Supply-Chain-Management

Bestandsreduzierung und Insourcing im Trend

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Wie Unternehmen versuchen, die Auswirkungen der Krise auf ihre Lieferketten abzumildern.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirkt sich unmittelbar und schwerwiegend auf die Lieferketten der Industrieunternehmen aus (siehe "Mit der Lieferkette durch die Krise"). Das zeigt auch eine Umfrage der Unternehmensberatung PRTM Management Consultants unter 80 Supply-Chain-Verantwortlichen global agierender Firmen verschiedener Branchen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Skandivavien und den USA. "Die Krise unterwirft die globalen Wertschöpfungsnetze einer Zerreißprobe", fasst Reinhard Geissbauer, Geschäftsführer von PRTM, zusammen. Angesichts fehlender Daten seien die Markteilnehmer gezwungen, "unter Blindflugbedingungen" zu planen. Gleichzeitig gewinne die Liquiditätssicherung an Gewicht.

Ein entscheidender Faktor ist die Supply-Chain-Flexibilität, also die Fähigkeit, trotz ungeplanter Schwankungen der Nachfrage ohne Qualitätsverlust lieferfähig zu bleiben. Die durch das schwierige Geschäftsumfeld entstehende Unsicherheit macht solche Planungen umso wichtiger. Viele Unternehmen sind jedoch gezwungen, mit Annahmen zu arbeiten, da verlässliche Daten nur für den kurzfristigen Planungshorizont vorliegen. Voraussagen jenseits der Drei-Monatsgrenze müssen in immer kürzeren Intervallen angepasst werden.

Bei den Strategien zur Krisenbewältigung beobachten die Experten derzeit einen Trend zum Insourcing. Aufträge, die an Lieferanten vergeben worden sind, werden verstärkt wieder selbst erledigt, um unmittelbarer reagieren zu können und die eigenen Fertigungsstätten besser auszulasten. Weitere Methoden sind das Liquiditäts-Management und hier vor allem die Bestandsreduzierung (74 Prozent der Nennungen). Das ist auch richtig, meint Michael D’heur, Principal bei PRTM. Angesichts der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe sollten Firmen nicht unnötig Kapital abfließen lassen und ihre Bestände so weit wie möglich reduzieren. "Was sich im Aufschwung gerechnet hat, wirkt sich in schlechten Zeiten unter Umständen negativ auf das Ergebnis aus", räumt der Experte ein. Auch könne es sinnvoll sein, Outsourcing-Entscheidungen wieder zu revidieren.

Jedes fünfte Unternehmen arbeitet daran, die Komplexität der Lieferkette einzudämmen - etwa durch die Reduzierung der Fertigungsvarianten. Allerdings versuchen nur 29 Prozent der Befragten, über zusätzliche produktbezogene Dienstleistungen wie Wartung, Zubehör und differenzierte Logistik-Services Umsatzrückgänge zu kompensieren. Ein Fehler, so D’heur: "Wenn die Produktmärkte weg brechen und Investitionen in neues Equipment aufgeschoben werden, laufen die vorhandenen Maschinen länger und bedürfen innovativer Services. Hier lässt sich noch Geld verdienen." Beispiele seien End-to-End-Product-Lifecycle-Services sowie Diensleistungen im Bereich Product-Performance-Improvement und für externe Drittmaschinen.

Die befragten Unternehmen haben in den letzten zwölf Monaten Umsatzrückgänge zwischen 30 und 49 Prozent erlitten. In Einzelfällen waren es sogar bis zu 80 Prozent. (sp)