McKinsey zu Web 2.0 in Firmen

Bei Social Media kehrt Realismus ein

Werner Kurzlechner
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
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Die Social Media-Euphorie hat nachgelassen. Das zeigen die Daten einer McKinsey-Erhebung, wenn man sie über mehrere Jahre vergleicht.
Das Netz mit Kunden und unter Mitarbeitern ist in den vergangenen Jahren immer dichter geknüpft worden. Bei Business-Partnern ist das nicht der Fall.
Das Netz mit Kunden und unter Mitarbeitern ist in den vergangenen Jahren immer dichter geknüpft worden. Bei Business-Partnern ist das nicht der Fall.
Foto: Benicce, Fotolia.de

Web 2.0 ist in den vergangenen Jahren in vielen Unternehmen ein Stück Alltag geworden. Gleichwohl haben sich nicht alle einst gehegten Hoffnungen erfüllt, die große Transformation zum „Enterprise 2.0“ ist allenfalls in Ansätzen erfolgt und manche Illusionen mussten begraben werden. Wie genau sich der Einsatz von Web 2.0-Technologien in Firmen entwickelt hat, lässt sich jetzt auf einer interaktiven Karte von McKinsey nachvollziehen. Die Berater machen dort die historische Entwicklung der Daten aus ihrer jährlichen Social Media-Umfrage unter 2000 Anwendern anschaulich nachvollziehbar.

Die Daten der jüngsten Studie sind bereits in die Übersicht integriert. Diese lässt ohne Interpretation durch die Analysten der Kern ihrer Befunde offenbar werden. So lässt sich erkennen, dass der Einsatz von sozialen Technologien zwar tatsächlich jedes Jahr zunimmt. Aber dass es parallel dazu auch rückläufige Entwicklungen gibt.

Beispielsweise betreibt mittlerweile die Hälfte der Unternehmen Social Networking, 41 Prozent nutzen Blogs. Diese beiden Anwendungsfelder gab es 2007 nicht einmal in jedem fünften Unternehmen. Seither stieg der Verbreitungsgrad konstant an. Videosharing war 2007 noch nahezu unbekannt, erlebte 2008 einen Durchbruch und ist inzwischen in 38 Prozent der Firmen im Einsatz.

Demgegenüber stagnieren Wikis und Podcasts längst. Etwa jedes vierte Unternehmen setzt diese beiden Instrumente ein. Das sind Werte, die sich seit 2008 kaum noch verändert haben. Microblogging stieg erst in den vergangenen drei Jahren merklich an, auf mittlerweile ebenfalls 23 Prozent. Demgegenüber sind Mash-Ups noch nicht einmal für jedes zehnte Unternehmen interessant.

Klingt bisher alles noch nach einer – zumindest im Kern – umfassenden Erfolgsgeschichte. Zugleich zeigt sich aber, dass die Unternehmen gelernt haben, nicht auf die totale Durchdringung mit Web 2.0-Technologie zu setzen. Der Anteil der Firmen, in denen erkennbar mehr als die Hälfte der Mitarbeiter mit sozialen Technologien arbeitet, ist jüngst merklich zurückgegangen. Das gilt für Blogs und Social Networking ebenso wie für die meisten anderen Bereiche. Die Anwender erkennen also immer mehr einen Definitionsbedarf, wo und von wem genau mit internetbasierten Tools gearbeitet werden soll.

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