E-Payment

Apple will Apple Pay um P2P-Überweisungen erweitern

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Apple führt derzeit Gespräche mit amerikanischen Banken, um einen Payment-Service zu entwickeln, der Geldtransaktionen zwischen Smartphones ermöglicht. Damit kämen die USA auf dem Weg in Richtung einer bargeldlosen Zukunft einen Schritt voran.

Das "Wall Street Journal" berichtet mit Verweis auf Insiderkreise, dass Apple in fortgeschrittenen Gesprächen mit einigen Banken stehe. Es sei aber unklar, ob es schon eine fixe Übereinkunft gebe. Viele Dinge befänden sich noch "im Fluss", darunter auch technische Aspekte bezüglich der Einbindung eines solchen Dienstes in die IT-Infrastrukturen der Banken.

Venmo von PayPal ist Marktführer

Der Service wäre vergleichbar mit der "Venmo"-Plattform von PayPal, die insbesondere bei jungen US-Konsumenten beliebt ist - beispielsweise bei Bewohnern von Wohngemeinschaften, die sich so Miet-, Telefon- und sonstige Kosten einfach teilen. Unklar ist bislang auch das Geschäftsmodell, das Apple verfolgt. Sicher käme ein solcher Dienst aber der grundsätzlichen Strategie entgegen, das iPhone für seine Nutzer noch ein bisschen unentbehrlicher zu machen, als es für viele heute bereits ist.

Banken in aller Welt sind daran interessiert, dass es mit den Peer-to-Peer (P2P-)Bezahldiensten vorangeht, weil sie personalintensive Bargeld- und Scheck-Transaktionen gerne zurückfahren würden. Doch nahezu überall haben Bargeld und Schecks als Zahlungsmittel immer noch einen deutlichen Vorsprung vor Diensten wie PayPal, Square, Venmo oder dem klassischen Online- und Mobile-Banking, wenn es beispielsweise gilt, Geld an Freunde zu überweisen oder einen Handwerker zu bezahlen.

Von Girokonto zu Girokonto

Der Apple-Dienst, so er denn wirklich herauskommt, würde Konsumenten erlauben, über ihre Apple-Geräte Zahlungen direkt von ihrem Girokonto aus anzustoßen. Er wäre wohl mit dem "Apple-Pay"-System verbunden, der Kunden Kreditkartenzahlungen mit dem iPhone ermöglicht (siehe auch unsere FAQ zu Apple Pay). Den Insidern zufolge steht der neue Payment-Service nicht unmittelbar vor der Einführung, er könnte aber im Laufe des kommenden Jahres auf den US-Markt kommen. Apple soll Gespräche mit J.P. Morgan Chase & Co., Capital One Financial Corp., Wells Fargo & Co. sowie U.S. Bancorp führen, heißt es.

So kaufen Nutzer von Googles MyWallet-App ein.
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Foto: Telekom

Heutige Lösungen für den Zahlungsverkehr mit mobilen Endgeräten funktionieren meist mit einer App, in die dann für eine Transaktion die Telefonnummer oder Email-Adresse des Empfängers einzugeben ist. Die Überweisungen sind in der Regel kostenlos, die Provider nehmen nur Gebühren für Extraservices - beispielsweise für den Geldtransfer nicht über das Girokonto, sondern von einer Kreditkarte aus.

Venmo von PayPal ist der weltweit am schnellsten wachsende Dienst für Peer-to-Peer-Überweisungen. Das auf den Finanzsektor spezialisierte Beratungsunternehmen Aite Group rechnet vor, dass derzeit 19 Prozent solcher Transaktionen über diesen Dienst erfolgen. Im dritten Quartal 2015 sind laut PayPal mobile Zahlungen von 2,1 Milliarden Dollar mit Venmo getätigt worden - vor einem Jahr waren es noch 700 Millionen Dollar. Auch das von Twitter-Gründern ins Leben gerufene Payment-Startup Square Inc. und Facebook sind in diesem Markt unterwegs.

Apple iTunes enthält Millionen von Kreditkartendaten

Apple Pay werden große Chancen eingeräumt, weil Apple über die iPhone-Verbreitung und die in iTunes vorhandenen Kontodaten einen Vorsprung besitzt.
Apple Pay werden große Chancen eingeräumt, weil Apple über die iPhone-Verbreitung und die in iTunes vorhandenen Kontodaten einen Vorsprung besitzt.
Foto: Apple

Das Journal zitiert den Analysten Patrick Moorhead mit der These, dass Technologiefirmen , die - wie Apple mit iTunes - bereits über Hundertmillionen von Kreditkarteninformationen ihrer Kunden verfügen, nun diese Kuh melken und weitere Dienste anbieten wollen. "Die besten Chancen haben sicher die Plattformen, auf denen die Kunden ohnehin ihre Zeit verbringen", meint der Marktkenner. Apples CEO Tim Cook hatte erst am vergangenen Mittwoch in einer Rede am Trinity College in Dublin gesagt, digitale Zahlungssysteme wie Apple Pay würden so selbstverständlich, dass "Eure Kinder gar nicht mehr wissen werden, was Bargeld ist".

Deutsche haben Sicherheitsbedenken

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Eine aktuelle Umfrage von eResult unter 500 Smartphone-Nutzern zeigt, dass die Deutschen immer noch einen großen Bogen um E-Payment machen und am liebsten mit Bargeld zahlen. Über 80 Prozent der Befragten haben Sicherheitsbedenken und Angst vor Missbrauch im Falle eines Verlusts ihres Smartphones. Immerhin kennen aber mehr als die Hälfte der Befragten mobile Bezahlverfahren und 30 Prozent können sich vorstellen, diese zukünftig zu benutzen. Beklagt werden die heterogene Anbieterlandschaft und die Unübersichtlichkeit der Angebote. Außerdem fehle es schlicht an Einzelhändlern, die mobile Zahlverfahren unterstützten.

Viele P2P-Bezahldienste in Not

Unter den Startups, die in Deutschland Per-to-Peer-(P2P-)Bezahldienste anbieten, herrscht indes ein munteres Kommen und Gehen. So richtig erfolgreich ist niemand. Der 2013 gegründete Anbieter Avuba beispielsweise informierte seine Kunden in diesem Jahr, dass der Dienst im August eingestellt werde. Auch Dienstleister wie Cringle oder Kesh kommen kaum voran. Der börsennotierten Cashcloud AG aus der Schweiz geht das Geld aus. Die Aktie wird seit dem 21. Oktober 2015 wegen des Verdachts auf Kursmanipulationen nicht mehr gehandelt. Der britische Dienst Payfriendz, der den deutschen Markt erobern wollte, hat bereits wieder die Segel gestrichen. Auch das Schweizer Pendant Klimpr hat seinen Dienst zum 1. Oktober 2015 eingestellt, als Grund wurden die hohen regulatorischen Anforderungen und die aufkommende Konkurrenz großer Unternehmen genannt.

Apple hat die tiefsten Taschen

Gemeint ist neben PayPal sicher auch Apple, das seinen Service Apple Pay vor gut einem Jahr eingeführt hatte (alles über Apple Pay finden Sie hier). Seitdem schart das wertvollste Unternehmen der Welt, das auf einem Cash-Bestand von weit über 150 Milliaren Dollar sitzt, ständig Banken und Handelsketten um sich, die das Verfahren unterstützen. Obwohl sich Apple Pay noch in einem frühen Stadium befindet, ist es bereits bekannter als jedes andere E-Payment-Model.

Facebook: Zahlen mit dem Messenger

Doch die Internet-Konkurrenz schläft nicht - auch wenn sie bei uns in Deutschland mit ihren Zahldiensten noch kaum sichtbar ist. Facebook hatte in den USA sein Peer-to-Peer-Zahlmodell im März diesen Jahres als Feature für den Messenger eingeführt. Kunden geben im Facebook-Account ihre EC-Kartendaten ein und können dann über das Chat-Fenster Geld von Girokonto zu Girokonto überweisen. Sind die Karteninformationen hinterlegt, können Nutzer der Chat-Software ein $-Zeichen eingeben, den Betrag nennen und bestätigen. Der Empfänger öffnet die Message und bestätigt den Erhalt des Geldes. Inzwischen sind auch in Gruppen-Chats Überweisungen möglich. Auch Facebook-Verweigerer können Messenger inklusive Überweisungsservice nutzen.

Google: Transaktionen per Gmail, Wallet und Square

Google hatte sogar schon vor ein paar Jahren seinen amerikanischen und britischen Gmail-Nutzern ermöglicht, untereinander Geld zu überweisen. Demnächst soll der Dienst Pressberichten zufolge auch nach Deutschland kommen. Innerhalb des Gmail-Accounts erscheint ein Währungszeichen (Dollar, Pfund, Euro), mit dem sich die Überweisung - maximal 10.000 Dollar auf einmal - in Gang setzen lässt. Anwender, die eine mobile Option wollen, können die App Google Wallet nutzen. Auch hier werden Zahlungen über die Debit-Karte (EC-Karte) initiiert, weil hier - im Gegensatz zur Kreditkarte keine Gebühren anfallen.