jahre und vier Monate den Arbeitgeber, rechneten die Marktforscher von Gartner schon 2009 vor. Angesichts der kurzen Verweildauer gehört das Finden einer neuen Führungsaufgabe für IT-Manager zum Arbeitsalltag. Zwar suchen in der Regel Headhunter im Unternehmensauftrag Führungskräfte und nehmen den Vermittelten die klassische Bewerbungsarbeit ab.

Sven Michaelis, Kienbaum: Bewirbt man sich als Führungskraft, ist das Vorstellungsgespräch ein Dialog auf Augenhöhe.
Sven Michaelis, Kienbaum: Bewirbt man sich als Führungskraft, ist das Vorstellungsgespräch ein Dialog auf Augenhöhe.
Foto: Privat

Den Manager-Bewerbern bleiben aber die Gespräche mit den Unternehmen – Personalberater Sven Michaelis von Egon Zehnder spricht vom „Dialog auf Augenhöhe". Um den bestmöglich zu nutzen, sollten sich Kandidaten intensiv vorbereiten: „Ich rate ihnen, zu überprüfen, in welchem Bereich ein Unternehmen mit welcher Strategie unterwegs ist. So können sie sich vorab überlegen, was die IT leisten muss, um diese Strategie optimal zu unterstützen."

Sich im eigenen Netzwerk informieren

Als Quellen für die Vorbereitung nennt der Berater das Internet, den Geschäftsbericht und insbesondere das persönliche Netzwerk. Intensiv vorbereitet hat sich auch Christoph Fülscher, der im April die Leitung der IT beim Hamburger Schuhfilialisten Ludwig Görtz übernahm: „Ich habe viel recherchiert, über Referenzprojekte gelesen und mich über mein persönliches Netzwerk informiert, auf welche Strategien und Plattformen das Unternehmen in der Vergangenheit gesetzt hat." Er habe sich viele Gedanken zur Marktausrichtung von Görtz gemacht und versucht, diese auf den IT-Bereich zu übertragen. Auch auf Fragen, welchen Mehrwert die IT für das Unternehmen künftig liefern soll, bereitete sich Fülscher vor.

Christoph Fülscher, heute CIO bei Ludwig Görtz, hat über Referenzprojekte gelesen.
Christoph Fülscher, heute CIO bei Ludwig Görtz, hat über Referenzprojekte gelesen.
Foto: Görtz

Auch wenn nicht jedes Thema aus der Vorbereitung im Gespräch thematisiert wird, verschafft man sich so einen guten Überblick und Sicherheit. „Oft wird ein Kandidat gefragt, wie er auf eine Situation im Unternehmen reagieren würde. Darüber kann man sicher diskutieren und sollte Ideen erläutern", rät Personalberater Michaelis. Das sei die Gelegenheit, um ähnliche Beispiele aus der eigenen Vita zu schildern, die deutlich machen, wie man die Situation gelöst hat.

Verständnis für das Business ist wichtig

„Viele denken fälschlicherweise, dass es in Gesprächen um CIO-Posten vor allem um die rein fachliche IT-Ausrichtung geht", sagt Michaelis. Vielmehr stehe im Fokus, wie der Kandidat das Business versteht, wie er als Mensch führt, sich in der Teamentwicklung engagiert und im Umgang mit seinen Business-Kollegen agiert. Am besten lasse sich das im Gespräch durch konkrete Beispiele belegen.

Vertrag auf Zeit: Nur vier Jahre bleibt der durchschnittliche CIO auf seinem Posten.
Vertrag auf Zeit: Nur vier Jahre bleibt der durchschnittliche CIO auf seinem Posten.
Foto: Tanusha - Fotolia.com

Wie andere Bewerber auch, sollten die Kandidaten für den Führungsjob eigene Fragen stellen, etwa zur Ausgestaltung der Aufgaben. Für Görtz-CIO Fülscher ist es wichtig, herauszufinden, „ob man als IT-Verantwortlicher am Business mitwirken wird oder das Unternehmen einen technisch orientierten CIO für den IT-Betrieb sucht". Vor dem Gespräch hat sich Fülscher eine Mindmap mit den Anforderungen und Aufgaben erstellt. Das zeigte ihm, über welche Aufgaben und Schwerpunkte er noch mehr herausfinden wollte. Solch gezieltes Stellen von Fragen empfiehlt auch Headhunter Michaelis: Ziel sei es, durch die Fragen das Umfeld und die Herausforderungen besser kennenzulernen.

Auf dieser Grundlage müsse man entscheiden, ob die Position der nächste gute Schritt sei: „Die allerersten Fragen sollten sich immer um die Position an sich drehen. Alles weitere – etwa die Vergütung – wird erst in späteren Gesprächen thematisiert." Als Christoph Fülscher nach den Gesprächen bei seinem heutigen Arbeitgeber Görtz bereits positives Feedback erhalten hatte, bat er um ein weiteres Gespräch. "Mir war es wichtig, die jeweiligen verantwortlichen Geschäftsführer kennenzulernen und offene Fragen zu klären. So habe ich ein gutes Gefühl für die Erwartungshaltung der Fachbereiche und für meinen Gestaltungsspielraum als CIO bekommen", so Fülscher.