Arbeitsplatz Messewirtschaft

13.12.2001
Von Veronika Renkes
"Bedarf an gut qualifizierten IT-Kräften gibt es bei uns immer", erzählt Petra Grießmann, Personalreferentin bei der Messe Frankfurt GmbH. Auch Ortwin Posselt, Leiter der Personalakquise und -verwaltung der Deutschen Messe AG Hannover, hat zurzeit noch mehrere Stellen im IT-Bereich zu besetzen.

Was treibt die Messegesellschaften dazu, ihre IT-Strukturen auszubauen und "fähigen Berufseinsteigern, die in relativ kurzer Zeit selbständig arbeiten können, gute Karrierechancen zu bieten", wie Posselt es formuliert? "Mit traditionellen Marketing-Konzepten kommen die Textilunternehmen in der Exportförderung nicht mehr weiter", sagt Michael Fischbach, Sprecher des Gesamtverbands der Textilindustrie, und erläutert damit, warum seine Branche eine Vorreiterrolle in Sachen virtuelle Messe eingenommen hat.

"tex-net.de" heißt die Daueraustellung im Internet, bei der deutsche Textilproduzenten, Hersteller von Textilmaschinen und branchennahe Forschungsinstitute seit März 2000 ihre neuesten Entwicklungen präsentieren. Bei der Konzeption und Umsetzung der virtuellen Textilmesse hat Frank Dühnelt, Projektleiter bei der Berliner Alphalink - elektronische Kommunikationssysteme GmbH, mitgewirkt. Der 28-jährige Betriebswirt knüpfte schon während seines Studiums den Kontakt zu seinem heutigen Arbeitgeber, bei dem er auch seine Diplomarbeit über die Entwicklung des E-Commerce in der Automobilindustrie schrieb. Das nötige Wissen über Programmiersprachen, Datenbanken oder Netze hatte sich der Computerfan neben dem Studium angeeignet.

Das richtige Vokabular beherrschen

"Meine wirtschaftsbezogene Ausbildung kam mir bei dem tex-net.de-Projekt zugute. Begriffe wie Geschäftsprozessoptimierung oder zielgruppenspezifisches Marketing waren keine Fremdwörter für mich." Im Umgang mit den Kunden sei es wichtig, dass man das jeweilige Vokabular beherrscht. Einen ebenso hohen Stellenwert hätten Kommunikationsfähigkeit und Kreativität. Denn Dühnelt muss potenziellen Kunden ein möglichst realistisches und plastisches Bild einer Cybermesse vermitteln und deren Möglichkeiten, aber auch Grenzen darlegen.

Sind die virtuellen Messen eine Konkurrenz zu den realen? Nein, sagen die Verbandsvertreter einmütig, sie seien vielmehr nur als ergänzendes Angebot sinnvoll. Selbst die Schöpfer virtueller Messewelten sehen deren Grenzen durchaus. "Die Besucher verlieren sehr schnell das Interesse an rein künstlichen Messen", sagt Edouard Bannwart, Chef der Berliner Echtzeit AG und Spezialist für Immobilienvisualisierung und virtuelle Messen. Seine Empfehlung lautet denn auch: Um ihr Potenzial als Kommunikationsinstrument sinnvoll zu nutzen, sollten virtuelle Messen immer mit realen Veranstaltungen verknüpft werden.

Die Echtzeit AG entwirft dreidimensionale Darstellungen von Messehallen, Ausstellungsständen, Produkten und virtuellen Verkäufern, den so genannten Avataren. Diese präsentieren die Produkte und geben standardisierte Antworten. Eine direkte Interaktion ist derzeit nicht möglich - die technischen Probleme bei der Spracherkennung sind noch zu groß. Für die 3D-Visualisierung von virtuell begehbaren Messeständen oder Städten braucht Echtzeit Mitarbeiter, die ein tief gehendes räumliches Vorstellungsvermögen und einschlägige Softwarekenntnisse haben.

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