Schwacher PC-Markt kostet 3200 Jobs

Auch Lenovo ist nicht immun

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Auch der chinesische Weltmarktführer Lenovo ist nicht immun gegen den immer weiter rückläufigen PC-Markt.

Neben der PC-Marktschwäche leidet Lenovo außerdem unter der zunehmenden Sättigung des chinesischen Smartphone-Markts. Für das erste Quartal seines laufenden Geschäftsjahres musste der Konzern, der weiter die Integration zweier großer Übernahmen verdaut, einen Gewinnrückgang um 51 Prozent ausweisen. Das schickte die Aktie von Lenovo, das im vergangenen Jahr den US-amerikanischen Smartphone-Bauer Motorola Mobility und das Lowend-Server-Geschäft der IBM für zusammen rund 5 Milliarden Dollar gekauft hatte, auf den niedrigsten Kurs seit 18 Monaten - am Donnerstagmorgen gaben sie an der Börse in Hong Kong um fünf Prozent auf 8,05 Hong Kong Dollar (umgerechnet 1,04 US-Dollar) nach. Firmenchef Yang schrieb in einer Meldung, das letzte Quartal sei "wahrscheinlich die härteste Marktumgebung der vergangenen Jahre" gewesen.

Yuanqing Yang, CEO von Lenovo
Yuanqing Yang, CEO von Lenovo
Foto: Lenovo

Der nach ausgelieferten Stückzahlen größte PC-Hersteller der Welt will daher im Rahmen eines 650 Millionen US-Dollar schweren Sparprogramms 3200 Stellen in Bereichen außerhalb der Produktion streichen, das entspricht dort zehn Prozent und an der Gesamtbelegschaft fünf Prozent. Analysten waren zuvor schon pessimistisch angesichts der Aussichten für Lenovo gewesen, schreibt das "Wall Street Journal". Der weltweite PC-Markt ging im zweiten Quartal 2015 um knapp zwölf Prozent zurück, und auch der chinesische Smartphone-Markt war nach Zählung von IDC im gleichen Zeitraum zum ersten Mal seit sechs Jahren rückläufig. "Der Markt ist schneller erodiert als irgendjemand erwartet hätte", kommentiert Patrick Moorhead, Principal Analyst bei Moor Insights & Strategy. "Im Augenblick ist alles möglich."

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Lenovo-Chef Yuanqing Yang sagte in der Telefonkonferenz mit Finanzanalysten zu den enttäuschenden Quartalszahlen, er werde das Smartphone-Geschäft restrukturieren. Lenovo werde weniger neue Modelle herausbringen und die übernommene Marke Motorola stärker herausstellen. In der nächsten Quartalsbilanz sollen 900 Millionen Dollar Kosten für Restrukturierung und Lagerüberbestände abgeschrieben werden. Mit der Motorola-Übernahme war Lenovo eigentlich zum drittgrößten Mobiltelefon-Bauer weltweit aufgestiegen. Im zweiten Quartal 2015 fiel es aber bereits auf den fünften Platz und wurde laut Counterpoint Research von den ebenfalls in China ansässigen Huawei und Xiaomi überholt.

Lenovos ThinkPad P50 mit Xeon-Prozessor kommt im November auf den Markt.
Lenovos ThinkPad P50 mit Xeon-Prozessor kommt im November auf den Markt.
Foto: Lenovo

Im Unternehmensgeschäft, zu dem auch die von Intel übernommenen x86-Server gehören, will Lenovo sich verstärkt auf schnellwachsende Segmente wie "Hyperscale"-Rechenzentren großer Internet-Firmen sowie konvergente Systeme (die neben Rechenleistung auch Storage und Netkomponenten enthalten, Anm. d. Red.) fokussieren.

Der Nettogewinn für das Ende Juni abgeschlossene Viertejahr betrug noch 105 Millionen Dollar, weniger als die Hälfte der 214 Millionen aus dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Erwartungen oder besser Befürchtungen der Analysten von 86,7 Millionen Dollar übertraf Lenovo damit allerdings deutlich. Den Umsatz konnte das Unternehmen im Jahresvergleich von 10,4 Milliarden Dollar um drei Prozent auf 10,7 Milliarden steigern. Von der aktuellen Abwertung des chineischen Yuan erwartet Lenovo-Finanzchef Wong Waiming übrigens kaum Auswirkungen. Operative Hauptwirkung des Konzerns sei der Dollar; für eine sinkende Nachfrage in China sei die Abwertung nicht stark genug, die Kosten würden entweder die Hersteller oder die Verbraucher abfedern.

Nach Zählung von Gartner konnte Lenovo übrigens im zweiten Quartal mit einem Marktanteil von 19,7 Prozent nach Stückzahlen seine Spitzenposition im weltweiten PC-Markt verteidigen - und dass obwohl Lenovo einräumen musste, dass es im Jahresvergleich erstmals seit dem zweiten Quartal 2013 wieder weniger Rechner loswurde.