IT-Management

Benchmarks helfen bei der SOA-Planung

Bernd Seidel ist freier Journalist und Coach in München.
Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, eine Service-orientierte Architektur (SOA) umzusetzen. Ein Benchmark kann helfen, den Ist-Zustand transparent zu machen und Handlungsoptionen zu finden. Wie das geht, erläutern der unabhängige Analyst Wolfgang Martin und Kai Nowak vom Beratungshaus Maturity Consulting.

CW: Wo stehen die Unternehmen bei der Implementierung einer SOA und wo liegen die Herausforderungen?

"Der Hype um das Thema SOA hat sich abgekühlt", beobachtet der Analyst Wolfgang Martin.
"Der Hype um das Thema SOA hat sich abgekühlt", beobachtet der Analyst Wolfgang Martin.

Martin: Zunächst einmal haben wir im Rahmen unseres jährlichen SOA-Checks festgestellt, dass sich der Hype um das Thema abgekühlt hat. SOA ist in den Unternehmen angekommen. Auf Seiten der IT wurden Hausaufgaben erledigt und man hat verstanden, dass SOA kein IT-Thema ist und, dass man eine SOA nicht von der Stange kaufen kann. Für mehr als die Hälfte der 58 befragten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Serviceorientierung "sehr große" oder mindestens "große" Bedeutung. Zusätzliche 34 Prozent sehen eine mittlere Wichtigkeit. Zweidrittel der Unternehmen beschäftigen sich bereits seit zwei Jahren damit. Interessant ist, dass bereits fast jeder dritte Befragte SOA als Unternehmensarchitektur versteht, ein Zeichen dafür, dass sich SOA immer mehr über die reine IT hinaus ausbreitet. Ferner sind eine Reihe von neuen Berufsbildern entstanden: Service Engineer, Service Manager, Service Administrator und Service Composer sind die meist genannten. Soweit die guten Nachrichten.

CW: Und die schlechten?

Martin: Bei vier von zehn Projekten bleibt die Zielerreichung unter 50 Prozent, während nur rund 25 Prozent der Projekte ihre geplanten Vorgaben zu 80 Prozent und mehr erreichen (siehe auch: Warum SOA-Projekte schief gehen).

CW: Woran liegt das?

Martin: Die Vielfalt an Aufgaben und Möglichkeiten bei der Umsetzung von SOA macht Projekte so komplex. SOA betrifft die Organisation, die Strategie, Geschäftsprozesse und die technische Umsetzung. Serviceorientierung wirkt auf allen Ebenen. Deshalb müssen in vielen Bereichen und auf den unterschiedlichsten Ebenen Arbeiten erledigt werden. Die Unternehmen haben es bisher aber nicht verstanden, dass sie mit Hilfe von SOA-Governance genau dieses Zusammenspiel und die Rollenverteilung zwischen IT und den Businessbereichen regeln können und müssen. Konkret: Aufgaben wie sie Prozessdesigner und IT-Architekten wahrnehmen, finden keinen Gegenpart in den Fachbereichen. Gerade einmal 20 Prozent der Befragten wollen sich darum kümmern, nur knapp die Hälfte hat überhaupt Service-Level-Agreements (SLAs) definiert, um die Leistungsvereinbarungen zwischen IT und Fachbereich zu messen und zu fixieren. Wie soll man feststellen können, wann und wie mit SOA die Ziele erreicht werden, wenn keine vereinbart sind? Hier gibt es großen Nachholbedarf (siehe auch: Wie sich SOA-Projekte rechnen).

Nowak: Es ist eine komplexe Aufgabenstellung, eine gewachsene monolithische, engmaschig verzahnte Anwendungslandschaft in eine flexible und lose gekoppelte umzubauen. Das macht man nicht über Nacht. Hinzu kommt, dass Unternehmen weiterhin ihr Tagesgeschäft haben. Der Umbau der SOA passiert also quasi bei voller Fahrt. Man hat keine zwei Jahre Zeit, die Welt anzuhalten oder parallel alles neu zu machen; dazu fehlt das Geld.

CW: Was empfehlen Sie Unternehmen?

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