Google vs. App-Hersteller Disconnect

Beschwerde bei EU-Kommission eingereicht

Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Google droht neuer Ärger in Europa. Ein App-Hersteller hat Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Der Grund: die angebliche Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung des Android-Betriebssystems.

Dem Tech-Riesen Google droht neuer Ärger in Europa. Erst vor wenigen Wochen hatte die EU-Kommission dem US-Konzern eine Milliardenstrafe wegen Wettbewerbsverzerrung in Aussicht gestellt. Wie das "Wall Street Journal"(WSJ) berichtet, hat nun Disconnect, Inc. - ein Hersteller von Security- und Privacy-Apps - eine offizielle Beschwerde gegen Google bei der EU-Kommission eingereicht. Die Begründung: Ausnutzung der Vormachtstellung auf dem Markt für mobile Endgeräte.

Google im Visier der EU: noch ist nicht abzusehen, ob und wenn ja welche Auswirkungen die Beschwerde des App-Herstellers Disconnect auf die laufende Untersuchung der EU-Kommission haben wird.
Google im Visier der EU: noch ist nicht abzusehen, ob und wenn ja welche Auswirkungen die Beschwerde des App-Herstellers Disconnect auf die laufende Untersuchung der EU-Kommission haben wird.
Foto: Gil C / shutterstock.com

Android-Mobil-Monopol ausgenutzt?

Die neuerliche Beschwerde dürfte den EU-Regulatoren in die Hände spielen. Denn die hatten bereits angekündigt, auch das Google-Betriebssystem Android in einer getrennten Untersuchung unter die Lupe zu nehmen. Konkret begründet Disconnect seine Beschwerde damit, dass Google seine marktbeherrschende Position auf dem Mobile-Markt ausgenutzt habe, um sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und so seine eigene Security-Software in den Vordergrund zu stellen.

Security vs. Werbung und Big Data

Der Hintergrund des Vorfalls: Google hatte im vergangenen Jahr eine App von Disconnect aus dem Play Store mit der Begründung entfernt, die Software verstoße gegen eine Richtlinie die besagt, dass keine Software andere Apps störend beeinflussen darf.

Die Verantwortlichen bei Disconnect sehen die Sache jedoch ganz anders: demnach habe man die App seitens Google nur deshalb entfernt, weil sie das Sammeln von Nutzer- und Bewegungsdaten und die Ausrollung von Werbung verhindert habe, die wiederum die beiden wesentlichen Profit-Faktoren für Google darstellen. Deshalb fordert Disconnect nun über die EU-Kommission die Wiedereinstellung ihrer App in den Google Play Store.

Das sagt Google zu den Vorwürfen

Die Reaktion von Google auf die neuen Vorwürfe fällt erwartungsgemäß eher einsilbig aus. Wie das "WSJ" unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher schreibt, betrachtet Google die Beschwerde schlicht als "unbegründet".

Die EU-Kommission hat nun die Möglichkeit, die Beschwerde von Disconnect in einem gesonderten Verfahren zu behandeln, sie in die geplante Android-Untersuchung einzugliedern oder sie schlichtweg zu ignorieren.