iPhone15 Pro

Apple-User klagen über heißes iPhone

28.09.2023
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director a.D. von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO.
Das iPhone 15 Pro mit dem modernen Titan-Rahmen soll Apples künftige Umsätze und Gewinne sichern. Doch nun klagen erste Besitzer, das Gerät werde zu heiß.

Die Flaggschiffe unter den neu vorgestellten iPhone-15-Modellen sind die in einen Titan-Rahmen eingefassten Modelle iPhone 15 Pro und iPhone 15 Pro Max. Nun berichten verschiedene Medien, dass sich diese Phones in bestimmten rechenintensiven Fällen über Gebühr erhitzen. Das Wall Street Journal (WSJ) will es in Tests nachgewiesen haben, auch in Social-Media-Posts von Käufern aus China, den USA und Kanada heißt es, sie könnten das Gerät manchmal kaum anfassen.

Beim iPhone 15 Pro könnte der neue Titan-Rahmen dazu beitragen, dass die Hitze nicht ausreichend abgeleitet wird.
Beim iPhone 15 Pro könnte der neue Titan-Rahmen dazu beitragen, dass die Hitze nicht ausreichend abgeleitet wird.

Die hohen Temperaturen entstehen offenbar meistens beim Aufladen und beim Einsatz ressourcenintensiver Apps. Tester fürchten jetzt, dass Apple Korrekturen etwa bei den Software-Updates vornehmen muss, die auf Kosten der Performance gehen könnten. Das wäre für den Konzern bitter, da auch Apple unter der weltweit schwachen Nachfrage leidet und mit seinen teuren und beliebten Premium-Geräten Umsatzdellen auszugleichen hofft.

Das iPhone 15 Pro wird bis zu 47 Grad warm

Joanna Stern, Technikredakteurin beim WSJ, stellte in einem Test fest, dass das iPhone 15 Pro Max beim Aufladen eine Temperatur von 106 Grad Fahrenheit erreichte, das entspricht knapp 47 Grad Celsius. Das Gerät erreichte ähnliche Temperaturen, wenn es während des Ladevorgangs prozessorintensive Aufgaben, etwa Spiele, ausführte.

Ganz ungewöhnlich ist das allerdings nicht: Das iPhone 14 Pro Max wurde in einem vergleichbaren Test ähnlich heiß. Und in der typischen Alltagsnutzung - WhatsApp, SMS, E-Mails, Instagram-Scrollen - lagen die Temperaturen im normalen Bereich. Dennoch sind Temperaturen von über 40 Grad nicht gut. Ein Problem könnte der neue, besonders leichte Titanrahmen der Premium-Geräte sein, der die Wärme möglicherweise nicht so gut aus dem Telefon leitet wie es bei früheren Modellen üblich war.

Auch die chinesische Tech-Informationsplattform DGtle testete ein iPhone 15 Pro Max. Beim Herunterladen des Handy-Spiels "Genshin Impact" über ein 5G-Netz erhitzte sich das Telefon sogar auf rund 50 Grad Celsius. Die Tester spielten dann etwa 15 Minuten im hochauflösenden Modus und erreichten eine ähnliche Temperatur. Eine solch starke Hitzeentwicklung stört nicht nur die Nutzer, sie kann auch das Gerät selbst beschädigen, vor allem den Akku.

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iPhone 15 Pro - Sondersituation in China

Aus China kommt eine weitere Beschwerde auf einer Social-Media-Plattform, in der eine Nutzerin berichtet, sie habe während des Aufladens Text- und Sprachnachrichten verschickt. Was den Prozessor normalerweise nicht übermäßig belasten sollte, geriet hier zu einem echten Problem: Der Ladevorgang wurde unterbrochen, weil das Telefon zu heiß geworden war.

Einen guten Kompromiss zwischen geringem Gewicht und Wärmeableitung zu finden, war für Smartphone-Anbieter schon immer eine Herausforderung. Das WSJ zitiert Apple-Insider, denen zufolge der Anbieter erwäge, vom kommenden Jahr an ein neues Material für die Leiterplatte des Telefons zu verwenden, das die Wärme besser ableite.

Es ist auch nicht ganz auszuschließen, dass das Hitzeproblem vor allem in China auftritt. Dort baut Apple aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, aber auch wegen der besonderen Nutzergewohnheiten einen physischen SIM-Kartensteckplatz in seine iPhones ein. Da im Innenraum des Telefons kaum Platz ist, könnten dadurch neue Herausforderungen für die Wärmeableitung entstanden sein. Zusammen mit der Verwendung von Titan und der damit verbundenen schlechten Wärme-Absorbierung könnte diese Enge zu dem Überhitzungsproblem beitragen, sagen die Insider.

Apple-Anwender dürften trotz allem gelassen bleiben: Sie kennen es schon, dass neue Geräte Probleme mit sich bringen können. So war das iPhone 4 aus dem Jahr 2010 ein völlig neu designtes Gerät, das die Antenne außen am Rahmen platziert hatte. Wer das Phone falsch in der Hand hielt, musste mit einer Unterbrechung der Netzverbindung rechnen ("Antennagate"). Das iPhone 6 Plus (2014) konnte sich in seltenen Fällen in der Hosentasche verbiegen ("Bendgate"). Und im vergangenen Jahr lösten einige iPhone 14-Besitzer unfreiwillig Apples Autounfallerkennung aus, während sie in einer Achterbahn fuhren.

Der weltweite Smartphone-Markt ist im zweiten Quartal 2023 geschrumpft.
Der weltweite Smartphone-Markt ist im zweiten Quartal 2023 geschrumpft.
Foto: IDC

Schlechte Zeit für schlechte Nachrichten

Solche Vorfälle sind nicht schön, aber auch nicht allzu bedrohlich. Wirtschaftlich kann sich Apple aber genauso wenig wie alle anderen Anbieter schlechte Nachrichten leisten. In einem schrumpfenden Markt können sich Fehler besonders schmerzhaft auswirken. Die Analysten von Counterpoint Research erwarten, dass die weltweiten Smartphone-Auslieferungen in diesem Jahr um sechs Prozent auf 1,15 Milliarden Geräte zurückgehen werden. Behielten sie recht, wäre das der niedrigste Wert seit zehn Jahren.

Bei Apple entfällt mehr als die Hälfte der Einnahmen auf das iPhone. Der Umsatz mit dem Gerät schmolz im vergangenen Quartal um 2,4 Prozent auf 39,7 Milliarden Dollar zusammen. Damit verfehlte Apple die Erwartungen der Wallstreet-Analysten - was angesichts der enormen Profitabilität des Unternehmens allerdings kein allzu großes Problem darstellte. (hv)