VoiceCentral

Apple verärgert iPhone-Entwickler

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Apples Entscheidung, die iPhone-App "VoiceCentral" aus dem AppStore zu verbannen, sorgt für Aufregung.

Kevin Duerr, Geschäftsführer der Riverturn Inc. aus Durham, North Carolina, ist sauer auf Apple - und er ist nicht der einzige. Hintergrund ist Apples Entscheidung, die Applikation Voice-Central von Riverturn aus dem AppStore zu nehmen. Als bekennenden Fan des Mac-Herstellers habe ihn dieser Schritt ins Mark getroffen. VoiceCentral ist eine iPhone-Applikation, mit der Nutzer des Smartphones Googles Telefondienst "Voice" nutzen können.

Apple hatte die ablehnende Haltung damit begründet, dass das Google-Programm Funktionen biete, die das iPhone ohnehin beherrsche. In Wahrheit ist es aber wohl eher so, dass Apple seinem US-Vertriebspartner AT&T entgegenkommt. Google Voice, bislang nur in den USA nutzbar, ersetzt zwar nicht grundsätzlich den Carrier-Vertrag, bietet aber eine Menge Funktionen, an denen die TK-Anbieter wohl gerne selbst verdienen würden - zumal viele von ihnen derzeit ihre eigenen App-Stores einrichten.

Duerr berichtet in seinem Blog von einem Telefonat mit Apple, in dem ihm erklärt worden sei, VoiceCentral "dupliziere" vorhandene iPhone-Funktionen und sei daher aus dem Angebot genommen worden. Auf die Frage des Entwicklers, was er unternehmen könne, um im virtuellen Regal zu bleiben, habe er keine Antwort erhalten. Duerr fragte: " Können Sie mir sagen, welche Bestandteile meiner App iPhone-Features duplizieren?" Apple-Mitarbeiter "Richard" - eine nähere Identifikation gibt es nicht - habe geschrieben: "So tief ins Detail kann ich nicht gehen."

VoiceCentral war seit Ende April im Apple-Shop verfügbar, in den letzten Wochen soll die zunächst schleppende Nachfrage deutlich angezogen haben. Auslöser für die Belebung der Geschäfte war laut Duerr die Ankündigung Googles, seine Voice-App für Android und Blackberry anzubieten.

Duerr ärgert sich vor allem über die Geheimniskrämerei: "Ich weiß, so ist Apple, sie lieben das. Aber in diesem Geschäftszweig kann ich das nicht nachvollziehen. Welchen Schaden hätten sie davon, einem Entwickler zu erklären, warum eine Applikation aus dem AppStore genommen wird?" Er wisse nicht, ob er die iPhone-Plattform weiter unterstützen werde. Das Risiko, Geld in die Entwicklung zu stecken und dann so abgekanzelt zu werden, sei sehr groß. Jede Woche kämen derzeit neue mobile Marktplätze auf. Da sei es nicht schwer, sich anders zu orientieren.

Dem Riverturn-Chef zufolge sind die VoiceCentral-Kunden besonders verärgert: "Die Software läuft weiter, aber wir können den Anwendern keine Updates oder neuen Features anbieten." Viele Anwender wollten nun aussteigen und ihr Geld zurück haben. Apple garantiere ihnen auch die Rückerstattung, der Betrag gehe aber voll zu Lasten des App-Anbieters. (hv)