Bedenken innerhalb von Microsoft

Ballmer: Wir können auch ohne (Yahoo!)

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Der Microsoft-CEO Steve Ballmer hat bei einem Auftritt in Mailand erklärt, Microsoft könne sehr wohl auch "allein weitermachen ohne Yahoo!".

Das ursprüngliche Angebot von Microsoft für Yahoo! in Höhe von 44,6 Milliarden Dollar sei "eine Menge Geld", so Ballmer weiter. Bei seinen Aussagen könnte es sich natürlich schlicht um verhandlungstaktische Rhetorik handeln, um den Kaufpreis für Yahoo! niedrig zu halten (ohnehin hat die Offerte an Wert verloren, weil der Microsoft-Aktienkurs nach der Bekanntgabe des Angebots am 31. Januar von 31 Dollar auf mittlerweile 30,45 Dollar gesunken ist).

Eine von Yahoo! geforderte Aufstockung des Angebots könnte aber auch durch Bedenken innerhalb der Microsoft-Belegschaft limitiert werden, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider berichtet. Die Unruhe innerhalb des Konzerns konzentriere sich dabei auf zwei Hauptbereiche: Zum einen sorgten sich die Mitarbeiter in Microsofts eigener Online-Sparte um ihre Zukunft, zum anderen glauben Mitarbeiter in anderen Bereichen, eine Integration von Yahoo! würde die Aufmerksamkeit des Top-Managements und andere Ressourcen von anderen großen Herausforderungen abziehen.

Die Bedenken hinsichtlich Yahoo! haben nach Aussagen von Microsoft-Quellen bereits zu einer verstärkten Personalabwanderung in der Online-Services-Sparte und dort insbesondere im Bereich der Online-Anzeigenvermarktung geführt. Ballmer und andere Befürworter der Übernahme hätten ihre Vorstellungen zu dem geplanten Deal zudem nach einer ersten Ankündigungswelle kaum mehr intern kommuniziert, so Kenner des Unternehmens.

Es wird erwartet, dass Microsoft in den kommenden Tagen mehr Details zu seinen Yahoo!-Plänen mitteilt. Finanzchef Chris Liddell hätte dazu zum Beispiel heute nach US-Börsenschluss in der Telefonkonferenz mit Analysten zu den Microsoft-Quartalsergebnissen Gelegenheit. Am Samstag läuft außerdem die von Ballmer gesetzte Frist ab, nach der Microsoft sein Angebot angeblich den Yahoo!-Aktionären öffentlich unterbreiten und damit die Übernahme in eine feindliche verwandeln will.

Microsoft hat offenbar auch eine Liste mit möglichen Kandidaten aufgestellt, die es gegebenenfalls für den Yahoo!-Verwaltungsrat aufstellen würde. Darauf stehen Insidern zufolge zehn Kandidaten plus drei alternative Nachrücker. Laut "Wall Street Journal" finden sich darunter unter anderem der frühere Nextel-Partners-Chef John Chapple, der frühere CEO der Grey Global Group, Edward Meyer, die frühere Overture-Services-COO Jaynie Studenmund sowie die frühere Finanzchefin von Adelphia Communications, Vanessa Wittman.

Die Zeitung berichtet weiter, das US-Justizministerium prüfe, ob die von Yahoo! getestete Auslagerung seiner Suchanzeigen an Google gegen das Kartellrecht verstoße. Der Test ist Teil von Yahoo!s Bemühungen, sich mit neuen Allianzen gegen die Übernahme durch Microsoft zu verstärken. Ein Sprecher des Ministeriums wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. (tc)